Teenager-Duo aus Herne verurteilt: „Sie sind zu jung, um ihr Leben wegzuwerfen“

dzProzess

Nach einem Überfall auf einen drogenbenebelten Nachtschwärmer muss ein Teenager-Duo (16,19) aus Herne Jugendhaft und Arrest verbüßen. Beide Angeklagten mussten sich beim Urteil Kritik anhören.

Bochum/Herne

, 18.03.2020, 12:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Acht Monate nach einem hinterhältigen Überfall am Bahnhof in Herne sind zwei Teenager (16/19) am Dienstag am Bochumer Landgericht zu vier Wochen Dauerarrest beziehungsweise 15 Monaten Jugendhaft verurteilt worden.

Die beiden Angeklagten hatten laut Urteil am 24. Juli 2019 zusammen mit einem minderjährigen (und weil unter 14 Jahre alt auch strafunmündigen) Begleiter den Nachtschwärmer auf eine Grünfläche hinter dem Bahnhofsgelände gelotst. „Jedem war klar, dass das Opfer in die Falle gelockt und ausgeraubt werden sollte“, sagte Richter Stefan Culemann in der Urteilsbegründung. Nachdem das Opfer mit einem Faustschlag zu Boden gebracht worden war, wurde es beraubt. Die Beute: Ein Gucci-Gürtel, ein Portemonnaie und ein i-Phone.

Bedenken bei den Angaben des Raubopfers

Beide Angeklagte hatten sofort beim Prozessauftakt über ihre Verteidiger Geständnisse abgelegt. Das honorierte die 8. Jugendkammer auch bei der Bemessung der jeweiligen Strafen. Bedenken hatten die Richter allerdings bei den Angaben des Raubopfers, das zur Tatzeit offenbar massiv unter dem Einfluss von Drogen gestanden hat. Der Nachtschwärmer wollte angeblich zunächst von einer Pistole, später von einem Elektroschocker bedroht und eingeschüchtert worden sein.

Tatsächlich folgten die Bochumer Richter im Urteil den geständigen Angaben der beiden Angeklagten zum eingesetzten Drohgegenstand. „Wir glauben, dass es ein abgebrochener Flaschenhals war“, hieß es. Im Ergebnis spiele das aber letztlich auch keine Rolle – beide Gegenstände seien als gefährliche Werkzeuge zu bewerten.

19-Jähriger auch wegen weiterer Straftaten verurteilt

Beide Angeklagte mussten sich beim Urteil kritische Worte anhören. „Wir haben keinen positiven Beleg, dass Sie dabei sind, die Kurve zu kriegen“, hieß es an die Adresse des 16-Jährigen. Daher sei es notwendig, ihm mit einem vierwöchigen Warnschuss-Arrest klarzumachen, dass es so nicht weitergehen kann. Im Fall des 19-Jährigen sind in das Urteil auch noch weitere Taten, unter anderem Drogenhandel, Beleidigung und gefährliche Köperverletzung miteingeflossen.

Eine Bewährungschance für den bei der Polizei als Intensivtäter geführten Teenager, hielten die Bochumer Richter für ausgeschlossen. Nicht zuletzt die rasante Anzahl von Straftaten in kürzester Zeit mache das zunichte. Mit Blick auf die verhängte Jugendhaftstrafe hieß es im Urteil an die Adresse des 19-Jährigen: „Wir hoffen sehr, dass Sie die Zeit nicht vergeuden. Sie sind zu jung, um ihr Leben wegzuwerfen.“

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