Tönnies will Werkverträge in „Kernbereichen“ abschaffen

Deutschlands größter Schlachtbetrieb Tönnies reagiert auf die massive Kritik an der großen Zahl an Werksangestellten. Bis Ende 2020 sollen alle Werkverträge „in allen Kernbereichen der Fleischgewinnung“ abgeschafft und die Mitarbeiter in der Tönnies-Unternehmensgruppe eingestellt werden. Das teilte Tönnies am Dienstag in Rheda-Wiedenbrück mit.

23.06.2020, 13:21 Uhr / Lesedauer: 1 min

Tönnies reagierte damit auf die Kritik an dem System, mit Werkverträgen die Lohnkosten zu drücken. Nach einem Corona-Ausbruch in der Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück hat das Land Nordrhein-Westfalen am Dienstag angekündigt, das öffentliche Leben im Kreis Gütersloh stark einzuschränken.

Das Bundeskabinett hatte als Konsequenz aus früheren Corona-Ausbrüchen in der Branche Ende Mai beschlossen, Werkverträge weitgehend zu verbieten - also dass die Ausführung von Arbeiten bei Subunternehmern eingekauft wird. Das Schlachten und Verarbeiten von Fleisch soll ab 1. Januar 2021 nur noch mit Arbeitnehmern des eigenen Betriebes zulässig sein.

Tönnies kündigte zudem an, eine digitale Zeiterfassung an allen deutschen Standorten für die Arbeiter einzuführen. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte wiederholt Kritik an der fehlenden digitalen Zeiterfassung geübt. „Der Tönnies kann Ihnen sagen, von welchem Schwein die Mettwurst ist – er kann aber keine digitale Zeiterfassung machen“, sagt Laumann am Montag in der ARD-Sendung „Hart aber fair“.

Außerdem will das Unternehmen nach eigenen Angaben ausreichenden und angemessenen Wohnraum für die Beschäftigten der Unternehmensgruppe an den Standorten schaffen. Auch dieser Punkt soll möglichst bis zum 1. Januar 2021 umgesetzt werden. Nach Angaben eines Tönnies-Sprechers könne es aber beim Thema Wohnen in den verbleibenden sechs Monaten bis Ende 2020 ein Zeitproblem geben.

„Wir wollen auch in Zukunft in Deutschland Fleisch produzieren. Dafür brauchen wir die gesellschaftliche Akzeptanz“, sagt Clemens Tönnies als Mitinhaber. „Dies gilt über alle Ketten der Fleischproduktion und schließt ausdrücklich die Landwirtschaft mit ein.“

Der Tönnies-Konkurrent Westfleisch hatte am Dienstag angekündigt, bis Ende des Jahres alle Mitarbeiter selbst einzustellen und auf Werkvertragsanbieter zu verzichten.

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