Schmerzen als ständige Begleiter: Landtag diskutiert Schmerztherapie

Gesundheit

Schmerzen sind für viele Menschen häufige oder sogar ständige Begleiter - vor allem für Frauen. Anlass für die Grünen, nach dem Stand der Schmerztherapie in NRW zu fragen.

Düsseldorf

03.03.2020, 10:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rückenschmerzen waren 2018 die häufigste ambulant ärztlich behandelte Erkrankung.

Rückenschmerzen waren 2018 die häufigste ambulant ärztlich behandelte Erkrankung. © picture alliance / dpa

Mehr als jede fünfte Frau und mehr als jeder sechste Mann in Nordrhein-Westfalen leidet laut einer repräsentativen Befragung unter starken oder sogar sehr starken Schmerzen. Das geht aus einem Bericht von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) an den Düsseldorfer Landtag hervor. Am Mittwoch befasst sich der Gesundheitsausschuss mit dem Thema.

In der jährlichen Erhebung des Landeszentrums Gesundheit (LZG) berichteten im vergangenen Jahr 22 Prozent der Frauen und 15,7 Prozent der Männer über starke oder sehr starke Schmerzen während der zurückliegenden vier Wochen. Fast jede fünfte Frau und fast jeder siebte Mann fühlten sich durch die Schmerzen bei ihren Alltagstätigkeiten zu Hause und im Beruf „ziemlich oder sehr behindert“.

Laut Selbstauskunft hatte jede vierte Frau und etwa jeder sechste Mann in den zwölf Monaten vor der Befragung eine ärztlich diagnostizierte Arthrose. Ebenso hoch war der Anteil derer, die angeben, schon länger als drei Monate unter Rückenschmerzen zu leiden.

Rückenschmerzen die häufigste ambulant behandelte Erkrankung

Unter den statistisch abgebildeten Fällen seien Rückenschmerzen 2018 mit über 23.000 Fällen je 100.000 Einwohner die häufigste ambulant ärztlich behandelte Erkrankung gewesen, berichtete Laumann. „Akute Rückenschmerzen nehmen in der Regel einen günstigen Verlauf. In etwa 80 bis 90 Prozent der Fälle klingen sie binnen 14 Tagen spontan wieder ab.“ Die häufigsten unspezifischen Schmerzen in der ambulanten Behandlung seien Bauch- und Beckenschmerzen.

Auch bei Krankenhausaufenthalten gehörten Rückenschmerzen zu den Hauptdiagnosen, stellte der Minister fest: 2017 seien in NRW auf je 100 000 Einwohner rund 300 Fälle gekommen. Bei der Arthrose des Hüft- oder Kniegelenks seien rund 210 Fälle auf je 100.000 Einwohner entfallen. Auch im Krankenhaus seien Bauch- und Beckenschmerzen - neben Hals- und Brustschmerzen - die häufigsten unspezifischen Anlässe für einen Aufenthalt gewesen. Eindeutig ließen sich chronische Schmerzen in den Statistiken allerdings nicht abbilden, da sie als Symptom unterschiedlicher Erkrankungen auftreten könnten, erklärte Laumann.

Sonderauswertung bei gezielter Befragung zu Schmerzen

Das LZG befragt jährlich rund 2000 Bürger für den „NRW-Gesundheitssurvey“ zu ihrer Gesundheit. Die Ergebnisse sollen gesundheitspolitische Entscheidungen unterstützen. Die gezielte Befragung zu Schmerzen sei 2019 eine Sonderauswertung gewesen, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. Zu den Sondererhebungen gebe es keine jährlichen Vergleichszahlen.

Die schmerzmedizinische Versorgung sei ausdrücklich im Krankenhausplan des Landes verankert und sollte „im Leitbild der Klinik erkennbar sein“, antwortete Laumann auf Anfrage der Grünen-Opposition. „Die schmerzmedizinische Versorgung wird in Nordrhein-Westfalen sowohl durch Krankenhäuser als auch im ambulanten und rehabilitativen Sektor gewährleistet.“

Teilweise Versäumnisse der Krankenhäuser bekannt

In vielen Teilen des Landes werde „Schmerztherapie in vielen kleinen Krankenhäusern angeboten“ - oberhalb des deutschen Vergleichswerts. Mit knapp 13 Tagen sei die durchschnittlicher Verweildauer pro Fall in der Schmerztherapie vergleichsweise lang, heißt es im jüngsten Gutachten zur Krankenhauslandschaft NRW.

Das Sozialgesetzbuch verpflichte Krankenhäuser auch, bei Entlassungen „eine durchgängige schmerztherapeutische Versorgung mit zu gewährleisten“, stellte der Minister fest. „Gelegentlich werden im Rahmen der Krankenhaus-Aufsicht heute noch dahingehende Versäumnisse der Krankenhäuser bekannt“, räumte er ein.

dpa