77-jährige Lotte Lehmkuhl startet Feldzug für Sakristei-Erhalt in Werne

dzSakristei St. Christophorus

Lotte Lehmkuhl ist kunst- und kulturinteressiert. Die Nachricht über den möglichen Abriss der modernen Sakristei hat sie erschüttert. Das will sie auf keinen Fall hinnehmen und sucht Mitstreiter.

Werne

, 05.07.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die 77-jährige Lotte Lehmkuhl setzt sich aus zweierlei Gründen für den Erhalt der umstrittenen Sakristei ein. Erstens: Weil sie den Bau architektonisch für sehr gelungen und wertvoll hält. Zweitens: Um das Vermächtnis ihres verstorbenen Mannes Karl-Dieter Lehmkuhl zu bewahren. Der war von 1973 bis 1993 technischer Beigeordneter der Stadt Werne und hatte sich damals für den Bau der modernen Sakristei stark gemacht.

„Ich habe dem Münsteraner Bischof Dr. Felix Genn einen Brief geschrieben“, sagt Lotte Lehmkuhl, „als Einschreiben. Ich möchte, dass er sich als oberster Katholik mit der Sache befasst.“ Auch beim Kunstverein Werne habe sie vorgesprochen und wirbt dort um Unterstützung für den Erhalt. „Man will sich im Vorstand damit befassen“, sagt sie auf Anfrage der Redaktion.

Lotte Lehmkuhl schreibt Brief an Bischof Genn

In dem Brief an Bischof Genn zeigt sie detailliert die Entstehungsgeschichte der Sakristei auf. Außerdem habe sie Freunde und Bekannte über die Hintergründe aufgeklärt. „Dann sagen die Leute oft: ‚Ach, da sehe ich die Sakristei jetzt mit ganz anderen Augen‘.“

In Lotte Lehmkuhls Schreiben, das sie weiter verteilen will, heißt es unter anderem: „Vor rund drei Jahrzehnten wurde in Werne mit Hilfe des preisgekrönten Architekturbüros Böhm ein besonderes Bauwerk geschaffen, eine zeitgenössische Sakristei als Anbau der St. Christophorus-Kirche. Diese Sakristei soll nun abgerissen werden.

In einem Brief an Bischof Genn sowie weitere Verantwortliche schildert Lotte Lehmkuhl die Bedeutung der Sakristei. Ein Abriss kommt für sie nicht infrage.

In einem Brief an Bischof Genn sowie weitere Verantwortliche schildert Lotte Lehmkuhl die Bedeutung der Sakristei. Ein Abriss kommt für sie nicht infrage. © Jörg Heckenkamp

Warum gab es damals den Wunsch, eine neue Sakristei zu bauen? Schon damals nahm die Zahl der Gottesdienstbesucher sehr ab. Pfarrdechant Herr Dr. Roehr wünschte sich für die Messen und Andachten in der Woche einen kleineren Raum als die große Christophoruskirche. Also sollte die Sakristei links neben dem Chor zu einer kleineren Kapelle umgewandelt werden.

Eine neue Sakristei war nötig. Dr. Roehr war an Kunst interessiert und hatte keine ‚ Berührungsangst‘ zur zeitgenössischen Kunst. Obwohl Werne eine Kleinstadt ist, wandte er sich mit Zustimmung des Bistums an das für Kirchenbauten sehr bekannte Architekturbüro Böhm in Köln. Prof. Stephan Böhm war tatsächlich bereit, den Auftrag zum Bau einer Sakristei in unserer kleinen Stadt zu übernehmen.

Aufstrebende Form der Sakristei passe zum gotischen Stil der Kirche

Und er machte sich viele Gedanken: Der Grundriss sollte ein Oktagon sein, seit der Antike Symbol der Vollkommenheit. Der Chor der Christophoruskirche ist ein 5/8 Oktagon. Passend zum gotischen Stil plante Prof. Böhm die ‚aufstrebende‘ Form der neuen Sakristei. Die Sakristei sollte einem Zelt ähnlich sein, Symbol der irdischen Wanderschaft. Im Alten Testament lebten Abraham, Isaak…. in Nomadenzelten.

Die Spitze der Sakristei sollte offen (verglast) sein und ebenfalls ein Oktagon. So konnte man den Himmel sehen. Auch die Innenausstattung sollte adäquat sein als ‚Haus Gottes‘. Der Entwurf fand Zustimmung bei Pfarrdechant Dr. Roehr, dem Kirchenvorstand, dem Bistum, dem Denkmalsamt und Rat und Verwaltung der Stadt Werne.

Zwar habe die Sakristei nicht allzu viel Platz, allerdings würden dort auch viele Dinge stehen, die woanders untergebracht werden könnten, sagt Lotte Lehmkuhl.

Zwar habe die Sakristei nicht allzu viel Platz, allerdings würden dort auch viele Dinge stehen, die woanders untergebracht werden könnten, sagt Lotte Lehmkuhl. © Jörg Heckenkamp

Die Sakristei wurde gebaut. Leider wurde versäumt, die Gedanken zum Entwurf und Bau der Sakristei der Bevölkerung nahe zu bringen. Dies kann und sollte man nun nachholen. Dr. Roehr starb 2003 plötzlich. Seine Nachfolger hatten und haben wohl einen anderen ‚Geschmack‘. Über Architektur lässt sich ja auch streiten.

Wir leben aber im Heute und man sollte das auch in der Architektur zum Ausdruck bringen. Prof. Böhm hat gute Verbindungen ‚geschaffen‘ zwischen alt und neu. Sachkundige Werner Bürger sahen das auch so und versuchten, die Sakristei unter Denkmalschutz zu stellen.

Alter der Sakristei reicht nicht für den Denkmalschutz

Das Denkmalsamt LWL Münster schrieb: ‚Ein interessantes zeitgenössisches Gebäude mit hohem künstlerischen Anspruch.‘ Da die Sakristei erst nach 1990 gebaut wurde, konnte sie nicht unter Denkmalschutz gestellt werden.

Man hat den Eindruck, Gegner des Bauwerks handelten und handeln nach dem Motto; Wie werde ich ein ‚ungeliebtes‘ Kunstwerk los? Ich verzichte einfach jahrelang auf sämtliche Erhaltungsmaßnahmen. Die Sakristei wurde nicht sachgerecht genutzt. Lüftungsschlitze sind mit Möbeln zugestellt, Waschmaschine und Wäschetrockner befinden sich an völlig ungeeigneter Stelle.

Einzigartiges Gebäude in Werne

Da stehen wir heute. Wo haben wir noch so ein neueres Gebäude mit diesem künstlerischen Anspruch in Werne? Die verkannte und vernachlässigte Sakristei kann renoviert werden und auch die heute gewünschte Behindertentoilette -damals sollte sie nicht sein - könnte an der Verbindung zur Christophoruskirche angebaut werden. Platz ist genug vorhanden.“

Lotte Lehmkuhls Bitte an alle Werner: „Machen Sie sich ein eigenes Bild von diesem künstlerischen, absolut erhaltenswerten Architekturjuwel! Ich bitte um Unterstützung. Dieser einzigartige Bau soll erhalten bleiben. Der geplante Abriss muss verhindert werden.“

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