Schulministerin soll Corona-Weihnachtsferien rechtfertigen

Die meisten Schüler dürften sich freuen - viele Berufstätige und vor allem Alleinerziehende sind weniger begeistert: Wie betreuen sie ihre Kinder, wenn die Weihnachtsferien zwei Tage früher beginnen? Anlass für eine Aktuelle Stunde im NRW-Landtag.

13.11.2020, 02:32 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Streit über die vorgezogenen Weihnachtsferien im Corona-Krisenjahr 2020 beschäftigt heute (10 Uhr) den nordrhein-westfälischen Landtag. SPD und Grüne haben dazu kurzfristig eine Aktuelle Stunde beantragt.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte am Mittwochabend überraschend bekanntgegeben, die Weihnachtsferien schon am 21. Dezember beginnen zu lassen - zwei Tage früher als geplant. Dies solle als eine Art „Vor-Quarantäne“ ein unbeschwertes Weihnachtsfest ermöglichen.

Die Opposition sieht allerdings noch zahlreiche Aspekte ungeklärt. SPD-Oppositionsführer Thomas Kutschaty bemängelt „Zick-Zack-Kurs“ und einsame Entscheidungen der Regierung in einer so zentralen Angelegenheit. Auch aus Lehrer- und Elternverbänden gibt es Kritik und Fragen - etwa zur Betreuung der Kinder an den freien Tagen.

Darüber hinaus wollen SPD und Grüne eine Debatte darüber führen, wie Bildung und Infektionsschutz in der Pandemie besser zusammenzubringen wären. Nötig wäre aus ihrer Sicht ein Mix aus Unterricht im Klassenzimmer und digitalem Unterricht in rollierendem System und „Schicht-Modellen“. Außerdem müssten zusätzliche Lernräume und Lernbegleiter - etwa Studenten - mobilisiert werden. Um mehr Abstand und Infektionsschutz in Bussen und Bahnen zu ermöglichen, sollten die Schulanfangszeiten flexibilisiert werden, fordern sie.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hält die Forderung nach außerschulischen Lernräumen wegen der Masse der dann benötigten Ausweich-Quartiere für unpraktikabel. Außerdem werde diese Option von der Schulgemeinschaft abgelehnt, hatte sie am Mittwoch im Landtag eingewandt.

Der Städtetag NRW hatte in dieser Woche angesichts rasant steigender Infektionszahlen einen landesweit einheitlichen Stufenplan für die Schulen gefordert - vom eingeschränkten Regelbetrieb bis hin zum Distanzunterricht. Die schwarz-gelbe Landesregierung hatte zuvor der Stadt Solingen untersagt, die Klassen an weiterführenden Schulen wegen der hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen zu halbieren und die Schüler im Wechsel daheim und in den Schulräumen zu unterrichten.

Als Grund hatte Gebauer vor allem Bildungsgerechtigkeit genannt. Erst wenn alle anderen Maßnahmen - etwa ein zeitlich versetzter Unterrichtsbeginn - ausgeschöpft seien, könnten Schulen ein Wechselmodell einführen.

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