„Hat es in Stuttgart noch nie gegeben“: Polizei erläutert Hintergründe der Randale

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Sonntagnacht haben sich in Stuttgart Dutzende Kleingruppen Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die Polizei gibt nun weitere Details bekannt. So soll die Situation eskaliert sein.

Stuttgart

21.06.2020, 09:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Einheiten der Polizei stehen in der Stuttgarter Innenstadt.

Einheiten der Polizei stehen in der Stuttgarter Innenstadt. © picture alliance/dpa

In Stuttgart ist es zu massiven Ausschreitungen in der Nacht zu Sonntag gekommen. In einer Pressekonferenz haben Polizei und die Stadt Stuttgart die bisherigen Erkenntnisse mitgeteilt. Laut Thomas Berger, Vizepräsident der Stuttgarter Polizei, wurden insgesamt 24 Personen vorläufig festgenommen, zwölf davon mit deutscher Staatsbürgerschaft, die anderen zwölf mit verschiedenen Staatsbürgerschaften.

14 der Festgenommen waren unter 21 Jahre alt. Noch an diesem Sonntag sollten sieben der Tatverdächtigen dem Haftrichter vorgeführt werden. Polizeipräsident Franz Lutz ergänzte: „Wir rechnen mit weiteren Festnahmen nach der Analyse von Bild- und Videomaterial. Es wird vermutlich nicht bei den 24 Festnahmen bleiben.“

Nach derzeitigem Stand wurden laut Berger 19 Polizisten verletzt, einer davon sei wegen einer Verletzung an der Hand dienstunfähig. Die meisten anderen hätten Prellungen oder Schürfwunden.

Polizei: „Nie dagewesene Gewalt“

Ausgang der Randale sei gegen 23.30 Uhr die Polizeikontrolle eines deutschen 17-Jährigen wegen eines Rauschgiftdeliktes gewesen. „200 bis 300 dort anwesende Personen aus der Partyszene haben sich dann mit ihm solidarisiert und sofort die Beamten vor Ort massiv angegriffen mit Steinen und Flaschen“, sagt der Polizeivizepräsident. Nachdem Verstärkung dazugekommen sei, hätten sie die Personen ein Stück weit zurückdrängen können. Doch die Gruppe sei dann auf 400 bis 500 Personen angewachsen.

„Wir haben es nicht geschafft, die Situation in der ersten Phase in den Griff zu bekommen, es war sehr unüberschaubar“, so Berger weiter. Die Personen hätten sich in Kleingruppen aufgeteilt, wo sie Schaufenster beschädigt, zerstört und Geschäfte geplündert hätten. Durch massive Unterstützung durch weitere Kräfte hätten sie gegen 4.30 Uhr die Lage in den Griff bekommen.

„Ich bin seit 30 Jahren Polizeibeamter und habe schon einiges erlebt. Solche Szenen hat es in Stuttgart noch nie gegeben“, zeigt Berger sich schockiert über die Nacht. Auch Polizeipräsident Franz Lutz spricht von einer „nie dagewesenen Dimension von Gewalt gegen Polizeibeamte in Stuttgart“. Die Polizei sei an diesem Wochenende bereits von Anfang an mit einer Hundertschaft mehr als normalerweise in der Stadt im Einsatz gewesen. Künftig wollen sie personell weiter aufstocken, um solche Gewalttaten schon im Ansatz zu verhindern.

Keine politische Motivation

Die Ausschreitungen in der Stuttgarter Innenstadt waren nach Angaben der Polizei nicht politisch motiviert. „Wir können aus der momentanen Sicht der Dinge eine linkspolitische oder überhaupt eine politische Motivation für diese Gewalttaten ausschließen“, sagte der Stuttgarter Polizeipräsident Franz Lutz.

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hat neben Alkohol auch das Geltungsbewusstsein in sozialen Medien als Grund für die Ausschreitungen in Stuttgart in der Nacht zu Sonntag genannt. Es könne nicht angehen, dass man aus welchen Gründen auch immer die Polizei angreife und Geschäfte plündere, sagte Kuhn: „Ein Grund wird Alkohol sein, ein anderer die Sucht, in sozialen Medien mit Filmchen zu kommen.“ Wenn er Facebook-Filmchen nach dem Muster „Fuck the police“ sehe, dann sei das etwas, das in Stuttgart nichts zu suchen habe, sagte Kuhn.

Bürgermeister steht hinter dem Polizeieinsatz

Er als Oberbürgermeister sowie die Stadt stünden voll hinter dem Einsatz der Polizei, betonte Kuhn: „Es geht nicht, dass man in dieser wunderschönen Stadt in der Nacht um halb zwei auf die Polizei losgeht und gewalttätig durch die Stadt marodiert.“ Die Polizei in Stuttgart und ganz Baden-Württemberg verfolge stets eine liberale Linie, es solle keine Gewalt geben. Doch wenn eine rote Linie überschritten werde, greife die Polizei auch ein.

RND

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