Selmerin (20) flog mit gefälschtem Erste-Hilfe-Schein vom Flohmarkt auf

dzUrkundenfälschung

Möglichst ohne Aufwand wollte eine Selmerin (20) den Führerschein bekommen. Deshalb kaufte sie auf einem Flohmarkt eine Erste-Hilfe-Kurs-Bescheinigung. Die Fälschung flog allerdings auf.

von Sylvia Mönnig

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, 09.09.2020, 13:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wochenenden oder Abende opfern? Das kam für eine 20-jährige Selmerin nicht in Betracht. Gab es da doch eine Alternative, als es um den Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein ging. Sie kaufte die Bescheinigung einfach auf dem Trödelmarkt – und machte sich damit strafbar.

Die Fahrerlaubnis wollte die junge Frau gerne möglichst ohne Aufwand erwerben. Da kam ihr der Trödel-Stand in Dortmund gerade recht. Sie investierte 100 Euro und glaubte, damit ein Problem aus der Welt geschafft zu haben. Weit gefehlt: Als sie das vermeintliche Dokument zusammen mit dem Sehtest und der Kopie ihres Personalausweises im März an das Bürgerbüro schickte, wurde ein Mitarbeiter misstrauisch und erkannte die Fälschung. Damit rückte der Besitz des Führerscheins erst einmal in weitere Ferne und anstelle dessen durfte sich die 20-Jährige auf ein Verfahren wegen Urkundenfälschung einstellen.

Niemand habe der Angeklagten beigebracht, dass sie illegal handelt

Im Prozess vor dem Lüner Amtsgericht räumte sie den Kauf der Fälschung nun unumwunden ein. „Wir waren da zufällig“, erinnerte sie sich an den Besuch des Trödelmarktes und berief sich dann darauf, nicht gewusst zu haben, dass so etwas nicht legal sein konnte. Niemand, weder ihre Familie noch ihre Freunde, hätte ihr das beigebracht. Und damit waren im Prinzip andere schuld – allerdings nur aus ihrer Perspektive.

Der Vertreter der Anklage wurde in seinem Plädoyer sehr deutlich. Die Selmerin mache es sich sehr einfach mit ihrer Unwissenheit. „Das ist ein Unding, das ist eine Frechheit, so etwas vorzulegen.“ Unmissverständlich wies er die junge Angeklagte darauf hin, was passiere, wenn sie mit einem Unfall konfrontiert werde und dann nicht helfen könne, weil sie es nicht gelernt habe. Auch redete er Tacheles, was den bisherigen Lebensweg der 20-Jährigen betraf. Der sei von Abbrüchen geprägt. Sie bekomme nichts zustande. Zudem attestierte er ihr Reifeverzögerungen: „Ja, ich glaube, wir haben es hier mit einem unreifen Menschen zu tun.“

20-Jährige wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt

Tatsächlich kam im Fall der Selmerin Jugendstrafrecht zum Tragen. Sie wurde richterlich ermahnt und dazu verurteilt, 40 Sozialstunden abzuleisten. Der Richter fand in der Urteilsbegründung ebenfalls klare Worte: „So eine Aktion ist sinnlos und dumm.“ Sicherlich sprächen das leere Strafregister und das Geständnis für die Angeklagte. Wobei sie es bei Letzterem nicht geschafft habe, ein bisschen Reue und Einsicht zu zeigen. Auch warnte er sie eindringlich davor, die Sozialstunden nicht zügig abzuleisten. In dem Fall drohten bis zu vier Wochen Arrest. „Keine Lust hilft da nicht mehr“, so der Jugendrichter. Die 20-Jährige begriff offenbar den Ernst der Lage und nahm das Urteil sofort an.

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