Söder als Kanzlerkandidat? So reagiert Merkel

CDU

Es war kein normaler Auftritt von Kanzlerin Merkel mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Söder. Und eine Frage war dabei unausweichlich: Frau Merkel, kann Söder Kanzler?

Herrenchiemsee

14.07.2020, 17:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht Markus Söder und das Bayerische Kabinett auf Schloß Herrenchiemsee.

Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht Markus Söder und das Bayerische Kabinett auf Schloß Herrenchiemsee. © picture alliance/dpa

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat nach der Corona-Krise einen neuen partnerschaftlichen Zusammenhalt in Europa angemahnt. Söder stellte sich nach einer Sitzung seines Kabinetts mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag auf Schloss Herrenchiemsee hinter deren Pläne für einen milliardenschweren EU-Wiederaufbaufonds. Man sollte die Länder in der EU nicht mehr einteilen in Schuldner und Gläubiger, sondern alle mehr als Partner verstehen, sagte Söder.

Pompös und bildstark waren die Kanzlerin Angela Merkel und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder mit Schiff und Kutsche zur Sitzung angereist. Der Medienprofi aus Bayern weiß, was danach geschrieben werden wird: Die Kanzlerin und ihr Kronprinz. Oder gleich andersherum: „Merkel zu Gast beim Kini“. So nennen die Bayern ihren „Märchenkönig“ Ludwig II.

Was sich Söder von der Kanzlerin abschaut

Und so war auch die Frage an die Kanzlerin, ob sie Söder für einen guten Kanzlerkandidaten halte, unausweichlich. Eine Antwort, die auf ihre persönliche Meinung hätte schließen lassen können, gab Merkel nicht. Sie habe entschieden, nicht wieder zur Wahl anzutreten. Damit verbunden sei auch eine auferlegte Zurückhaltung, was ihren Nachfolger angehe. „Was ich sagen kann: Bayern hat einen guten Ministerpräsidenten.“ Auch Merkel weiß genau, welches Echo ihr Besuch mit sich bringt. Ob sie im neuen, auf Merkel-Mitte-Kurs eingeordneten Söder ihren Nachfolger sieht, bleibt aber Geheimnis.

In der Hochphase der Pandemie habe die Kanzlerin Söder gesagt, dass in der Ruhe die Kraft liege. Dieses Vorbild könne Söder sich an der Kanzlerin nehmen: Europäische Partner schauen bewundernd auf das, was Deutschland in der Corona-Krise geschafft habe. Dass man so gut aufgestellt sei, das liege auch an der Kanzlerin.

Im Duo durch die Corona-Krise

Dass Söder und die CSU Merkel noch einmal derart hofieren würden, war nicht immer abzusehen. Viel war einst zu Bruch gegangen im Dauerkrach über die Migrationspolitik. Auch Söder hatte daran seinen Anteil - das erwähnt er nun aber nicht. Einladung und Besuch sehe er als „Signal für das Miteinander in der Krise“, sagt Söder, und jetzt passe es auch noch zur wichtigen EU-Ratspräsidentschaft. Sein Blick geht nach vorne: „Es sind andere Zeiten, in denen wir andere Wege gehen müssen“, sagt Söder. CDU und CSU müssten zusammenarbeiten.

Wie das aussehen kann, zeigten Merkel und Söder in den vergangenen Monaten, als sie die Republik zum Teil gemeinsam durch die Corona-Krise führen mussten. Im Koalitionsausschuss sowieso. Aber auch im Duo aus Kanzlerin und Chef der Ministerpräsidentenkonferenz. Und inhaltlich funktionierte dieses Duo: Merkel und Söder waren, trotz kleinerer Sticheleien in den anschließenden Pressekonferenzen, inhaltlich immer auf dem gleichen, extrem vorsichtigen Kurs.

RND

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