Täuschend echt: Fake-Shops machen Geld mit Vertrauen der Verbraucher

dzVerbrauchertipp

Begehrte Produkte, die zu Schnäppchenpreisen im Internet angeboten werden, locken oft Verbraucher in die Falle. Das Geld, als Vorkasse gezahlt, ist weg, die Ware kommt aber nie an.

Lünen, Selm, Werne

, 18.09.2020, 09:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Immer wieder werben Shops mit verlockenden Waren zu Schnäppchenpreisen im Internet. Handtaschen, Designer-Klamotten oder trendige High-Tech-Produkte werden überraschend günstig im Netz angeboten. Gegen Vorkasse, versteht sich. Doch da sollten Kunden sehr wachsam sein, rät das Team der Lüner Verbraucherberatung. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie haben viele Verbraucher im Internet eingekauft. Manch einer ist auf Fake-Shops hereingefallen. „Wir hatte vermehrt Anfragen dazu“, so Jutta Gülzow, Leiterin der Lüner Verbraucherberatung.

Denn häufig handelt es sich um sogenannte Fake-Shops. Deren Prinzip ist einfach: Kunden anlocken, die dann per Vorkasse zahlen und am Ende mit leeren Händen dastehen. Denn die Ware kommt nie bei ihnen an. Wie man sich schützen kann, erläutert Jutta Gülzow in Fragen und Antworten.

? Gibt es die Chance, sein Geld zurück zu bekommen, wenn man auf einen Fake Shop hereingefallen ist?

Leider eher nicht. „Wer in die ausgelegte Falle tappt und den verlangten Betrag für das begehrte Produkt vorab überweist, hat kaum eine Chance, sein gezahltes Geld jemals wiederzusehen“, warnt Jutta Gülzow. Wird die Echtheit eines Shops nur vorgegaukelt, um zu kassieren, handelt es sich um Betrug. Eine solche Täuschung sollte bei der Polizei angezeigt werden.

Termin vereinbaren

Beratung telefonisch oder per Mail

  • Das Team der Lüner Verbraucherberatung bietet weiterhin aufgrund von Corona eine Beratung telefonisch, Tel. (02306) 30138 - 01, per E-Mail: luenen@verbraucherzentrale.nrw und Fax: (02306) 30138 - 08, an.
  • Wenn ein persönliches Gespräch nötig ist, wird ein Termin vereinbart und das Gespräch unter den notwendigen Hygieneauflagen in der Beratungsstelle durchgeführt.

? Gibt es untrügliche Erkennungszeichen für solche Fake-Shops?

Leider nein. Ob es bei den Angeboten im Online-Handel immer mit rechten Dingen zugeht, ist selbst für Experten kaum auf den ersten Blick erkennbar. Internet-Fälscher, die nur ans Geld der Kunden wollen, gehen bei ihrem Fake immer perfekter und perfider ans Werk. Durch das Kopieren oder Fälschen von Produktbildern und Informationen aus realen Internetseiten wirkt ein Fake-Shop im Internet oftmals täuschend echt. Um Seriosität vorzugaukeln, sind das Impressum mit der Händleradresse oder die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ebenfalls von anderen Seiten abgetippt oder auch frei erfunden.

? Was sollte man vor Internetkäufen per Vorkasse immer beachten?

Werden besonders interessante Produkte zum Schnäppchenpreis und gegen Vorkasse angeboten, sollten Kunden vor einer Bestellung besonders wachsam sein und sich nicht von dem vermeintlich tollen Angebot blenden lassen. Denn Fälscher bieten auf kopierten oder nachgemachten Shop-Seiten im Internet attraktive Waren an, die niemals oder wenn nur als schlechte Kopie zum Käufer kommen. Ihren Fake im Netz lassen sich die Schwindler von gutgläubigen Kunden teuer bezahlen. Deshalb der Rat der Verbaucherberatung: Vor einer Bestellung sollten Käufer mehrere Punkte checken. Gibt es mehrere - darunter auch kundenfreundliche - Zahlungsarten und eine überprüfbare Anbieteradresse im Impressum? Werden Angebot und Preis mit allen erforderlichen Details (Beschaffenheit des Produkts) angegeben? Sind Lieferbedingungen und -kosten ausreichend erläutert? Sind Allgemeine Geschäftsbedingungen und darin auch Hinweise zum Widerruf vorhanden? Wird mit einem vertrauenswürdigen Gütesiegel geworben?

Gütesiegel wie Trusted Shops sollen Zuverlässigkeit signalisieren. Sind die Siegel echt, kann man sie anklicken und ein Hinweis erscheint, seit wann der Online-Shop zertifiziert ist.

Gütesiegel wie Trusted Shops sollen Zuverlässigkeit signalisieren. Sind die Siegel echt, kann man sie anklicken und ein Hinweis erscheint, seit wann der Online-Shop zertifiziert ist. © picture alliance/dpa

? Welche Gütesiegel sind echt und wie kann man das prüfen?

Es sind Siegel wie „Trusted Shop Guarantee“ (Trusted Shops), „s@fer-shopping“ (TÜV Süd) und „Geprüfter Onlineshop EHI“ (EHI Retail Institute GmbH). Eine zuverlässige Orientierung bieten solche seriösen Siegel aber nur, wenn man auf deren Logo auf der Seite des Shops klickt und so auf die Homepage des Prüf-Unternehmens weitergeleitet wird.

? Wie sollte man reagieren, wenn nur Vorkasse möglich ist?

Kunden werden bis zum Anklicken des Kaufbuttons mehrere - auch kundenfreundliche - Zahlungsweisen angeboten. Sind sie dann bei der Kasse angelangt, haben sie plötzlich keine Wahl mehr. Dort wird nur eine umgehende Überweisung des geforderten Betrags verlangt. Auf der sicheren Seite sind Kunden nur, wenn sie bei Online-Händlern kaufen, die mehrere kundenfreundliche Zahlungsarten tatsächlich zur Auswahl haben. Sicher sind Zahlungen auf Rechnung, also erst nach Erhalt der Ware, oder per Lastschrift, die noch bis zu acht Wochen lang rückgängig gemacht werden kann.

? Kann man Fälscher dingfest machen?

Wenn sich Verbraucher, die auf einen Fake-Shop hereingefallen sind, über die angegebenen Kontaktdaten an das Unternehmen wenden, um die bestellte Ware oder ihr gezahltes Geld zurück zu erhalten, werden sie oft immer wieder vertröstet. Briefe mit Aufforderungen zur Rückzahlung kommen als unzustellbar zurück oder bleiben unbeantwortet. Jutta Gülzow: „In den meisten Fällen sind die Betroffenen um eine schlechte Erfahrung reicher, aber ihr Geld ist weg.“

? Kann man gar nichts tun, wenn man Opfer eines Fake-Shops geworden ist?

Wer schon Geld überwiesen hat, sollte umgehend seine Bank auffordern, die Zahlung rückgängig zu machen. Wenige Stunden nach einer Onlinebestellung ist dies oft noch möglich. Bei anderen Zahlungsarten kann eine Zahlung noch bis zu acht Wochen nach Einzug rückgängig gemacht werden. Inwieweit dies möglich ist, erfährt man bei seiner Bank. Grundsätzlich sollten sämtliche Belege von Onlinebestellungen gesammelt und gesichert werden, rät das Team der Verbraucherberatung. Dazu gehören Kaufvertrag, Bestellbestätigung, E-Mails und ein Screenshot des Angebots.

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