Lasst den Raketen-Silo bloß stehen!

dzKolumne Klare Kante

Der Reparatur-Bedarf an der Sakristei St. Christophorus scheint Vorwand zu sein, das umstrittene Bauwerk endgültig abreißen zu können. Ein Fehler, meint der Autor dieser Kolumne.

Werne

, 16.06.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es hat ein bisschen was von Provinzposse: ehrenwerte Bürger einer Kleinstadt antichambrieren Jahrzehnte gegen ein Gebäude eines angesehenen Architekten; jetzt haben die Provinzlinge es endlich geschafft, dass Hassobjekt, dessen architektonische Qualität sie nicht verstehen, von der Bildfläche verschwinden zu lassen.

So könnte man, wenn man von außerhalb bösartig auf Werne und sein zwiegespaltenes Verhältnis zur Sakristei blicken würde, die Dinge sehen. Und ehrlich gesagt: Diese Sicht ist nicht ganz falsch. Man mag zu dem „Raketen-Silo“ stehen, wie man will: Die Architektur ist außergewöhnlich und in sich schlüssig. Wer sie einmal innen besucht hat, wird sich der Lichtwirkung durch die Glasbänder nicht entziehen können.

Frage der Harmonie zwischen Kirche und Sakristei

Größter Knackpunkt ist meiner Meinung nach die Frage der Harmonie zur benachbarten, aus dem 15. Jahrhundert stammenden Christophorus-Kirche. Den damaligen Gedanken des Architekten, keine Kopie der Kirchen-Bauweise, sondern eine ganz eigenständige, moderne Formgestaltung bei der Sakristei vorzuziehen, kann ich nachvollziehen.

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Architektur ist nur in Teilen eine exakte Wissenschaft. Ihr Resultat ist oft Zeitgeist abhängig sowie vom Geschmack des Betrachters. Die Ansichten von Meinungsträgern in einer Stadt können Diskussionen lenken.

Resignation, Unverständnis, Entsetzen über Abriss

Aus dem Beschwerdebrief des Büros Böhm Architekten an das Bistum Münster sprechen Resignation, Unverständnis und Entsetzen über die Abrisspläne: „Ihre Nachricht (von den Abrissplänen; Anmerk der Red.) war nicht sonderlich überraschend, gleichwohl hat uns die in dem Ausmaß erschreckende Ablehnung der Architektur der Sakristei von St. Christophorus nicht wenig schockiert.“

Wer ins Werkverzeichnis von Böhm Architekten (Vater Gottfried und die Söhne Peter und Stephan) schaut, ist mit einer Reihe besonderer, Aufsehen erregender Bauten konfrontiert. Etwa einem Biosphärenhaus in Fischbach, den WDR-Arkaden in Köln oder das Hans Otto Theater in Potsdam.

Sakristei St. Christophorus als gelungenes Beispiel

Wer auf die Seite „Stephan Böhm“ im Internet-Lexikon Wikipedia schaut, sieht als fotografische Beispiele an der rechten Seite drei Fotos mit exemplarischen Bauten: Führungs- und Schulungszentrum der Berufsfeuerwehr in Köln, Feuerwache Weidenpesch; die Verbandsgemeindeverwaltung Jockgrim mit integriertem ehemaligen Ringofen der Ludowici Ziegelwerke; und eben die Sakristei St. Christophorus in Werne.

Ich meine: Nehmt das Geld in die Hand, repariert die Sakristei und freut euch, ein so ungewöhliches Bauwerk eines renommierten Architekturbüros in der Stadt zu haben.

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Jetzt ist es amtlich - die moderne Sakristei der Christophorus-Kirche bekommt keinen Denkmalstatus. Obwohl sie künstlerisch gesehen eigentlich dafür geeignet wäre. Von Jörg Heckenkamp

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