Selmerin getötet: Gerichtsmedizinerin macht Angaben zur Todesursache

dzLandgericht Dortmund

Im Prozess um die tödliche Bluttat an der Eichenstraße in Selm soll die Psyche des Angeklagten näher beleuchtet werden. Am Montag sagte aber erstmal die Gerichtsmedizinerin aus.

Selm

, 03.08.2020, 20:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Spaten-Hiebe gegen das Gesicht, Messerstiche in die Brust: Im Prozess um das tödliche Familiendrama in einer Garage an der Eichenstraße in Selm hat am Montag eine Rechtsmedizinerin das fürchterliche Verletzungsbild der getöteten Frau skizziert. Obendrein wurde am Dortmunder Schwurgericht bekannt: Der wegen Mordes angeklagte Ex-Mann (57) soll nun doch noch von einer Sachverständigen auf seinen Geisteszustand untersucht werden.

Der Gewaltangriff des 57-jährigen Angeklagten am frühen Morgen des 7. Februar muss die 54-Jährige unfassbar brutal getroffen haben. Die Verletzungen im Gesicht (unter anderem ein doppelter Kiefer-Trümmerbruch bis auf die Wirbelsäule) seien durch mindestens zwei wuchtige Hiebe mit einem Spaten erklärbar, so die Rechtsmedizinerin. Möglicherweise sei die Frau infolge der schweren Halswirbelverletzung sogar sofort bewusstlos gewesen.

Messerstiche durchbohrten Herz und Lunge

Todesursächlich waren nach Angaben der Rechtmedizinerin allerdings zweifellos die nachfolgend ausgeführten vier Messerstiche in die Brust des Opfers, bei der die Lunge, das Herz und die Hauptschlagader durchstoßen worden sind. Dadurch sei die Selmerin, die zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Rücken am Boden gelegen habe, wohl in kurzer Zeit innerlich und äußerlich verblutet. Abwehrverletzungen an den Händen, so die Rechtsmedizinerin weiter, seien nicht feststellbar gewesen.

Dass der Angeklagte seine Ex-Frau (wie die Anklageschrift es vermutet) mit dem Spaten bei laufender Fahrt vom Fahrrad geschlagen hat, als sie an ihm vorbeifuhr, hielt die Rechtsmedizinerin mangels Sturzverletzungen eher nicht für wahrscheinlich. Fast alles spreche für eine Spaten-Attacke gegen das Opfer im Stehen, die der Angeklagte beim Prozessauftakt auch bereits genau so eingeräumt hat. Auch, dass er seine Frau danach in die Garage gezerrt und dort mit einem Messer auf sie eingestochen hat, hat der 57-Jährige schon zugegeben.

Gutachten zur Schuldfähigkeit

Nachdem die Söhne am vergangenen Prozesstag in ihren Zeugenaussagen psychische Auffälligkeiten beim Angeklagten offenbart hatten, wollen die Dortmunder Richter nun doch noch vorsorglich ein Gutachten zur Frage der Schuldfähigkeit einholen. „Wir haben das zuletzt intern lange überlegt, meinen aber, dass wir da jetzt nicht mehr drumherum kommen“, sagte Richter Thomas Kelm.

Der angeklagte Selm war von seinen Söhnen als „kalt, emotionslos und still“ beschrieben worden. Schon seit Jahren habe der 57-Jährige praktisch nicht mehr am Familienleben teilgenommen, sei vielmehr nur durch „Psychospielchen“ aufgefallen. In seinem Schlafzimmer habe man, so einer der Söhne, sogar auch mal einen Hammer unter dem Bett gefunden. In einer Sporttasche habe der 57-Jährige zudem ein Messer deponiert gehabt.

Keine Emotionen beim Angeklagten

Ob der Angeklagte bei der bevorstehenden Begutachtung kooperiert und sich in einem Explorationsgespräch den Fragen einer Psychiaterin stellt, will sein Verteidiger Marco Ostmeyer erst noch gemeinsam mit dem 57-Jährigen überdenken. Auch am dritten Verhandlungstag präsentierte sich der Angeklagte äußerlich regungslos, zeigte auch bei den teils grausigen Schilderungen der Rechtsmedizinerin keine Emotionen.

Der Selmer hatte sich nach eigenen Angaben im Anschluss an die Spaten-Attacke und die Messerstiche neben die Leiche seiner Ex-Frau gelegt und sich drei Mal mit einem Messer in die Brust gestochen.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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