Tönnies darf Firma mit Werkvertragsarbeitern übernehmen

Deutschlands größter Fleischkonzern Tönnies hat grünes Licht vom Kartellamt für die Übernahme einer Firma mit Werkvertragsarbeitern bekommen. Die Wettbewerbshüter erlaubten Tönnies den Kauf der Lazar GmbH aus Crailsheim in Baden-Württemberg. Lazar beschäftige speziell für die Arbeit in Schlachtbetrieben ausgebildete Arbeitskräfte, sogenannte Zerleger, die überwiegend aus Südosteuropa stammten, teilte das Kartellamt am Donnerstag mit. Auf die Übernahme einer zweiten Lazar-Firma muss Tönnies jedoch verzichten.

27.08.2020, 12:21 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein Schild weist in Bonn auf den Eingang zum Bundeskartellamt hin. Foto: Henning Kaiser/dpa/Archivbild

Ein Schild weist in Bonn auf den Eingang zum Bundeskartellamt hin. Foto: Henning Kaiser/dpa/Archivbild

Mit dem Kauf reagiert Tönnies auf die schärferen Regeln für die Fleischindustrie, die nach den massiven Corona-Ausbrüchen bei Tönnies und in anderen Betrieben der Branche auf den Weg gebracht wurden. Ein Gesetzentwurf von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sieht vor, dass in größeren Betrieben ab 1. Januar 2021 im Kerngeschäft Schlachtung, Zerlegung und Fleischverarbeitung keine Werkvertragsarbeiter und ab 1. April 2021 auch keine Leiharbeiter mehr beschäftigt werden dürfen.

Durch den ursprünglich geplanten Erwerb der beiden Lazar-Gesellschaften hätte Tönnies auch Arbeitskräfte übernommen, die in Betrieben von mittelständischen Wettbewerbern tätig sind. Damit hätte Tönnies seine eigene Marktposition zum Nachteil der Konkurrenten weiter stärken können, teilte das Kartellamt mit. Nach Bedenken der Behörde habe Tönnies die Anmeldung zurückgenommen. Beide Lazar-Gesellschaften beschäftigen den Angaben zufolge rund 350 Arbeitnehmer. Tönnies hatte angekündigt, bis Mitte September sollten die ersten 1000 Werkvertragsarbeiter fest eingestellt werden.

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