Studie zu Musik an Grundschulen: Zu oft „fachfremd“ erteilt

Musikalische Bildung ist wichtig für die Entwicklung der Persönlichkeit von Kindern. Sagen Experten, die nun den Unterricht in den Grundschulen unter die Lupe genommen haben. In NRW sehen sie Licht und Schatten.

11.03.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

An Grundschulen in NRW wird der Musikunterricht einer Studie zufolge nur selten von dafür ausgebildeten Fachlehrern erteilt. Rund 28 Prozent der Stunden würden „fachgerecht“ von einer der rund 3100 Musiklehrkräfte unterrichtet, die anderen fast drei Viertel dagegen „fachfremd“. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung hervor, die die Bertelsmann Stiftung, der Deutsche Musikrat und die Landesmusikräte-Konferenz beauftragt hatten.

Demnach werden in allen vier Grundschuljahren je Schule durchschnittlich zusammen rund 5,8 Musikstunden wöchentlich erteilt - also pro Schuljahr lediglich knapp anderthalb Stunden im Wochen-Durchschnitt. An mehr als einem Drittel der Grundschulen (rund 36 Prozent) unterrichtet keine einzige Musiklehrkraft. Und fünf Prozent der Grundschüler in Nordrhein-Westfalen haben gar keinen Pflichtunterricht in Musik erhalten. Musikalische Bildung sei ein wichtiger Baustein für die Persönlichkeitsbildung der Kinder und gehöre zu den elementaren Kulturtechniken, betonte der Deutsche Musikrat.

Für die bundesweite Untersuchung waren Daten aus den zuständigen Länderministerien, den Statistikämtern und der Kultusministerkonferenz eingeflossen - für die NRW-Analyse unter anderem Zahlen für das Schuljahr 2017/18. Musik komme in der Primarstufe in NRW auf einen Anteil von rund sechs Prozent am gesamten Pflichtunterricht. Der Anteil des „fachfremd“ erteilten Musikunterrichts sei vergleichsweise hoch, bilanzierten die beauftragten Bildungsforscher in der Studie. Positiv dagegen: Es falle kaum Musikunterricht aus.

Das einwohnerstärkste Bundesland müsse deutlich mehr Musikpädagogen ausbilden, forderte die Bertelsmann Stiftung in Gütersloh. 2028 sei mit etwa 3880 Musiklehrkräften für die Grundschulen zu rechnen. Dann könnten immerhin 44 Prozent des Unterrichts fachgerecht unterrichtet werden. Das reiche aber bei weitem nicht.

Die Bedeutung des Musikunterrichts werde unterschätzt, sagte die Bundesvorsitzende des Grundschulverbands, Maresi Lassek, der Deutschen Presse-Agentur. Angesichts des enormen Lehrermangels seien Schulen bei Einstellungen oft bemüht, zunächst die Hauptfächer zu besetzen. Der musisch-ästhetische Bereich in der Grundschule werde bundesweit „total vernachlässigt.“

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