Tabubruch bei der FDP: Junge Liberale wollen Inzest erlauben

Forderung nach Gesetzesänderung

Die FDP-Jugend hat auf ihrem Twitter-Kanal für Aufruhr gesorgt. Die Jungen Liberalen fordern, dass das Inzest-Verbot in Deutschland aufgehoben werden soll - und sind sich des Skandals voll bewusst.

13.11.2020, 13:06 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die FDP-Jugend fordert eine Lockerung des Paragrafen 173, dem Inzestverbot.

Die FDP-Jugend fordert eine Lockerung des Paragrafen 173, dem Inzestverbot. © picture alliance/dpa

Zugegeben ganz neu ist die Forderung das Inzestverbot aufzuheben von Seiten der FDP-Jugendorganisation nicht. Bereits 2007 fassten die Jungen Liberalen (Julis) den Beschluss den Paragrafen 173 StGb, das Verbot des Beischlafs mit Verwandten, abschaffen zu wollen. Jetzt 13 Jahre später wird die aufsehenerregende Forderung wieder aus der Mottenkiste geholt.

Doch diesmal haben die Julis ein Instrument, ihr Ansinnen auch der breiten Öffentlichkeit - so irritierend es auch daherkommt - zu erläutern: Die sozialen Medien. In mehreren Twitter-Posts legen die Julis ihre Begründung dar.

Ihrer Argumentation zufolge, sollte Inzest nicht mit einer Freiheits- oder Geldstrafe bestraft werden, da diesem „Verbrechen“ keine Opfer gebe. Außerdem gehe der Geschlechtsakt zweier Personen, so verwerflich und ekelerregend man das auch persönlich finden würde, als intimster Teil der Privatsphäre den Staat und seinen Organen nichts an.

FDP-Jugend: Inzuchtverbote grenzt an Eugenik

Auch gegenüber dem Argument, dass bei Kindern, die aus Inzucht geboren werden, ein erhöhtes Risiko auf Behinderungen besteht, haben die Julis eine Antwort: Wer Inzucht mit dem Argument eines erhöhten Risikos für Behinderungen verbieten will, betreibt menschenverachtende Eugenik und müsste konsequenterweise auch allen Menschen mit vererbbaren Nachteilen die Fortpflanzung verweigern.

Zustimmung für ihren irritierenden Vorschlag finden die Julis auch in den sozialen Medien nicht. Zahlreiche User zeigten sich entsetzt, andere versuchten mit eigenen Argumenten den kruden Argumentationsstrang der Julis aufzuheben.

Junge Liberale waren nicht auf breite Zustimmung aus

Dass sie nicht auf breite Zustimmung stoßen würden, war den Julis jedoch schon im Vorfeld bewusst. Bereits im Eingangspost schreiben sie: „An alle, die glauben, wir würden zurückrudern oder uns schämen, weil wir den Paragraph 173StGb (Beischlaf mit Verwandten) abschaffen wollen: Das ist unsere Position und wir finden Sie richtig.“

Die Frage bleibt bestehen, was die FDP-Jugend mit dieser Aktion bezweckte. Zu einer Lockerung des Paragrafen 173 wird es wahrscheinlich genauso wenig kommen wie 2007.

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