Studie zu Spätfolgen: Hälfte der Covid-19-Patienten kämpft mit Müdigkeit

Coronavirus

Wenn ein Patient 14 Tage nach der Infizierung keine Symptome zeigt, gilt er als genesen. Trotzdem berichten Patienten weltweit von wiederkehrenden Beschwerden.

Hannover

von David Sander

, 19.09.2020, 09:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Einige Corona-Patienten klagen auch Monate nach ihrer Genesung noch über wiederkehrende Beschwerden.

Einige Corona-Patienten klagen auch Monate nach ihrer Genesung noch über wiederkehrende Beschwerden. © picture alliance/dpa

Wer sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert hat und 14 Tage später keine Symptome hat und bei folgenden Corona-Tests ein negatives Ergebnis hat, gilt als genesen. Doch weltweit berichten immer mehr Corona-Patienten auch noch lange nach ihrer Ansteckung mit dem Coronavirus über wiederkehrende Symptome. Viele von ihnen fühlen sich unter anderem erschöpft und müde.

Covid-19-Patienten berichten von Erschöpfung nach Genesung

Eine noch zu begutachtende Studie auf dem Preprint-Server Studie “Medrxiv” aus Irland hat die Erschöpfungserscheinungen bei Covid-19-Patienten näher unter die Lupe genommen. ″Obwohl die Merkmale der Sars-CoV-2-Infektion gut charakterisiert sind, bleiben die mittel- und langfristigen Folgen einer Infektion unerforscht”, schreibt einer der Studien-Urheber Liam Townsend vom St. James’s Hospital und dem Trinity Translational Medicine Institute am Trinity College Dublin in einem Papier zur Studie.

128 genese Covid-19-Patienten des St. James’s Hospitals nahmen an der Studie zu Langzeitfolgen teil: 52 Prozent von ihnen berichteten von anhaltender Müdigkeit, teils 10 Wochen nach “offizieller Genesung” – unabhängig von der Schwere des Krankheitsverlaufs. Die Ergebnisse von Townsend und seinen Kollegen bilden keine Minderheit ab, immer wieder wird über ähnliche Fälle berichtet.

Diverse Berichte: Viele Genesene fühlen sich erschöpft

So ergab beispielsweise auch eine im Juli durchgeführte Studie mit 143 genesenen Krankenhauspatienten in Italien, dass 87 Prozent von ihnen zwei Monate nach ihrer Covid-19-Erkrankung immer noch unter mindestens einem Symptom leiden – Müdigkeit und Atembeschwerden traten am häufigsten auf. Auch in Deutschland wurden ähnliche Fälle bekannt. Die Berliner Morgenpost berichtete im August beispielsweise über eine junge Berlinerin, die seit ihrer Corona-Infektion an Müdigkeit leidet.

Auch Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover beobachteten nach der Erkrankung vieler Patienten noch Erschöpfung und Kurzatmigkeit – teils auch jüngere Patienten mit mildem oder moderatem Krankheitsverlauf. “Das ist das, was ich jungen Leute immer versuche, klarzumachen: Für die Langzeitfolgen spielt das Alter gar keine Rolle", betonte Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover gegenüber der “Tagesschau”.

Corona-Spätfolgen: Weitere Forschungen nötig

In Online-Netzwerken haben sich Erkrankte und Genesene zu Selbsthilfegruppen formiert. Viele berichten davon, dass sie sich von ihren behandelnden Ärzten nicht richtig verstanden fühlten. Noch ist vieles unklar, etwa das, was im Körper passiert.

Eine zentrale Frage bleibt: Verursacht das Coronavirus selbst diese Spätfolgen oder ist es eine überschießende Immunreaktion des Körpers auf den Erreger? Klar ist aktuell lediglich, dass sich das Virus auch noch lange nach der Erkrankung bei vermeintlich Genesenen bemerkbar macht.

RND

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