Sondersitzung im Landtag zum „Schweine-Stau“

Stopp im Schlachthof - Stau im Stall. Gekniffen waren während der Zwangspause beim Großschlachter Tönnies vor allem Ferkelerzeuger und Sauenhalter. In einer Sondersitzung des Landtags geht es nun darum, wie der „Schweine-Stau“ zügig aufzulösen ist.

17.07.2020, 01:51 Uhr / Lesedauer: 1 min
Firmenkomplex des Schlachtbetriebs von Tönnies. Foto: Guido Kirchner/dpa

Firmenkomplex des Schlachtbetriebs von Tönnies. Foto: Guido Kirchner/dpa

Der nordrhein-westfälische Landtag berät heute über die Folgen des „Schweine-Staus“, der nach coronabedingten Schließungen von Schlachthöfen in Mastbetrieben entstanden ist. In einer Sondersitzung des Landwirtschaftsausschusses will die SPD-Opposition Antworten von der Landesregierung, wie die Situation entspannt werden kann und wie es um das Tierwohl bestellt ist.

Vor allem durch den Produktionsstopp in Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies hatte sich der sogenannte Schweine-Stau in den Ställen gebildet. Die Schweinemäster wurden ihre Tiere nicht los, und in den Ställen wurde es eng.

Nach vier Wochen Zwangspause ist Tönnies an seinem Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück allerdings seit Donnerstag wieder tätig und fährt die Produktion schrittweise hoch. Im Normalbetrieb werden dort pro Tag bis zu 25 000 Schweine geschlachtet. Nachdem rund 1400 Corona-Infektionen in der Tönnies-Belegschaft nachgewiesen worden waren, hatten die Behörden Mitte Juni die Produktion gestoppt.

NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie gehe davon aus, dass der „Schweine-Stau“ nach dem Neustart bei Tönnies zügig abzuarbeiten sei. Das Tierwohl sehe sie derzeit nicht gefährdet. Die Ministerin fordert aber eine Kehrtwende in der Schlachtbranche mit regionalisierten Strukturen, mehr Schutz für Mensch und Tier sowie stärkerer Unabhängigkeit von einzelnen Großbetrieben.

Der Landtag unterbricht bereits zum dritten Mal die erst vor kurzem eingeläutete parlamentarische Sommerpause für eine Ausschuss-Sondersitzung. Zuvor hatte es bereits Sondersitzungen gegeben zum Missbrauchsfall in Münster, zur Landesbürgschaft für den Fußball-Bundesligisten Schalke 04 und zur Westspiel-Jahresbilanz.

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