Satirekünstler aus Lünen: Humor macht in diesen Zeiten vieles leichter

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Horst Engel sieht die Welt durch die satirische Brille. Ein Projekt wäre heute wohl nicht möglich - denn dafür brauchte der Künstler des Wortwitzes 4000 Rollen Toilettenpapier.

Lünen

, 31.03.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seinen Humor hat Horst Engel nicht verloren. Im Gegenteil. „Ich glaube, Humor macht auch in diesen Zeiten vieles etwas leichter“, sagt der 70-jährige Wahl-Lüner. Natürlich sei es eine Wesensfrage, wie man mit Ängsten und Einschränkungen aufgrund des Coronavirus umgeht. „Man muss sich nicht über die derzeitige Lage lustig machen, aber seinen Humor nicht zu verlieren, kann schon helfen.“

Wortwitz ist das Markenzeichen von Horst Engels Projekten und Ausstellungen. So war es auch beim „Lippe Tower“ im Sommer 2015. Eine Aktion, die er derzeit definitiv nicht wiederholen könnte. Denn für den Turm benötigte Engel 4000 Rollen Toilettenpapier. Und das ist ja bekanntlich derzeit sehr gefragt.

Für sein "städtebauliches Jahrhundertprojekt" des Lippe Towers benötigte Horst Engel etwa 4000 Rollen Toilettenpapier.

Für sein "städtebauliches Jahrhundertprojekt" des Lippe Towers benötigte Horst Engel etwa 4000 Rollen Toilettenpapier. © Foto: Beuckelmann (A)

Den knapp vier Meter hohen Turm gibt es schon lange nicht mehr. „Ich habe damals nach zwei Monaten alle Rollen verschenkt.“ Engel hatte sich mit der Stadt Lünen in Verbindung gesetzt und die 4000 Rollen an Flüchtlings-Unterkünfte verschenkt. Dann kam ein großer Transporter vorgefahren und einige junge Flüchtlinge halfen mit, den Turm abzubauen und die Rollen im Transporter unterzubringen.

Toilettenpapier wurde vor fünf Jahren angeliefert

Das Toilettenpapier hatte er vor fünf Jahren nicht etwa im Einzelhandel gekauft. „Bei der Menge habe ich mich an einen Lieferanten aus Hamburg gewandt. Über einen Subunternehmer wurden die Rollen dann auf Europaletten angeliefert.“ Zum Sonderpreis. In zwei bis drei Monaten baute Engel dann den Lippe-Tower aus den weißen Rollen.

Derzeit kümmert sich Engel mehr um seinen Statt-Blog im sozialen Netzwerk Facebook. Dort nimmt er immer wieder aktuelle Themen auf, Dinge, die ihm in Lünen auffallen. „So alle zehn bis 14 Tage kommt was Neues. Das geht ja auch derzeit gut von zuhause aus. Andreas Becker, mit dem ich schon viele Ausstellungen zusammen hatte, illustriert das Ganze dann“, so Engel.

Engel ist gespannt, wie lange die Corona-Krise noch andauern wird. „Ich habe mir angewöhnt, wenn ich einkaufen gehen muss, das morgens früh zu machen und natürlich Abstand zu halten.“

Satire muss auch möglich sein

Da niemand derzeit verlässlich sagen könne, wie lange das Coronavirus und die Folgen uns noch beschäftigen werden, sei langer Atem angesagt. Und eben Humor: „Unter dem Motto, von einem Virus lassen wir uns noch lange nicht unterkriegen.“

Satire, so Engel, müsse auch in diesen ungewöhnlichen und gefährlichen Zeiten nicht vernachlässigt werden. „Nicht schlecht wäre es allerdings, wenn man auf die Befindlichkeiten des oder der Empfänger von Satire etwas genauer hinschauen würde.“

Von der Kontaktsperre sind Engel und seine Familie auch betroffen. Denn die beiden Enkelkinder in Duisburg sehen Oma und Opa derzeit nur beim Skype-Telefonieren oder hören sie am Telefon. „Aber sie sind gut beschäftigt, haben von ihren Schulen Aufgaben für daheim bekommen.“ Und Horst Engel schickt ihnen außerdem einige Bände aus seiner eigenen Donald-Duck-Sammlung.

Immerhin - vor den Reisewarnungen konnte das Ehepaar Engel noch das Geschenk vieler Freunde und Verwandten zu Engels 70. Geburtstag einlösen. Der Beatles-Fan fuhr mit seiner Frau nach Liverpool. „Das hatte meine Frau organisiert.“ Die Beiden erlebten sogar noch ein Fußballspiel im Stadion live mit: „Als das ganze Stadion you´ll never walk alone sang - das war schon ein Gänsehautmoment.“ Begeistert war Engel auch von der Fairness der Fans - und von der unglaublich sauberen Umgebung des Stadions.

Schon vor eineinhalb Jahren war das Ehepaar in Liverpool, erlebte im August die „Beatles-Week“ mit, in der in vielen Gaststätten Live-Konzerte von Musikern stattfinden, die Songs der Pilzköpfe spielen. „Diesmal haben wir eine Tour zu den Elternhäusern von John Lennon und Paul McCartney gemacht.“ Und waren dann froh, rechtzeitig vor den Reisewarnungen wieder nach Lünen zurückgekehrt zu sein.

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