Seniorin klagt: Zu wenig Informationen zu Betrügereien am Telefon

dzFalsche Polizisten

Alles richtig gemacht hat eine Lüner Seniorin, die von falschen Polizisten angerufen wurde: Sie legte auf und wählte den Notruf. Jetzt will sie andere warnen - doch vermisst Unterstützung.

von Julian Beimdiecke

Lünen

, 26.07.2020, 09:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor ein paar Wochen klingelte bei einer Bewohnerin des Betreuten Wohnens der Awo in der Marie-Juchacz-Straße in Lünen das Telefon: Ein gewisser Oliver König von der Kripo sei am Apparat, begrüßte die Seniorin namentlich und sprach von mehreren Wohnungseinbrüchen, die es in letzter Zeit doch bei ihr gegeben habe. „Bei mir wurde aber gar nicht eingebrochen, und auch so kam mir die Sache komisch vor“, erzählt die 79-Jährige, die anonym bleiben möchte.

Der Anrufer erzählte, dass die Polizei bei den vermeintlichen Tätern einen Zettel gefunden habe - mit Informationen darüber, dass sie alleine lebe und unter anderem Bargeld und Schmuck im Haus habe. Daraufhin machte die Seniorin das einzig Richtige: Sie sagte dem Anrufer, dass sie ihm kein Wort glaube, beendete das Gespräch - trotz der Drohung des Anrufers, dass „Sie werden schon sehen, was Sie davon haben“ - und wählte den Notruf.

Warnung an andere Senioren

Dort bestätigte man ihr, was sie schon selbst vermutet hatte - offenbar gab sich ein Betrüger als falscher Polizist aus, um an das Geld der Seniorin zu gelangen. „Da hat man mir dann auch gesagt, dass ich alles richtig gemacht habe“, so die Seniorin. Das bestätigt auch die Pressestelle der zuständigen Polizei Dortmund: „An dieser Stelle kann gesagt werden, dass die Dame vorbildlich reagiert hat. Entsprechend unserer Tipps wurde sie offensichtlich misstrauisch und hat das Gespräch beendet. In diesem Fall nicht unhöflich, sondern zu 100 Prozent richtig. Auch die Nachfrage bei dem Notruf 110 wird empfohlen und bringt Gewissheit“, lobt Polizei-Sprecherin Kristina Purschke.

Die Seniorin ist aber nicht nur froh, in dieser Stresssituation einen kühlen Kopf bewahrt zu haben - sie möchte auch andere Senioren davor warnen, in die Falle der Betrüger zu tappen. Deswegen wendete sie sich ein paar Tage nach dem Vorfall noch einmal an die Polizei, um sich dafür einzusetzen, dass gerade in Wohneinrichtungen für Ältere vermehrt auf das Thema aufmerksam gemacht wird. Allerdings: Dort hatte sie nicht den Eindruck, dass man sich sonderlich für ihr Anliegen interessierte. „Ich habe vorgeschlagen, vielleicht Aushänge zu machen oder Flyer in Briefkästen zu werfen. Da gab es allerdings keine große Reaktion, eher wurde ich abgewimmelt“, so die 79-Jährige.

Beratungsangebote der Polizei

Kristina Purschke von der Polizei betont aber auf Anfrage, dass die Polizei in solchen Fällen immer ein offenes Ohr für Betroffene hat. „Grundsätzlich steht ein Beratungsangebot der Experten der Polizei jederzeit kostenfrei unter (0231) 132-7950 zur Verfügung“, so Purschke. Des Weiteren sei die Dortmunder Polizei mit einem Beratungsmobil zu dem Thema auch in Lünen unterwegs. Die entsprechenden Termine würden über die Presse bekanntgegeben.

Etwas mehr Unterstützung erhielt die Seniorin nach eigenem Empfinden von der Awo, bei der sie mit dem Thema ebenfalls vorstellig wurde. Dort wurde als Reaktion auf den Anruf ein Flyer im Hausflur der Wohnanlage aufgehängt. „Außerdem sprechen wir mit den Bewohnern aller unserer Einrichtungen regelmäßig darüber, wie man Betrügereien erkennt und wie man sich in solchen Fällen verhalten sollte“, erklärte Stefan Kuster, Referent für Unternehmenskommunikation der Awo Ruhr-Lippe-Ems auf Anfrage unserer Redaktion.

Wichtige Tipps zum Erkennen von falschen Polizisten

Die wichtigsten Tipps: Niemals wird die Polizei anrufen und nach Wertsachen fragen, schon gar nicht unter der Nummer 110. Im Zweifel wie auch im Betrugsfall sollte man immer selbst den Notruf wählen, sich also auch nicht verbinden lassen. Grundsätzlich sollte man auflegen, wenn man von vermeintlichen Polizisten nach Geld oder Wertsachen gefragt, zur Verschwiegenheit aufgefordert oder mit der 110 verbunden werden soll, heißt es von der Polizei.

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