Notbetreuung in Schulen und Kitas auch für gefährdete Kinder

Die Kontaktsperren in der Corona-Krise können für manche Kinder weniger Schutz, sondern vielmehr Gefahr bringen. Seit Tagen warnen Initiativen vor einem Anstieg von häuslicher Gewalt. Die Landesregierung will gefährdete Kinder besser schützen.

01.04.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

Kinder, denen wegen der Kontaktsperren in der Corona-Krise zuhause Gewalt droht, sollen auch in Kitas oder Schulen notbetreut werden können. Familienminister Joachim Stamp (FDP) kündigte am Mittwoch im Landtag an, dass die Landesregierung mit Kommunen, Trägern und Einrichtungen dazu im Gespräch sei. „Wir möchten eine passgenaue Regelung bekommen.“

Noch am Mittwoch oder am Donnerstag hoffe er auf ein „finales Ergebnis“ der Gespräche. Die betroffenen Kinder dürften aber nicht mit einem „automatischen Stigma“ behaftet sein, wenn sie dann in Einrichtungen aufgenommen würden. Das werde auch mit den Jugendämtern besprochen. Nach dpa-Informationen werden einige Kinder, deren Kindeswohl zuhause gefährdet ist, schon jetzt in Schulen oder Kitas betreut. Allein in Dortmund sollen es rund 70 Kinder sein.

Nach den bisherigen Regelungen steht die Notbetreuung bislang nur Kindern von Eltern offen, die etwa als Ärzte oder Pfleger in „systemrelevanten Berufen“ arbeiten. Gerade einmal ein Prozent der Schüler in NRW sei derzeit in der Notbetreuung, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch im Schulausschuss des Landtages. Das seien knapp 10 000 Schüler. Auch in den Osterferien werde eine Notbetreuung angeboten, allerdings nicht von Karfreitag bis Ostermontag.

Kinderschutzverbände befürchten infolge der Corona-Maßnahmen einen Anstieg der häuslichen Gewalt und eine stärkere Kindeswohlgefährdung. Der familienpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dennis Maelzer, forderte einen Erlass über die Betreuung gefährdeter Kinder, um Rechtssicherheit auch für Jugendämter zu schaffen.

Der Lehrerverband VBE begrüßte die Ausweitung der Betreuung. „Die Schwächsten zu schützen, ist in der jetzigen Situation nötiger denn je“, sagte der Landesvorsitzende Stefan Behlau. Schon jetzt versuchten Pädagogen, den Kontakt zu Kindern aufrechtzuerhalten. Aber die persönliche Begegnung fehle. „Gerade benachteiligte Kinder trifft dies besonders.“

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