Strukturwandel macht auch vor heimischen Bauernhöfen nicht Halt

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Hat unsere Landwirtschaft noch eine Zukunft? Diese Frage führte rund 450 Bauern und Bäuerinnen zum WLV-Kreisverbandstag des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe nach Schwerte.

Kreis Unna

, 05.03.2020, 14:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Sorge vor der Zukunft ihrer Höfe hat Landwirte aus ganz Deutschland in den vergangenen Monaten mehrfach auf die Straße getrieben. Auch heimische Bauern sind in Sorge, das wurde beim Kreisverbandstag der Landwirtschaftlichen Kreisverbände Ruhr-Lippe und Ennepe-Ruhr/Hagen in Schwerte deutlich.

450 Bäuerinnen und Bauern, aber auch zahlreiche Ehrengäste interessierten sich für die Podiumsveranstaltung zum Thema „Hat unsere Landwirtschaft noch eine Zukunft?“ Dabei gab es durchaus unterschiedliche Ansätze für Antworten.

Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe, macht sich Sorgen um die familiengeführte, bäuerliche Landwirtschaft.

Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe, macht sich Sorgen um die familiengeführte, bäuerliche Landwirtschaft. © WLV/Drees-Hagen

„In welche Richtung steuert unsere Landwirtschaft?“, fragte der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe Hans-Heinrich Wortmann in seiner Begrüßung. Auf der einen Seite favorisiere die Politik die familiengeführte bäuerliche Landwirtschaft, auf der anderen Seite kicke sie aber genau diese Höfe mit ihren Auflagen aus der Landwirtschaft heraus.

Die Jagdhornbläser des Hegerings Unna begrüßten die Gäste im Freischütz. Jäger und Landwirte sind freundschaftlich miteinander verbunden.

Die Jagdhornbläser des Hegerings Unna begrüßten die Gäste im Freischütz. Jäger und Landwirte sind freundschaftlich miteinander verbunden. © WLV/Drees-Hagen

Unter der Moderation des stellvertretenden Chefredakteurs des Landwirtschaftlichen Wochenblattes Patrick Liste versuchten Fachleute und Betroffene die Antworten zu finden.

Landwirtschaftlicher Kreisverband Ruhr-Lippe

Organisation für heimische Bauern

  • Der Landwirtschaftliche Kreisverband Ruhr-Lippe vertritt Landwirte im Kreis Unna sowie in den Städten Bochum, Dortmund, Hamm und Herne.
  • Aktuell sind in dem Verband 1695 Landwirte organisiert. Damit liegt der Organisationsgrad über 95 Prozent.
  • Vorsitzender ist der Kamener Landwirt Hans-Heinrich Wortmann. Seine Stellvertreter sind Heinz-Dieter Kortenbruck (Bergkamen-Heil) und Christoph Schürmann (Hamm).

Prof. Dr. Alfons Balmann vom Leibniz-Institut für Agrarentwicklung prognostizierte einen verstärkten Strukturwandel. Die Margen würden dauerhaft gering bleiben und der Wettbewerbs- und Leistungsdruck in der Landwirtschaft steige permanent.

Eva Piepenbrock vom Magazin „f3 Food, Farm, Future“ berichtete über ungewöhnliche Wege von Landwirtinnen und Landwirten. Sie stellte verschiedene Start-ups mit interessanten Ideen vor. So berichtete sie beispielsweise von einer Landwirtin, die in den Anbau von Süßlupinen und die Vermarktung der daraus erzeugten Produkte wie Lupinen-Kaffee, Lupinen-Mehl oder Lupinen-Aufstriche eingestiegen sei.

450 Besucher kamen zum Verbandstag der landwirtschaftlichen Kreisverbände Ruhr-Lippe und Ennepe-Ruhr/Hagen im Freischütz Schwerte.

450 Besucher kamen zum Verbandstag der landwirtschaftlichen Kreisverbände Ruhr-Lippe und Ennepe-Ruhr/Hagen im Freischütz Schwerte. © WLV/Drees-Hagen

Junglandwirt Lukas Born, der in Breckerfeld gemeinsam mit seinem Bruder einen Hof mit Milchkühen bewirtschaftet, sagte: „Die Politik nimmt uns jungen Landwirten mit Verordnungen, die sich am Mainstream und nicht an wissenschaftlichen Fakten orientieren, jegliche Planungssicherheit.“

Angst vor Investitionen

Gerne würden die Brüder in einen neuen Stall investieren. In diesem könne man effektiver arbeiten und ihn nach neuen wissenschaftlichen Tierwohlkriterien ausrichten. Aktuell aber hätten viele junge Landwirte Angst zu investieren, weil keiner wisse, ob die Gesetze von heute, nach denen man einen Stall baue, auch morgen noch gelten würden, sagte der junge Landwirt.

Die Landesministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung Ina Scharrenbach erklärte, Landwirtschaft müsse auf Wertschöpfung und Wertschätzung setzen.

Die Landesministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung Ina Scharrenbach erklärte, Landwirtschaft müsse auf Wertschöpfung und Wertschätzung setzen. © WLV/Drees-Hagen

Nach der Podiumsdiskussion konnten sich die Landwirte noch über ein Grußwort der Ministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen Ina Scharrenbach freuen. „Landwirtschaftspolitik in NRW muss auf Wertschöpfung und auf Wertschätzung basieren, denn wir wollen die Landwirtschaft in NRW halten“, sagte sie.

Bauernpräsident: „2020 ein richtungsweisendes Jahr“

Das Schlusswort hielt der neue, seit zehn Tagen im Amt stehende, westfälische Bauernpräsident Hubertus Beringmeier. Landwirtschaft braucht eine Zukunft und zwar eine lebenswerte“, sagte er. 2020 werde für die Landwirte ein richtungs-weisendes Jahr.

Der Bauernpräsident appellierte an die jungen Landwirtinnen und Landwirte: „Ihr seid die wichtigsten, wenn es um die Zukunft geht, ihr müsst aktiv mitentscheiden. Lasst uns gemeinsam überlegen, wie es weitergehen soll und kann.“