Theater-Performance über Videokonferenzen

Der sorgsam geplante Auftritt kommt komisch rüber, „Hört Ihr mich?“ und wieder setzt das Mikro zum falschen Zeitpunkt aus: Seit Millionen Arbeitsplätze in Privatwohnungen verlegt wurden, sind Videokonferenzen eine tägliche Erfahrung. Inzwischen sind Zoom-Meetings im Homeoffice auch Thema im Theater. Weil alle Bühnen geschlossen sind, finden die Aufführungen im Internet statt. Die erste Folge von „End Meeting For All“ des internationalen Theater-Kollektivs „Forced Entertainment“ wurde am Dienstagabend uraufgeführt.

29.04.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

Entstanden ist das dreiteilige Stück als gemeinsame Produktion dreier Bühnen in drei Städten: dem Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt, dem Hebbel am Ufer in Berlin und und dem PACT Zollverein in Essen. Entstanden sind drei Episoden, die an drei Tagen gestreamt werden. Weitere Termine sind am 5. und am 12. Mai.

„Forced Entertainment“ wurde in den 1980er Jahre im britischen Sheffield gegründet, aktuell gehören sechs Performer zum Kernteam. „Auch die vielfach ausgezeichneten Vorreiter des europäischen Experimentaltheaters sitzen seit mehreren Wochen im Corona-Virus-Lockdown fest“, berichtete der Mousonturm. Das „fragmentarische Online-Werk“ sei „mitten aus den aktuellen Lebens- und Arbeitsbedingungen“ der Künstler entstanden.

Zu sehen waren am Dienstag sechs Video-Kacheln mit sechs Teilnehmern einer überdrehten Videokonferenz. Mit grauer Perücke klagt Claire theatralisch über die endlose Quarantäne, Cathy braucht zum Mitweinen eine Zwiebel. Jemand lacht im Hintergrund, beim Regisseur klingelt der Lieferdienst. Eine betrinkt sich und einer verkleidet sich als Tod. Nach 30 Minuten ist schon wieder Schluss. Manche Videokonferenz im realen Leben bietet mehr Drama.

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