Trauerbeflaggung am Rathaus: Stadt gedenkt der Opfer des rassistischen Terrors in Hanau

Elf Tote

Die Flaggen auf dem Lüner Rathaus sind am Freitag (21.2.) auf halbmast gesetzt, als Zeichen der Trauer um die Opfer des allem Anschein nach rechtsextremen Terroranschlags von Hanau.

Lünen

21.02.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Flaggen auf dem Rathaus hängen auf halbmast. Anlass ist das Gedenken an die Opfer des rechtsextremen Anschlags von Hanau.

Die Flaggen auf dem Rathaus Lünen hängen auf Halbmast. Anlass ist das Gedenken an die Opfer des rechtsextremen Anschlags von Hanau. © Stadt Lünen

Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte bereits gestern angekündigt, dass er Trauerbeflaggung anordnen werde. Im hessischen Hanau hatte ein Mann am Mittwochabend zehn Menschen erschossen und sich danach selbst getötet. Die Ermittlungsbehörden gehen von einem rassistischen Motiv aus.

Die Lüner Stadtspitze drückte ihre Trauer um die Opfer des Terroranschlags aus und äußerte sich am Freitagmittag in einer Stellungnahme bestürzt. Lünens Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns sagte demnach am Donnerstag: „Die Nachricht hat mich fassungslos gemacht. Man fragt sich, wie so etwas passieren kann, wie jemand Menschenleben auslöschen kann aus Hass auf andere Menschen.“

Kleine-Frauns: Als Stadtgesellschaft Solidarität zeigen

Kleine-Frauns sagt demnach weiter: „Es zeigt sich: Wir dürfen dem Hass keinen Raum geben, wir müssen dem Rassismus und der Diskriminierung entgegentreten. Auch hier in Lünen. Hanau ist kaum größer als Lünen, liegt auch am Rande eines Ballungsraums, hat auch viele Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund. Die Probleme sind nicht ‚woanders‘, sie sind in unserer Mitte. Das liegt auch an den Kräften in unserer Gesellschaft, die mit unverhohlen menschenverachtenden Parolen versuchen, den Hass wieder salonfähig zu machen. Das darf nicht sein und deswegen ist es richtig, dass wir dem entgegentreten.“

Dazu gehöre laut Kleine-Frauns auch, „dass wir zeigen, dass wir als Stadt um die Opfer dieses rechten Terrorakts trauern. Und dazu gehört, dass wir als Stadtgesellschaft Solidarität zeigen mit den Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die allein wegen ihres Aussehens oder ihrer Religion zum Feindbild der Hetzer und Faschisten gehören.“

Beigeordneter stammt aus Hanau

Horst Müller-Baß, seit 2009 Beigeordneter der Stadt Lünen, ist in Hanau geboren und aufgewachsen. Er kennt die Stadt und ihre Menschen und zeigte sich betroffen: „Ich habe vor dem Fernseher gesessen und nur gedacht ‚das kann nicht sein‘. Es mag ja sein, dass der Attentäter psychische Probleme hatte. Aber die rassistische Ideologie in ihm war es doch, die ihn letztlich anscheinend zu dieser Tat getrieben hat. Das muss uns als Gesellschaft aufschrecken.“

Deswegen sei es zum einen wichtig, dass man Präventionsangebote hat, um Menschen nicht in die Welt der rassistischen Gedanken abrutschen zu lassen. „Ich nenne nur mal als Beispiel das Projekt ‚Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage‘, in dem sich auch Lüner Schulen engagieren. Zum anderen ist es aber auch wichtig, dass man diejenigen zur Verantwortung zieht, die den Hass und Rassismus in den Köpfen der Menschen anstacheln und befeuern.“

AfD instrumentalisiert den Terror

Kleine-Frauns und Müller-Baß erklärten in ihrer Reaktion auch, wen sie dabei konkret im Blick haben: „Politiker der AfD haben zum Beispiel nur wenige Stunden nach dem Anschlag gezielt diesen Terrorakt instrumentalisiert, um mit kruden Theorien und Verzerrungen ihre populistische Ideologie zu verbreiten. Gegen solche Hetze müssen wir Demokraten – auch in Lünen – aufbegehren und müssen Flagge zeigen.“

Kenan Küçük

Stellungnahme des Multikulturellen Forums

„Wir trauern um die Opfer von Hanau. Sie waren keine „Fremden“; jede*r von ihnen war eine*r von uns. Der Angriff erfolgte nicht „wahllos“, sondern richtete sich gezielt gegen Menschen, die nicht in das rassistische Weltbild des Täters passten. Es ist an der Zeit, Dinge beim Namen zu nennen und über Rassismus zu sprechen - jede andere Wortwahl wird der Sache nicht gerecht. Nach dem NSU-Urteil haben wir gemeinsam mit vielen gefordert, dass dieses #keinSchlussstrich sein darf. Seitdem haben Kassel, Halle und nun leider auch Hanau gezeigt, wie groß das Problem mit rechtem Terror in Deutschland ist. Ein Zufall ist das nicht: Der Einzug von rechtem, menschenverachtendem Gedankengut in den öffentlichen Diskurs bereitet den Boden für solche Taten. Wir fordern alle Verantwortlichen dazu auf, den rassistischen Terror endlich als System zu begreifen und zu bekämpfen. Gemeinsam mit allen Demokrat*innen werden wir dem Hass Solidarität entgegensetzen und rufen zur Teilnahme an den Mahnwachen auf, die heute und in den nächsten Tagen in ganz Deutschland stattfinden werden.“
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Coronavirus
Lüner Ehepaar wartet auf Rückflug von Australien: Kreuzfahrt wegen Coronavirus abgebrochen
Hellweger Anzeiger Coronavirus
Lüner Ehepaar Köth bewahrt auch mit 87 und 90 Jahren trotz des Coronavirus Lebensfreude