Studie: Volle Züge und lange Zugfahrten sind ein Corona-Risiko

Coronavirus

Wissenschaftler sind überzeugt, dass Aufenthalte in Zügen ein Corona-Risiko darstellen. Den Empfehlungen zur Vermeidung einer Ansteckung werden Deutsche Bahnunternehmen nur teilweise gerecht.

05.08.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Züge und andere öffentliche Verkehrsmittel stehen unter Verdacht, ein besonders hohes Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus zu haben. (Symbolbild)

Züge und andere öffentliche Verkehrsmittel stehen unter Verdacht, ein besonders hohes Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus zu haben. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Langsam kehrt nach dem Corona-Lockdown Normalität in den Alltag der Menschen ein: Die Arbeit wird aus dem Homeoffice wieder ins Büro verlagert, Schulen öffnen und einige treten die ersten Reisen durchs Land an. Wissenschaftler aus China und Großbritannien haben nun in einer Studie untersucht, wie groß das Risiko einer Ansteckung in öffentlichen Verkehrsmitteln ist. Sie sind überzeugt, dass lange Aufenthalte in vollen Zügen ein Risiko darstellen.

Die Ergebnisse haben die Forscher im Fachmagazin der Universität Oxford veröffentlicht. Zur Bestimmung des Infektionsrisikos wurden etwa 2300 anonymisierte Infizierte ermittelt, die mit mehr als 72.000 Reisenden in chinesischen Hochgeschwindigkeitszügen im Zeitraum von Ende Dezember bis Anfang März Kontakt hatten.

Ansteckungsrisiko hängt von mehreren Faktoren ab

Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass mit jeder Stunde im Zug das Risiko einer Infektion um 0,15 bis 1,3 Prozentpunkte steigt. Außerdem war die Nähe zu infizierten Personen von großer Bedeutung: Das Ansteckungsrisiko bei Zugpassagieren auf Sitzen in einem Abstand von 3 Reihen bis 5 Plätzen zum Infizierten variierte von 0 bis 10,3 Prozent. Wer zum Beispiel auf dem Platz neben einem Infizierten saß, steckte sich im Mittel in 3,5 Prozent der Fälle an. Bei einem Sitzplatz in derselben Reihe betrug das Risiko einer Infektion immer noch 1,5 Prozent.

Personendichte verringern und Hygienemaßnahmen befolgen

Für die Studienautoren ist nun klar, dass während der Pandemie die Personendichte so stark minimiert werden müsste wie möglich. Ob es zu einer Infektion kommt oder nicht, hänge schließlich von der Reisedauer und dem Abstand zu anderen Personen ab. Als konkrete Abstandsregeln empfehlen sie, mindestens einen Meter Distanz bei Reisen zu wahren, die bis zu einer Stunde dauern. Für Reisen, die länger als zwei Stunden dauern, sei ein Abstand von zweieinhalb Metern in Zügen empfehlenswert

Aber auch die Verkehrsbetriebe müssen den Wissenschaftlern zufolge zur Verringerung des Ansteckungsrisikos einiges befolgen: Komme es zu Krankheitsausbrüchen, sollten bei Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Zügen Maßnahmen zur Verringerung des Übertragungsrisikos ergriffen werden, darunter die Vergrößerung des Sitzabstandes, die Verringerung der Fahrgastzahl und die Pflicht zur Verwendung von persönlichen Hygieneschutzmitteln wie Masken oder Desinfektionsmittel.

In Deutschland ist das Fahrgastaufkommen in Zügen der Deutschen Bahn zuletzt wieder deutlich gestiegen. Es gilt eine Maskenpflicht, die zunehmend rigoros durchgesetzt wird, wie nun mehrere Bundesländer betonen - wobei es immer noch Streit über die Frage gibt, ob die Bahn selber nicht mehr unternehmen sollte.

Eine Begrenzung der Zahl der Fahrgäste in Zügen gibt es in Deutschland hingegen nicht. Die Bahn bittet allerdings, sich möglichst auf Fensterplätze zu setzen, um etwas Abstand zu gewährleisten.

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