Schalker Ultras üben Kritik: „Moralische Bankrotterklärung“

Lange haben die Fans des FC Schalke 04 geschwiegen und konnten ihrem Unmut während der Geisterspiele keine Luft machen: Doch mit heftiger Kritik an der Clubführung melden sich nun die „Ultras Gelsenkirchen“ zu Wort. In einer am Montag auf ihrer Homepage veröffentlichten Stellungnahme rechnen die Anhänger mit den Verantwortlichen des Fußball-Bundesligisten ab. Dabei geht es weniger um die sportliche Talfahrt in der Rückrunde als vielmehr über die ihrer Meinung nach sozialen Verfehlungen und Verwerfungen.

22.06.2020, 17:31 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mit heftiger Kritik an der Clubführung melden sich nun die „Ultras Gelsenkirchen“ zu Wort. Foto: Daniel Reinhardt/dpa/Archivbild

Mit heftiger Kritik an der Clubführung melden sich nun die „Ultras Gelsenkirchen“ zu Wort. Foto: Daniel Reinhardt/dpa/Archivbild

„Die gesamte Saison ist eine moralische Bankrotterklärung. Ein Ausverkauf der Schalker Werte, die zu Marketingzwecken zwar gern benutzt, ansonsten aber mit Füßen getreten werden“, hieß es. Der Verein verliere zunehmend an „Glaubwürdigkeit und Identifikation“. Ihren Post versahen die Ultras in Anspielung auf das vom Club kreierte Motto „#NurImWir“ mit dem Zusatz „Schalke 2020 - #NurImIch“.

Selten habe der Club „ein katastrophaleres Bild abgegeben“. Neben der sportlich desolaten Rückrunde seien es vor allem die Gremien und Vereinsverantwortlichen um die Vorstände Jochen Schneider und Alexander Jobst sowie Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, „die unseren Verein Woche für Woche der Lächerlichkeit preisgeben und jeglichen Kontakt zur Gelsenkirchener Realität verloren zu haben scheinen.“

Vorstand sowie Aufsichts- und Ehrenrat hätten sich zuletzt mehr als einen Fehltritt geleistet: „Die rassistischen Äußerungen von Clemens Tönnies“, die „anschließende Posse um das Ehrenratsverfahren“, der umstrittene Umgang beim Thema Rückzahlung der Ticketpreise („Härtefallantrag“), der Rückzug von Finanzvorstand Peters, die Trennung vom langjährigen Mediendirektor Thomas Spiegel und vor allem der Umgang mit langjährigen Mitarbeitern im Fahrdienst sowie weiteren Ehrenamtlichen und geringfügig Beschäftigten, die ihren Job verloren.

Fassungslos mache es die Fans, „wenn im Nachgang dieser Schritt auch noch als wirtschaftlich richtig begründet wird. Die Spieler verzichten auf einen Teil ihres Gehalts, die Fans auf die Rückerstattung der Tickets, um so Kündigungen vermeiden zu können. Und dann schmeißt der Verein die Geringverdiener als Erstes raus?“ Das sei das Gegenteil „der propagierten „sozialen Verantwortung“ und nicht hinnehmbar“.

Der offene Brief endete mit den Worten: „Wir haben keinen Bock mehr auf Ausreden oder Entschuldigungen. Wer die Schalker Werte nicht lebt, muss den Verein verlassen.“

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