Zweifel an Karneval: Festkomitee gegen sofortige Absage

Gesundheitsminister Spahn hat Zweifel, ob Karneval im kommenden Winter möglich sein wird. Kölns Karnevalisten sehen das anders: Die Vorbereitungen stünden ohnehin weitgehend. Man müsse nicht heute schon Sitzungen in einem halben Jahr absagen.

18.08.2020, 17:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Festkomitee Kölner Karneval hat sich gegen eine Absage des Karnevals wegen der Corona-Pandemie zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen. „Man muss nicht heute das verbieten, was in einem halben Jahr stattfinden soll“, sagte am Dienstag Michael Kramp, Sprecher des Festkomitees, des Dachverbands der meisten Kölner Karnevalsvereine. „Eine pauschale Absage mehrere Monate vor der Session halten wir für wenig zielführend“, ergänzte der Präsident des Festkomitees, Christoph Kuckelkorn.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich wegen der Corona-Pandemie skeptisch geäußert, ob im kommenden Winter Karneval stattfinden kann. Wie die „Rheinische Post“ berichtet, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in einer Telefonschaltkonferenz des Gesundheitsausschusses: „Ich war selbst Kinderprinz und komme aus einer Karnevalshochburg. Ich weiß also, wie wichtig Karneval für viele Millionen Deutsche ist. Aber: Ich kann mir Karneval in diesem Winter, mitten in der Pandemie schlicht nicht vorstellen. Das ist bitter, aber so ist es.“

Eine Absage wäre für die Hochburgen „ein wirtschaftliches Desaster“, sagte der Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK), Klaus-Ludwig Fess, der „Rheinischen Post“. Über Spahns Äußerungen zeigte er sich überrascht und forderte Spahn auf, den Bundesverband und Regionalvertreter zu einem Runden Tisch einzuladen. „Die Gesundheit steht an erster Stelle, auch bei uns Karnevalisten“, so Fess, „aber bevor Veranstaltungen abgesagt werden, muss es darüber Gespräche geben.“ Bislang sei nicht mit den zuständigen Behörden über eine Absage der Session gesprochen worden.

Die Kölner Karnevalisten wollten nicht um jeden Preis feiern, betonte Kramp in seiner Stellungnahme. Sollte die Zahl der Infizierungen in nächster Zeit weiter zunehmen und die Coronaschutzverordnung wieder verschärft werden, etwa so, dass sich nur noch Gruppen von bis zu zehn Menschen treffen dürften, dann seien Karnevalsfeiern natürlich nicht möglich. Das könne man aber derzeit noch nicht absehen, sagte Kramp.

„Wir sind mit den lokalen Behörden im Gespräch, wir haben Konzepte abgegeben und beobachten das Pandemiegeschehen“, sagte er. „Wir haben Handlungsempfehlungen bei der Landesregierung abgegeben.“ Darin stünden ganz konkrete Vorschläge für Karneval in Coronazeiten, zum Beispiel, dass die Künstler nicht wie bisher durch den Saal einziehen, sondern durch einen separaten Künstlereingang kommen sollten. Das Landesgesundheitsministerium müsse diese Vorschläge prüfen, genehmigen müssten es dann die lokalen Behörden vor Ort.

Es sei ein Missverständnis zu glauben, dass die Karnevalisten jetzt möglichst schnell „Rechtssicherheit“ bräuchten und Gewissheit darüber haben wollten, ob die Session stattfinde oder nicht. In Köln würden Säle und Künstler schon Jahre im Voraus gebucht, sagte Kramp. Die Veranstaltungen für 2021 seien quasi fertig geplant - eine Absage könne immer noch erfolgen, auch kurzfristig.

Darüber hinaus müsse man bedenken, dass der Kölner Karneval nur zum Teil organisiert sei. Er sei keine Großveranstaltung wie etwa das Oktoberfest, sondern bestehe aus zahllosen Sitzungen, Partys, Umzügen und anderen Veranstaltungen, die von unterschiedlichsten Vereinen, Gruppen und Privatleuten initiiert würden.

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