Schmierereien und Partys im Lippepark: Anwohner beschweren sich

dzUnruhen

In letzter Zeit soll es im Lippepark und am Lippestrand vermehrt zu Unruhen gekommen sein, Anlagen wurden beschmiert. Die Anwohner Jörg-Uwe und Karin Hübner haben sich jetzt bei der Stadt beschwert.

von Kimberly Becker

Lünen

, 02.08.2020, 12:29 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist sieben Uhr morgens, als Karin Hübner sich auf dem Weg zur Apotheke machen möchte. Vor ihrer Haustür, so sagt sie im Gespräch mit der Redaktion, findet da gerade eine Party statt. Betrunkene Jugendlich feiern im Lippepark und am Lippestrand, die ganze Nacht schon, so sagt es die Anwohnerin, haben sie laute Musik gemacht - teilweise randaliert und dabei deutliche Spuren hinterlassen. Für Karin Hübner und ihren Mann Jörg-Uwe Hübner ist dieser Zustand nicht mehr ertragbar. Es sei nämlich kein Einzelfall: Immer wieder, so erzählen sie, komme es zu Unruhen wie diesen.

Die beiden sind nicht die einzigen, die sich wegen der Störungen bei der Stadt beschwert haben. Inzwischen gebe es zahlreiche Anfragen, das Geschehen im Park zu unterbinden, wie der Pressesprecher in Lünen Alexander Dziedeck auf Anfrage der Redaktion erklärt. Sich den Beschwerden anzunehmen, gestaltet sich jedoch schwierig, sagt er. „Wir können grundsätzlich nur tagsüber reagieren – nämlich dann, wenn das Ordnungsamt im Dienst ist. Meistens kommt es erst zur Nachtzeit zu den entsprechenden Beschwerden. Dann sind die Mitarbeiter des Ordnungsamtes nicht im Dienst. Dann ist die Polizei zuständig“, so der der Pressesprecher.

Platzverweise möglich

Wenn die Stadt während der Dienstzeit des Ordnungsamtes eine Beschwerde erhalte, dann kommen Mitarbeiter des Ordnungsamtes zur Kontrolle vorbei. Dabei würde als erstes auf Dialog gesetzt werden. Es könne laut Dziedeck auch zum Platzverweis kommen.

Das Ehepaar Hübner und die anderen Mieter wünschen sich mehr Sicherheit. Die meisten Anwohner der großen Anlage des Projektes „Stadtquatier Park“ haben sich für eine dieser Wohnungen entschieden, weil sie eine gute Lage haben. „Wir wohnen mitten im Grünen und trotzdem so nah an der Stadt. Außerdem sind hier direkt Ärzte und alles, was man im Alter braucht“, erklärt Jörg-Uwe Hübner, der sich zunehmend unwohler fühlt. Niemand traue sich am Wochenende nach 18 Uhr vor die Tür. Sie haben Angst, von den jungen Erwachsenen angepöbelt zu werden.

Jetzt lesen

Jörg-Uwe Hübner möchte beispielsweise nicht mit auf den Fotos zu diesem Artikel zu sehen sein, da er fürchtet, dass die Feier wütigen ihn erkennen und bedrohen, wie es schon einmal passiert ist. „Ein paar Jungs haben mal sämtliche Mieter dieses Hauses angeklingelt und nach mir gefragt. Sie nannten mich ,den da oben‘. Zum Glück hat man vorher mit der Kamera am Eingang sehen können, was da los war“, berichtet der Rentner.

Die Problematik habe damit begonnen, dass junge Menschen abends im Park am neu gebauten Brunnen und den darum liegenden Bänken zum Musikhören und Trinken getroffen haben. „Die hören sehr laute Musik und brüllen sich gegenseitig von einem Ufer der Lippe zum anderen an“, sagt Karin Hübner, die nachts das ganze Wochenende nicht mehr die Fenster öffnet, weil die Lautstärke zu hoch ist. Zusätzlich klopften die Feiernden an den kupfernen Teil der Statue in der Nähe des Hauses und machen sich so bemerkbar. „Außerdem müssen die irgendwann auf Toilette. Und dann muss der Park herhalten“, ärgert sich Jörg-Uwe Hübner.

„Immer sehr viel Alkohol im Spiel“

Dabei sei nämlich immer sehr viel Alkohol im Spiel, woraufhin dann am folgenden Montag die leeren Flaschen und Scherben entsorgt werden müssen. „Das muss teuer für die Stadt sein“, sagt Jörg-Uwe Hübner. Zumal auch die Fläche direkt vor dem Haus Privatbereich ist und nicht zum städtischen Park gehöre und auch dort randaliert werde, so das Ehepaar. Private Schilder würden dabei immer abgerissen und abgeknickt.

Auch im öffentlichen Bereich haben die Anwohner Zerstörungswut beobachtet: Herausgerissene Blumen, angeflemmte Holzbänke und beschmierte Flächen zeugen davon. Für Jörg-Uwe und Karin Hübner ist das Graffiti an der Anlage ein großes Ärgernis. So wie eigentlich die ganze Situation. Auch Drogenhandel, so erzählen sie, haben sie vor Ort schon beobachtet. Immer, wenn die gerufene Polizei eintraf, seien die Dealer allerdings schon weg gewesen.

„Vor zwei Monaten ist bereits jemand ausgezogen. Wir suchen jetzt auch aktiv nach etwas Neuem. Darauf haben wir uns schon eingestellt“, sagt Jörg-Uwe Hübner. Für das Ehepaar gestaltet sich das jedoch schwieriger, da sie Eigentümer der Wohnung sind. „Eigentlich hatten wir vor, hier alt zu werden“, so das Ehepaar. Allerdings nicht unter diesen Bedingungen.

Inzwischen haben die Beschwerden erbracht, dass ein privater Sicherheitsdienst von der Stadt beauftragt wurde, den Lippepark punktuell anzufahren und zu kontrollieren. „Ich weise aber darauf hin, dass ein privater Sicherheitsdienst nicht die gleichen Befugnisse wie eine Ordnungsbehörde hat. Und diese ist weiterhin in den angesprochenen Nachtzeiten nicht im Dienst“, so der Pressesprecher der Stadt Dziedeck.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt