Theaterprobe via Minecraft: Schauspieler üben Stück über PC-Spiel

Kultur-Szene in Corona-Krise

In der Freilichtbühne Werne sollte im November das Stück „Und dann gab‘s keines mehr“ steigen. Mit dem Lockdown kam die Verschiebung. Die Schauspieler proben derweil auf neue Wege: per PC-Spiel Minecraft.

Werne

, 22.11.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Reale und virtuelle Welt: Die Mitglieder der Freilichtbühne Werne üben zurzeit über das PC-Spiel Minecraft für ihre Inszenierung des Stücks „Und dann gab's keines mehr“.

Reale und virtuelle Welt: Die Mitglieder der Freilichtbühne Werne üben zurzeit über das PC-Spiel Minecraft für ihre Inszenierung des Stücks „Und dann gab's keines mehr“. © Freilichtbühne Werne

Nachdem die Verantwortlichen der Freilichtbühne Werne mit Beginn der Corona-Pandemie die gesamte Saison absagen mussten, verkündeten sie im Herbst, dass es doch noch Aufführungen in diesem Jahr geben soll. Das Stück „Und dann gab‘s keines mehr“ von Agatha Christie sollte an drei Abenden Mitte November steigen. Doch der Lockdown in diesem Monat durchkreuzte die Pläne.

Die drei Aufführungen sollen nun am 11., 12. und 15. Dezember nachgeholt werden. Die Proben für die Krimi-Abende gehen also weiter. Doch ein Treffen der zehn beteiligten Akteure des Stücks ist im Lockdown verboten.

Deshalb gehen die Schauspieler nun neue, ganz unkonventionelle Wege. Sie treffen sich regelmäßig virtuell - in dem Computerspiel Minecraft, in dem sie ihre eigene Bühne visuell aufbauen. Im Interview erklären die beiden Regisseure Marius Przybilla und Holger Schulte, was es damit auf sich hat.

Seit langer Zeit spielt die Freilichtbühne das erste Mal einen Krimi für Erwachsene - wie kam es dazu?

Schulte: Der Wunsch nach einem Stück in diesem Format gibt es schon länger. Bereits in den letzten Jahren wollten wir unser Publikum erweitern. Leider mussten durch die Corona-Pandemie alle regulären Inszenierungen abgesagt werden. Dies gab uns die Möglichkeit, in diesem Jahr einen Krimi mit überschaubarer Anzahl von Spielern zu inszenieren. So war es uns möglich, die Auflagen des Gesundheitsamtes einzuhalten.

Wie waren die Reaktionen zu dem Projekt in den eigenen Reihen?

Przybilla: Die Mitglieder haben sich gefreut, dass wir in diesem Jahr doch noch eine geplante Premiere auf die Bühne bringen wollen. Für die Inszenierung selbst haben sich, neben den zwei Regisseuren, noch acht weitere Schauspieler gefunden. So hatten maximal zehn Personen miteinander Kontakt. Bereits vor der Auswahl der Schauspieler war klar, dass der zeitliche und organisatorische Aufwand in diesem Schnelldurchlauf deutlich höher ausfällt als bei einer normalen Saison.

Die Premiere musste verschoben werden- wie seid ihr damit umgegangen?

Przybilla: Natürlich waren wir uns von Anfang an darüber bewusst, dass durch die dynamische Situation neue Auflagen und Verordnungen in Kraft treten könnten. Selbstredend waren wir alle sehr betroffen, da wir Ende Oktober kurz vor unserer Generalprobe standen. Jetzt freuen wir uns aber auf die hoffentlich stattfindenden Ausweichtermine.

Nun finden die Aufführungen im Dezember statt. Wie laufen die Vorbereitungen ab?

Schulte: Die Vorbereitungen waren für die Premiere im November weitestgehend abgeschlossen. Durch die neuesten Kontaktbeschränkungen sind die Proben auf der Bühne leider nicht mehr möglich. Diese bis zur Premiere im Dezember ausfallen zu lassen, war allerdings keine Option. So verabredeten wir uns zu Onlineproben per Videochat. Zufriedenstellend für die Vorbereitung war das nicht, so dass es zu der verrückten Idee kam, die virtuelle Welt eines Computerspiels zum Proben zu nutzen.

Im Spiel Minecraft kann man sich 3D-Welten aufbauen. So wurde auch das Bühnenbild samt Schauspieler der Freilichtbühne virtuell gestaltet.

Im Spiel Minecraft kann man sich 3D-Welten aufbauen. So wurde auch das Bühnenbild samt Schauspieler der Freilichtbühne virtuell gestaltet. © Freilichtbühne Werne

Also geht es von der Bühne an den Schreibtisch?

Schulte: Ja, jedoch waren vorher noch einige Vorbereitungen nötig. Es stellte sich heraus, dass unser Bühnentechniker, Nils Knösel, ein Minecraft-Experte ist. Er ließ sich von der Idee direkt anstecken und baute unser Bühnenbild auf seinem eigenen Minecraft-Server nach. Schnell fand sich ein Sponsor für die Lizenzen und wir konnten dieses tollkühne Projekt starten.

Welche Unterschiede und Schwierigkeiten ergeben sich durch die Online-Proben?

Przybilla: Jeder Spieler kontrolliert bei diesen Onlineproben eine Figur über eine virtuelle Bühne. Er kann zum Beispielen Türen öffnen, sich setzen, Sachen in die Hand nehmen und mit anderen Spielern durch Hand- oder Kopfbewegungen auch etwas über „Körpersprache“ ausdrücken. Dennoch ist eine virtuelle Probe natürlich gar kein Vergleich zu einer „echten“ Probe vor Ort. Die Interaktion, dass sich gegenseitig aufbauende Spiel, ist nicht wirklich nachzubilden. Was aber überraschend gut funktioniert, sind die Positionen auf der Bühne sowie die Auf- und Abgänge. Außerdem kann man noch mehr an seiner Stimme arbeiten, da man Mimik und Gestik in diesem Fall nicht zur Verfügung hat. Emotionen entwickeln sich auf der Bühne wieder schnell - die Textkenntnis tut das erfahrungsgemäß nicht. Auch da hilft uns diese neue Art der Proben.

Wie kam dieser ungewöhnliche Schritt bei den Schauspielern an?

Schulte: Viele Schauspieler kannten dieses Spiel nicht und brauchten ihre Zeit, um sich in der virtuellen Bühne zurechtzufinden. Das ging dann aber erstaunlich schnell. Zu Beginn gab es eine Gewisse Skepsis diesem Schritt gegenüber. Diese war dann aber schnell verflogen und alle waren sich einig, dass es einen Mehrwert zu den „normalen“ Leseproben gab und zudem auch noch mehr Spaß macht.

Hat die „gewonnene“ Zeit auch Vorteile für die Vorbereitung?

Przybilla: Wir versuchen, die verschobene Premiere positiv zu sehen und an uns und der Inszenierung weiterzuarbeiten. Außerdem warten wir noch auf das ein oder andere Paket mit zusätzlichen Kostümteilen und Requisiten - diese werden bis dahin auf jeden Fall ankommen.

Das Krimi-Stück „Und dann gab’s keines mehr“ ist in der Freilichtbühne für 11., 12. und 15. Dezember (jeweils um 19.30 Uhr) geplant. Personalisierte Tickets für je 10 Euro gibt es auf der Internetseite www.soldier-island.de und unter der Reservix-Hotline (01806) 700 733. Alle Infos gibt es auf der Facebook-Seite der Freilichtbühne sowie auf der Internetseite www.fb-werne.de
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