„Typisch rheinische Sichtweise“: Werner Schulleiter verärgert über Ferien-Verlängerung

dzSchulen in Werne

Zwei Tage früher Schulferien - die Entscheidung der Landesregierung verärgert die Schulleiter in Werne, die in den Medien davon erfahren haben. Dabei verwundert die „typisch rheinische Sichtweise“.

Werne

, 13.11.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In den vergangenen Monaten mussten die Schulleiter in NRW oft sehr schnell und kurzfristig auf neue Regelungen der Landesregierung reagieren. Nicht selten erreichten die neuen Verordnungen die Schulen am Freitagnachmittag oder - abend, um sie gleich am darauffolgenden Montag umsetzen zu müssen. Nun hat Schulministerin Yvonne Gebauer verkündet, dass die Weihnachtsferien zwei Tage früher beginnen und der letzte Schultag der 18. Dezember sein wird.

„Das ist nicht unvernünftig. Aber wieso spricht man nicht mit uns Schulleitern darüber? Ich muss das aus der Presse erfahren. Das macht mich wirklich sauer. Ich als Schulleiter muss das als Erster erfahren. Bis jetzt bin ich immer noch nicht offiziell informiert worden“, ärgert sich Marcel Damberg, Schulleiter des Anne-Frank-Gymnasiums in Werne, am Donnerstagmittag (12. November).

Nicht überall wird Karneval gefeiert

Und nicht nur die fehlende Information macht ihn sauer. Die beiden fehlenden Unterrichtstage - der 21. und 22. Dezember - sollen an Rosenmontag und Veilchendienstag 2021 nachgeholt werden. „Das ist mal wieder eine typisch rheinische Sichtweise. Wenn man ins Siegerland, ins Sauerland oder OWL schaut, ist es so, dass dort nicht überall Karneval gefeiert wird und es deshalb auch keine schulfreien Tage gibt“, sagt Damberg.

Verwunderlich sei die Regelung auch deshalb, weil die beiden Tage rund um Karneval keine offiziellen Ferientage, sondern frei bewegliche Ferientage sind, die von der Schulkonferenz jeder einzelnen Schule terminiert werden können.

Auch wenn in Werne Karneval gefeiert und Rosenmontag und Veilchendienstag somit als frei bewegliche Feiertage 2021 eingeplant waren, steht Damberg den verlängerten Ferien skeptisch gegenüber. Denn die beiden letzten Unterrichtstage vor den Ferien seien immer „als Puffer angedacht, an denen Klausuren nachgeschrieben werden können“.

„Die zwei Tage werden uns Weihnachten nicht retten“

Auch sein Kollege Hubertus Steiner sei geschockt gewesen, als er von der Regelung der Landesregierung - ebenfalls aus den Medien - erfahren hat. „Das ist ja schön, dass ich im Radio höre, was in meiner Schule passiert. Aber offiziell weiß ich immer noch von nichts“, so der Schulleiter der Marga-Spiegel-Sekundarschule am Donnerstag.

Er stellt generell in Frage, ob die beiden zusätzlichen Ferientage dazu führen, dass man ein unbeschwertes Weihnachtsfest feiern kann. „Ich bin nicht davon überzeugt, dass uns das Weihnachten retten wird. Ich glaube eher, dass das dazu führen könnte, dass Familien früher in den Urlaub fahren - vielleicht in die Skigebiete, in denen man sich vielleicht anstecken kann. Das würde das Ganze konterkarieren, was man sich mit der Regelung eigentlich gewünscht hat“, sagt Steiner.

Und auch das Ausgleichen der beiden fehlenden Unterrichtstage um Karneval sieht er kritisch. Denn: Zu dieser Zeit können Familien bereits auch Urlaube geplant haben. „Diese beweglichen Ferientage sind ein Beschluss der Schulkonferenz, die jetzt einfach aufgehoben werden. Das ist nicht einfach so umzusetzen“, moniert Steiner.

Keine großen Probleme am Berufskolleg in Werne

Das sieht am Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg in Werne anders aus. „Ich sehe keine großen Probleme das umzusetzen“, sagt Schulleiter Helmut Gravert. Auch Klausuren oder Nachholtermine von Prüfungen werde es am 21. und 22. Dezember nicht geben.

„Am Berufskolleg ist die Welt ein bisschen anders. Hier ist keine Woche wie die andere. Die Schüler sind entweder im Betrieb oder an einigen Tagen hier an der Schule. Die, die in Vollzeit hier zur Schule gehen, sind mindestens 17 Jahre alt. Da gibt es also auch keine Probleme, was die Betreuung angeht“, so Gravert weiter. Demnach könne man die verlängerten Ferien und die zwei fehlenden Unterrichtstage flexibel kompensieren.

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