Schausteller und Stadt arbeiten an einer Alternative zur Lünschen Mess

dzNach Absage

Die Lünsche Mess ist abgesagt - ein weiterer Nackenschlag für die Schaustellerbranche. Die tüftelt mit der Stadt an einer alternativen Lösung, während Politiker finanzielle Hilfe fordern.

Lünen

, 22.06.2020, 19:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass die Lünsche Mess am Ende abgesagt wurde, kam nicht überraschend - schon unter der alten Corona-Schutzverordnung wäre es schwierig gewesen, ein Volksfest nur zwei Wochen nach dem Ende eines Verbots für Großveranstaltungen durchzuführen. Mit der Erweiterung dieses Verbots bis Ende Oktober hatten sich diese Gedankenspiele ohnehin erledigt.

Rund 130 Schaustellerbetriebe sind von der Absage der Lünschen Mess betroffen. Da die Veranstaltung laut Stadtsprecher Benedikt Spangardt „ziemlich kostenneutral“ für Lünen läuft, gibt es zumindest für den städtischen Haushalt keine Auswirkungen.

Situation ist existenzbedrohend

Bei den Schaustellern sieht das anders aus. Die Frage nach den Gefühlen der Schausteller beantwortet deren Sprecher Patrick Arens aus Dortmund mit einer Gegenfrage: „Was würden Sie machen, wenn man Ihnen sagt, dass Sie zehn Monate lang nichts zu tun haben?“ Und nicht nur das: „Es gibt auch keine Unterstützung, man kriegt ja nicht mal einen ALG-Satz.“ Ob man befürchten müsse, dass einige der Schaustellerbetrieben im kommenden Jahr nicht mehr dabei sein werden? „Das könnte passieren, ja.“

Diese Situation haben auch die beiden SPD-Politiker Marc Herter und Rainer Schmeltzer erkannt. Letzterer ist nicht nur „Verbindungsmann der SPD-Landtagsfraktion zur Schaustellerbranche“, sondern bekanntlich auch Bürgermeisterkandidat für Lünen. Er fordert, dass die Landesregierung den Schaustellern hilft: „Die bisherigen Maßnahmen haben für die erste Zeit geholfen. Jetzt muss nachgelegt werden.“ Wie genau, das erläutert der stellvertretende Landtagsfraktionschef Herter: „Wir fordern, dass die Landesregierung aus ihrem Corona-Rettungsschirm ein Programm für die Schausteller auflegt.“

Finanzielle Hilfe allein wird die Schausteller allerdings nicht retten, glaubt Patrick Arens. „Ich will dem Staat nicht alleine die Schuld geben. Auch wenn bestimmte Maßnahmen wirklich nur schwer nachzuvollziehen sind - Großveranstaltungen an der freien Luft bleiben verboten, aber Messen mit 6000 Menschen in einer Halle sind ok?“ Dennoch müsse man auch die Selbstständigen dazu bekommen, dass sie mehr für ihre Zukunft täten.

Buden und Karussells in der Stadt?

Kurzfristig wollen die Schausteller versuchen, zumindest einen Teil des verlorenen Geschäfts auch in Lünen zu kompensieren. Einen mobilen Freizeitpark wie in Dortmund wird es zwar nicht geben. „Aber vielleicht können wir einzelne Geschäfte in der Stadt verteilen“, so Patrick Arens. Am Alten Markt oder am Tobiaspark könnten sich die Schausteller während der Sommerferien Buden und Karussells vorstellen.

Festgezurrt ist allerdings noch nichts - letzte Gespräche mit der Stadt Lünen stehen dazu voraussichtlich am Dienstag (23.6.) aus.

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