Sparkasse mit Überschuss: Kommunen gehen leer aus, der Vorstand nicht

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Die Sparkasse an der Lippe hat im abgelaufenen Geschäftsjahr erneut einen Millionenüberschuss erzielt. Die Kommunen Lünen, Selm und Werne haben jedoch nichts davon. Der Vorstand hingegen schon.

Lünen, Selm, Werne

, 09.09.2020, 20:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Sparkasse an der Lippe hat ihren Geschäftsbericht für das Jahr 2019 vorgelegt. Seit einigen Jahren verzichtet der Vorstand um Thomas Lohmann darauf, das Ganze anzukündigen oder im Rahmen einer Pressekonferenz zu erläutern. Stattdessen passiert es von der Öffentlichkeit eher unbemerkt, ist aber nach wie vor für jedermann im Bundesanzeiger unter dem Suchbegriff „Sparkasse an der Lippe“ einsehbar.

Dabei hätte das Geldinstitut eigentlich - erneut - gute Nachrichten zu verkünden, denn auch im Jahr 2019 gab es unterm Strich einen Gewinn: Mit rund 1,49 Millionen Euro fällt der zwar nicht ganz so hoch aus wie im Jahr davor (rund 1,58 Millionen Euro), allerdings hat die Sparkasse an der Lippe erneut bewiesen, dass sie sich trotz Niedrigzinsphase und drohender wirtschaftlicher Rezession mehr oder weniger schadlos hält.

Bilanzsumme steigt entgegen der Erwartung

Mehr noch: Die Bilanzsumme ist 2019 von rund 1,89 auf rund 1,98 Milliarden Euro gestiegen. „Gründe für dieses Wachstum sind im Wesentlichen erhöhte Bestände der Kundenkreditinanspruchnahmen und des Eigengeschäftes in Verbindung mit einem, entgegen den Erwartungen, deutlich gestiegenen Bestand der Kundenverbindlichkeiten“, heißt es dazu im Geschäftsbericht.

Ebenfalls positiv wirkte sich das Immobiliengeschäft aus. Während die Preise weiter klettern, konnte die Sparkasse an der Lippe 2019 insgesamt 101 Objekte vermitteln - 9,8 Prozent mehr als im Vorjahr. „Bezogen auf die dazugehörigen Verkaufswerte fiel die Erhöhung nochmals größer aus, wodurch auch das geplante Courtageergebnis deutlich übertroffen werden konnte.“

Wenig überraschend also, dass der Vorstand die Geschäftsentwicklung „vor dem Hintergrund der konjunkturellen Lage als zufriedenstellend“ bewertet. Zumal sich das auch finanziell für die drei Vorstandmitglieder auszahlt: Thomas Lohmann kassierte 2019 eine Gesamtvergütung von 406.000 Euro (2018: 390.000 Euro), sein Stellvertreter Heiko Rautert 348.000 Euro (339.000 Euro), und Martin Abdinghoff 311.000 Euro (302.000 Euro).

Schwieriger Ausblick auf 2020

Wenn Thomas Lohmann wie angekündigt Ende 2020 mit 61 Jahren in den Ruhestand geht, hat er laut Geschäftsbericht Anspruch auf 60,5 Prozent der festen Bezüge - der Barwert seiner Pensionsansprüche beträgt damit mittlerweile rund 5,5 Millionen Euro (Rautert: rund 3,9 Millionen Euro; Abdinghoff: rund 3 Millionen Euro).

Die Kommunen Lünen, Selm und Werne erhalten derweil wie schon in den Vorjahren nichts von dem Jahresüberschuss. Er wird erneut komplett in die Sicherheitsrücklage eingestellt. So lautet der Vorschlag des Verwaltungsrates, dem unter anderem die Bürgermeister der betroffenen Kommunen angehören, an die Zweckverbandsversammlung der Städte Lünen, Selm und Werne.

Allerdings lässt der Ausblick auf die Geschäftsbilanz für 2020 zumindest vermuten, warum die Entscheidung für die Sicherheitsrücklage zumindest in diesem Jahr sinnvoll erscheint: Rechnete man zu Jahresbeginn noch mit einer „allmählichen Belebung der Weltkonjunktur“ sowie mit einem höheren Wachstum des Bruttoinlandsproduktes, machte das Coronavirus diese Erwartungen schnell zunichte. Entsprechend könnten „auch die möglichen Auswirkungen auf die unternehmensindividuellen Prognosen für das Geschäftsjahr 2020 noch nicht umfassend beurteilt werden“, wie es in dem Bericht für 2019 weiter heißt.

Schwieriges Umfeld hinterlässt Spuren

Abgeleitet aus der Bestandsentwicklung erwartet man bei der Sparkasse an der Lippe derzeit noch ein moderates Wachstum für das Kundenkreditgeschäft, Einbußen wird es hingegen unter anderem beim Zinsüberschuss geben. Die Lage sei zwar zusammengefasst als „noch zufriedenstellen“ zu beurteilen. Die Prognose für das Geschäftsjahr 2020 lasse jedoch insgesamt erkennen, „dass das schwieriger werdende Umfeld auch an der Sparkasse nicht spurlos vorübergeht“.

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