Seniorin bringt „falschen Polizisten“ vor Gericht

Eine furchtlose Seniorin hat einen mutmaßlichen „falschen Polizisten“ in Düsseldorf vor Gericht gebracht. Die 64-Jährige hatte bemerkt, dass sie um ihre Ersparnisse gebracht werden sollte und den Spieß umgedreht. Deshalb muss sich seit Dienstag ein 25-jähriger Neusser wegen bandenmäßigen Betrugs vor dem Amtsgericht verantworten.

18.08.2020, 16:02 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: picture alliance / Peter Steffen/dpa/Symbolbild

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: picture alliance / Peter Steffen/dpa/Symbolbild

Sie habe den Anrufer schnell durchschaut, sagte die Düsseldorferin am Dienstag vor Gericht. „Zum einen wegen der Kölner Telefonnummer, zum anderen wegen der grammatikalisch nicht korrekten Sprache“, erzählte die Pädagogin. „Und dann hat es mich gereizt, so einem Betrüger das Handwerk zu legen.“

Mit ihrem Mobiltelefon verständigte sie die richtige Polizei, die sie bei den stundenlangen Telefonaten mit den „falschen Kollegen“ berieten.

Die Anrufer hatten sich laut Anklage bei der Frau als Polizisten ausgegeben und sie gewarnt, dass Mitarbeiter ihrer Hausbank planten, ihr Schließfach und ihr Konto zu plündern. „Da hat mich auch der schauspielerische Ehrgeiz gepackt, es denen zu zeigen“, sagte die 64-Jährige.

Die Frau habe das „ganz toll gemacht“, lobte sie ein echter Kriminalbeamter vor Gericht. Mehr als drei Stunden später kam am Mittag - wie telefonisch verabredet - der Abholer. Bei ihm soll es sich um den 25-jährigen Angeklagten gehandelt haben. Er wurde festgenommen, als er - wie verabredet - einen aus dem Fenster geworfenen Beutel, angeblich mit über 42 000 Euro Bargeld gefüllt, aufhob und mitnehmen wollte.

Der Angeklagte behauptet, er habe damals einem Bekannten nur einen Gefallen tun wollen. Der habe ihn gebeten, an der Adresse ein paar Unterlagen abzuholen. Das glaubt die Staatsanwältin nicht. Denn auf dem Mobiltelefon des Angeklagten seien zahlreiche Nummern anderer Beschuldigter aus ähnlichen Betrugsverfahren gefunden worden. Der Prozess soll am 8. September fortgesetzt werden.

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