Corona-Tests in Hochhauskomplex: Fünf Bewohner infiziert

Die Ergebnisse sind da, aber der Alltag geht noch nicht wieder richtig los in den Hochhäusern mit mehreren infizierten Bewohnern in Grevenbroich. Das Gesundheitsamt muss Kontaktpersonen dieser Virus-Träger ermitteln.

28.04.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei dem Massentest auf das Coronavirus in einem vorübergehend abgeriegelten Hochhauskomplex in Grevenbroich sind fünf infizierte Bewohner festgestellt worden. „Alle anderen Testergebnisse sind negativ“, teilte der Rhein-Kreis Neuss am Dienstag mit. Insgesamt waren am Sonntag 377 Bewohner der Wohnanlage in der 63 000 Einwohner großen Stadt getestet worden. Die spektakuläre Aktion war nötig geworden, weil zwei Familien mit acht infizierten Mitgliedern sich nicht an die Quarantänebestimmungen gehalten und weiter Kontakt mit den Nachbarn hatten.

In Siegen wurden am Dienstag alle Studenten in einem Wohnheim für 300 Bewohner auf das Coronavirus getestet. Zuvor waren sieben Mitbewohner positiv auf das Coronavirus getestet worden. 159 Studenten hätten sich freiwillig einen Abstrich für den Test nehmen lassen, teilte der Kreis mit. Mit den Ergebnissen wird am Freitag gerechnet. Es gehe darum, einen Corona-Hotspot in dem Studentenheim zu vermeiden, sagte der Leiter des Gesundheitsamts, Christoph Grabe.

Bei den fünf positiv getesteten in Grevenbroich handelt es sich nach Angaben des Rhein-Kreises Neuss um eine Einzelperson sowie um vier weitere Infizierte aus drei Familien. Das Kreis-Gesundheitsamt empfahl der Stadt, die Betroffenen schnellstmöglich gemeinsam mit allen im Haushalt lebenden Personen für 14 Tage anderweitig unterzubringen. „Wir stimmen uns jetzt mit dem Gesundheitsamt über das weitere Vorgehen ab“, sagte Stephan Renner, der Sprecher der Stadt Grevenbroich.

Das Gesundheitsamt des Kreises müsse ermitteln, mit welchen Personen die Infizierten engen Kontakt hatten, sagte der Sprecher von Grevenbroich. Es sei dann Aufgabe der Stadt, falls nötig eine Quarantäneverfügung auch für diese Kontaktpersonen anzuordnen. Im Anschluss könne die Quarantäne für den Hochhauskomplex in Grevenbroich aufgehoben werden. Dies sollte möglichst noch im Laufe des Dienstags geschehen, sagte der Sprecher.

Einer der Bewohner äußerte sich gegenüber der „Bild“-Zeitung: „Die Maßnahme war notwendig und richtig!“ Der 49-Jährige sagte weiter: „Es ist wichtig, Gewissheit zu haben, ob man sich angesteckt hat oder nicht.“ Der Frührentner warf den Behörden Versäumnisse vor, da es sich bei dem Hochhauskomplex um einen sozialen Brennpunkt mit vielen unterschiedlichen Familien handele. „Man hätte nicht davon ausgehen sollen, dass sich alle an Regeln halten. Es hätte ein Betreuungskonzept geben müssen.“

Laut „Neuss-Grevenbroicher Zeitung“ schilderten andere Mieter, dass die Hausverwaltung in dem Hochhaus-Komplex zwar Hinweise auf Hygiene- und Abstandsregeln ausgehängt habe – dies aber nur in deutscher Sprache. In den „Wabenhäusern“ lebten aber Menschen aus zwei Dutzend Nationen, so die Zeitung.

Seit dem Massentest am Sonntag hatten die Behörden die Gebäude abgeriegelt. Ein Sicherheitsdienst überwachte, dass keiner das eingezäunte Gelände verließ oder hineinging. Bewohner, die nicht getestet werden wollten, müssen ohnehin 14 Tage in Quarantäne bleiben.

Im Fall eines Mannes, der am Montag in dem besagten Hochhauskomplex tot in seiner Wohnung gefunden worden war, wird es laut Polizei keine weiteren Ermittlungen geben: Es gebe in dem Fall keinen Hinweis auf eine Straftat. Der 58-jährige Wohnungsinhaber sei wohl am Wochenende gestorben. Eine Obduktion werde es nicht geben.

Die Polizei war am Montag alarmiert worden, weil der Bewohner nicht ans Telefon gegangen war - obwohl er im Zuge der Quarantäne hätte zu Hause sein müssen. Die Einsatzkräfte hatten den Mann dann tot in seiner Wohnung entdeckt.

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