„Sklavereiähnliche Praktiken“: Kirche kritisiert Fleischindustrie

Fleischindustrie

Im Zusammenhang mit den Corona-Ausbrüchen in Fleischbetrieben hat die katholische Kirche die dortigen Arbeitsbedingungen kritisiert. Sie sieht Fehler aber auch in der Gesellschaft.

Bonn/Köln

20.06.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die katholische Kirche prangert „Ausbeutung und sklavereiähnliche Praktiken“ in Fleischbetrieben an. (Symbolbild)

Die katholische Kirche prangert „Ausbeutung und sklavereiähnliche Praktiken“ in Fleischbetrieben an. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Die katholische Kirche hat im Zusammenhang mit den Corona-Ausbrüchen in mehreren Fleischbetrieben „Ausbeutung und sklavereiähnliche Praktiken“ angeprangert. Migranten aus Osteuropa würden mitten in Deutschland „als billige Arbeitskräfte missbraucht und in menschenunwürdigen Behausungen untergebracht“, erklärte der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz und Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenhandel, Weihbischof Ansgar Puff (Köln). „Die ausbeuterischen Beschäftigungsverhältnisse in der Fleischindustrie sind ein Skandal.“

Zwar habe es immer wieder Stimmen gegeben, die auf die desaströsen Bedingungen hingewiesen hätten, und durchaus auch Reaktionen des Gesetzgebers. „Doch insgesamt muss man eingestehen: Vor den Corona-Fällen in den Schlachthöfen hat das Thema in der breiten Öffentlichkeit kaum jemanden interessiert. Es war für viele einfach zu bequem, die Augen zu verschließen.“ Deshalb habe es bislang auch am gesellschaftlichen Willen gefehlt, ein „auf Ausbeutung basierendes Geschäftsmodell“ wirksam zu durchbrechen.

Faulen Tricks zur Umgehung des Mindestlohns, mangelnden Arbeitsschutzmaßnahmen und überfüllten Unterkünften müsse nun dringend politisch ein Riegel vorgeschoben werden. Jeder müsse sich fragen lassen, ob das, was er konsumiert, das Ergebnis von Ausbeutung ist. „Uns muss bewusst sein, dass unser Konsumverhalten Einfluss auf Arbeitsbedingungen und Löhne hat.“

dpa

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