Streit um Erbe von Schlagersängerin Andrea Jürgens: Gen-Test wird zum Eigentor

dzAmtsgericht Recklinghausen

Erbschleicher-Vorwürfe gegen einen selbst ernannten Halbbruder der verstorbenen Schlagersängerin Andrea Jürgens verfestigen sich: Ein Gen-Test wurde jetzt zum peinlichen Eigentor.

Herne

, 20.08.2020, 20:26 Uhr / Lesedauer: 1 min

Im Streit um das Erbe der vor drei Jahren verstorbenen Schlagersängerin Andrea Jürgens haben sich die Erbschleicher-Vorwürfe gegen einen selbst ernannten Halbbruder (60) aus Herne verfestigt. Denn das Ergebnis eines vom Angeklagten genau wie einst von Fußballtrainer Christoph Daum eigentlich zum Beweis seiner Unschuld freiwillig durchgeführten Gen-Tests entpuppte sich als Eigentor.

„Die Wahrscheinlichkeit eines Freispruchs ist eher gesunken“

Durch die Abgabe einer eigenen Speichelprobe und den Abgleich mit einer solchen des aktuellen Alleinerben wollte Andreas P. vor sechs Monaten alle Erbschleicher-Vorwürfe vom Tisch wischen und endgültig beweisen, wirklich der Halbbruder der Schlagersängerin Andrea Jürgens zu sein. Im Prozess am Schöffengericht wurde am Donnerstag aber deutlich, dass der 60-Jährige nach dem mittlerweile vorliegenden Gutachten der Essener Gerichtsmedizin wohl definitiv kein Verwandter des bekannten Kinderstars der 1970er-Jahre ist.

„Das Ergebnis ist eindeutig“, hieß es vielsagend. Und weiter: „Die Wahrscheinlichkeit eines Freispruchs ist eher gesunken.“ Weil der Angeklagte dem Gericht ein ärztliches Attest zugefaxt hatte, wonach er aktuell verhandlungsunfähig erkrankt ist und unter häuslicher Quarantäne steht, war von ihm am Donnerstag keine Reaktion auf das für ihn niederschmetternde Ergebnis zu beobachten. Angeblich soll der massiv wegen Betrugs vorbestrafte 60-Jährige aber bereits durchblicken lassen haben, „das Ergebnis der Genetik anzuzweifeln“.

Angeklagter soll Nachlassgegenstände beiseitegeschafft haben

Laut Anklage soll Andreas P. sich jahrelang wahrheitswidrig als Halbruder von Andrea Jürgens ausgegeben und in dieser Rolle nach dem tragischen Tod der beliebten Schlagersängerin aus deren Wohnhaus in Recklinghausen-Stuckenbusch Nachlassgegenstände (u.a. ein Paillettenkleid, Fotoalben, Schallplatten und Kinderbücher) beiseitegeschafft haben.

Der Angeklagte dagegen hatte im ersten Gerichtstermin seine Unschuld beteuert, er will die Gegenstände rechtmäßig an sich genommen und keinesfalls gestohlen haben. Als „letzter Verwandter ersten Grades“ habe er sich nur kümmern wollen.

Das Schöffengericht in Recklinghausen will bald einen neuen Verhandlungstermin festlegen.

Hintergrundinformationen

  • Andrea Jürgens war am 20. Juli 2017 im Alter von 50 Jahren infolge akuten Organversagens verstorben.
  • Alleinerbe ist aktuell der in Hamburg lebende Neffe der Verstorbenen.
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