Studie: Mütter verdienen viel weniger als Frauen ohne Kinder

Gehälter

Mütter verdienen im Vergleich zu kinderlosen Frauen bis zu 70 Prozent weniger im Verlauf ihres Erwerbslebens. Das zeigt eine aktuelle Studie. Nun könnte sich das Problem noch verschärfen.

22.06.2020, 18:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass das Lebenserwerbseinkommen einer Mutter von nur einem Kind schon um etwa 40 Prozent sinkt.

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass das Lebenserwerbseinkommen einer Mutter von nur einem Kind schon um etwa 40 Prozent sinkt. © picture alliance/dpa

Nicht nur zwischen Männern und Frauen bestehen weiterhin große Ungleichheiten beim Einkommen. Auch Mütter verdienen auf das gesamte Erwerbsleben gerechnet deutlich weniger als kinderlose Frauen, wie eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Diese sogenannte „Motherhood Lifetime Penalty“ (lebenslange Strafe der Mutterschaft) sei im Verlauf der Zeit sogar größer geworden, heißt es in dem Bericht, der am Montag veröffentlicht wurde.

Väter hingegen verdienten gemessen am durchschnittlichen Lebenserwerbseinkommen der Männer bis zu 20 Prozent mehr.

Kosten des Mutter-Daseins sind deutlich gestiegen

Um Aussagen über den Einfluss des Kinderkriegens auf die Löhne von Frauen machen zu können, konzentriert sich die Studie auf den Vergleich von Einkommen über das gesamte Erwerbsleben hinweg. Die Entscheidung für ein Kind führt bei Frauen demnach durchschnittlich zu Einbußen von rund 40 Prozent, bei drei oder mehr Kindern sogar von bis zu 70 Prozent. Diese massiven Einschnitte erklären sich vor allem dadurch, dass viele Mütter ihre Beschäftigung zeitweise pausieren und auch danach oft in Teilzeit weiterarbeiten.

Kinderlose Frauen nähern sich dem Einkommen von Männern

In Westdeutschland werden 1985 geborene Männer demnach durchschnittlich auf ein Lebenserwerbseinkommen von voraussichtlich rund 1,5 Millionen Euro kommen. Gleichaltrige kinderlose Frauen nähern sich dem durchschnittlichen Einkommen der Männer auf rund 1,3 Millionen Euro an, also auf etwa 85 Prozent. Das ist deutlich mehr als bei 20 Jahre zuvor geborenen kinderlosen Frauen, die nur auf knapp 70 Prozent des lebenslangen Gesamteinkommens von Männern kommen.

Das bedeutet aber auch, dass die Kosten des Mutterdaseins für jüngere Frauen sogar noch zunehmen. Denn das Lebenserwerbseinkommen von Müttern in Westdeutschland verändert sich laut der Studie über die Altersjahrgänge hinweg betrachtet kaum. Für 1985 geborene Frauen liegt es bei rund 578.000 Euro.

In Ostdeutschland wird für 1982 geborene Männer ein durchschnittliches Lebenserwerbseinkommen von rund 1,1 Millionen Euro prognostiziert, für gleichaltrige kinderlose Frauen rund 1,075 Millionen Euro. Ostdeutsche Mütter dieses Jahrgangs kommen dagegen nur auf knapp 573.000 Euro.

Mütter leiden finanziell mehr unter der Pandemie

Die Corona-Krise verschärft diese Ungleichheit laut den Autoren nun weiter. Denn gerade Mütter müssen mit Einbußen durch die Pandemie rechnen, „da sie – häufiger als Männer und anders als kinderlose Frauen – in der aktuellen Situation ihre Erwerbsarbeit zugunsten der Fürsorgearbeit zurückstellen“, schreiben die Autorinnen der Studie.

Die Autorinnen Manuela Barisic und Valentina Sara Consiglio der Studie weisen darauf hin, dass politisches Handeln nun wichtig sei und Hilfen und Reformen dringend auch auf den Nutzen von Frauen und Müttern hin gestaltet werden müssten. Nur so könne auch die Wirtschaft in Deutschland wirklich effizient sein.

Sie warnen, dass sich die Einkommensungleichheit zwischen Müttern und kinderlosen Frauen weiter verschärfen werde, wenn die Politik nicht gegensteuere. „Gerade in Zeiten der Coronakrise müssen wir durch bessere Rahmenbedingungen für Mütter einer Retraditionalisierung entgegenwirken“, forderte Manuela Barišić. So müsse etwa eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleistet sowie das Ehegatten-Splitting reformiert werden.

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