Schwerter (82) tagelang in Hotel-Quarantäne in Ägypten: „Man fühlte sich wie im Käfig“

dzRückholaktion wegen Coronavirus

Wegen eines Corona-Verdachsfalls wurde das Hotel, in dem ein 82-jähriger Schwerter seinen Ägypten-Urlaub verbrachte, komplett abgeriegelt. Was dann folgte, war aber noch seltsamer.

Schwerte

, 24.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von einem Urlaub kann – wenn es nach Bernd Windelschmidt geht – keine Rede sein. Das, was er in der vergangenen Woche im ägyptischen Hurghada erlebt hat, war eher eine Reise. Und vielmehr noch ein „Albtraum-Trip“.

Schon zu Beginn stand der Urlaub unter keinem guten Stern, die meiste Zeit stürmte es, dann kam noch der Regen dazu. Erst in der zweiten Woche ließ sich endlich die Sonne blicken, davon sollte aber niemand all zu viel mitbekommen.

„Da war morgens dieser Zettel an der Tür: ‚Allgemeine Corona-Quarantäne, bitte verlassen Sie nicht mehr das Zimmer. Sie bekommen Ihr Essen gebracht, der Service fällt aus“, gibt Windelschmidt den ungefähren Wortlaut wieder.

Ein paar Brötchen, etwas Gemüse – so sah die Quarantäne-Versorgung aus

Es gebe einen Corona-Verdachtsfall, hieß es auf dem Zettel. Wahrscheinlich seien sogar mehrere Gäste infiziert, hat Windelschmidt gehört. Also stehe das ganze Hotel unter Verdacht, ebenfalls das Virus in sich zu tragen.

Der Alltag habe dann so ausgesehen: Drei Lunchpakete gab es für jeden Hotelgast am Tag, gefüllt mit Brötchen, einer Tomate, einer Gurke, einer Banane und einem Salat. Das Zimmer durfte nicht verlassen werden, es gab keine frischen Handtücher. „Man fühlte sich eingesperrt wie in einem Käfig“, erzählt der 82-jährige Schwerter.

Abends kam Personal vorbei, um Fieber bei den Gästen zu messen – der mehr oder weniger einzige Sozialkontakt in diesen Tagen.

Gäste gingen trotz Anweisungen im Hotel spazieren

Andere Hotelgäste nahmen es nicht so genau: „Viele der Leute gingen rudelweise – weil sie es nicht aushielten – nach vorne zur Rezeption, waren in Massen zusammen, um Informationen zu bekommen. Von Quarantäne war da wenig zu spüren.“

Umso glücklicher waren Bernd Windelschmidt und sein Freund Horst, als am zweiten Quarantäne-Tag der Anruf aus Deutschland kam: „Der Reiseveranstalter teilte uns mit, dass wir ausgeflogen werden. Wir sollten uns am folgenden Tag an der Rezeption melden.“

Mit dem Taxi ging es zum Flughafen in Hurghada. Und trotz mehrer Komplikationen, Änderungen und viel Verspätung saßen die beiden Rentner schließlich im Flugzeug auf dem Weg nach Leipzig.

Rückholaktion lief nicht ohne Komplikationen ab

„Das war natürlich auch nur ein Notflieger. Es gab kein Toilettenpapier, keine Seife, keine Getränke. Nichts.“ Was ihn aber am meisten befremdete: Die Gäste aus dem ägyptischen Quarantäne-Hotel saßen nun auf engstem Raum mit anderen Urlaubern. „Neben mir saß eine junge Familie. Die Frau war schwanger. Was soll man dazu sagen?“, wundert sich der ehemalige Mitarbeiter dieses Medienhauses.

Symptome zeige er bis heute nicht. Aber er weiß, dass er als 82-Jähriger zur Risikogruppe gehört.

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Fast schon lustig fand er den Anruf, den er am nächsten Tag bekam. Er war gerade frisch in seinem Haus in Schwerte angekommen. „An meinem Handy meldete sich die Rezeption des Hotels in Ägypten. Ich soll sofort zum Eingang kommen und werde dann schnellstmöglich nach Hause gebracht. Das war alles ein Erlebnis – vergessen kann man das nicht.“

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