Syrer in Hinterhof gejagt und beinahe erstochen und erschlagen

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Er verliebt sich in eine Frau, die nach islamischem Ritus bereits verheiratet war. Dafür muss ein Syrer fast mit seinem Leben zahlen. Eine syrische Großfamilie wurde nun verurteilt.

Essen

, 10.04.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Es war eine Rache-Aktion mit beinahe tödlichen Folgen. Im Mai 2018 ist ein 19-jähriger Syrer in einen Essener Hinterhof gejagt und beinahe erstochen und erschlagen worden. In der Anklage war später sogar von einer Teilskalpierung die Rede. Die Täter gehörten zur Familie seiner heimlichen Geliebten. Zehn von ihnen sind am Donnerstag vom Essener Schwurgericht verurteilt worden.

Richter Jörg Schmitt sprach von einer „ganz schlimmen und brutalen Tat“. Die Urteile: Bewährungs- und Gefängnisstrafen von bis zu achteinhalb Jahren.

Brutale Aktion selbst gefilmt

Dass der damals 19-Jährige überlebt hat, gleicht einem Wunder. Auf Handy-Videos, die von einigen der Angeklagten selbst gedreht worden sind, waren unfassbar brutale Szenen zu sehen. Die Ermittler haben später über 30 Schläge, Tritte, Stiche und Schnitte gezählt. Das Leben des jungen Mannes hatte nur durch eine Notoperation gerettet werden können.

Die Racheaktion war seit Tagen vorbereitet worden. Auslöser waren offenbar Bilder auf Facebook, auf denen das spätere Opfer mit einer 17-Jährigen aus der Familie der Angeklagten zu sehen war. Die junge Frau war allerdings schon nach islamischem Ritus mit einem anderen Mann verheiratet.

Kein Mordversuch

„Es ging um die Ehre.“ So stand es in der Anklageschrift. Eigentlich habe der 19-Jährige deshalb sogar sterben sollen. Das sahen die Richter am Ende jedoch anders. Die Urteile lauten auf gefährliche Körperverletzung – nicht auf Mordversuch.

Auf der Anklagebank saßen auch die Mutter und eine Tante des Mädchens. Sie haben die Männer laut Urteil „angestachelt“. Entsprechend drastisch fielen am Ende auch ihre Strafen aus. Beide sind zu über drei Jahren Haft verurteilt worden – wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung.

Die Urteilsverkündung fand unter besonderen Corona-Schutzmaßnahmen statt. Die Zahl der im Saal anwesenden Verteidiger war reduziert worden, die Sitzplätze durch Plexiglasscheiben getrennt. Auch die Richter trugen teilweise Mundschutz.

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