Sakristei in Werne: Gemeinde und Architekt liegen im Clinch

dzGemeinde St. Christophorus

Die Zukunft der Sakristei bleibt ein viel diskutiertes Thema, das unter anderem Gegenstand einer Predigt im Gottesdienst war. Nun hat der Kirchenvorstand eine umfangreiche Stellungnahme verfasst.

Werne

, 26.07.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Abriss der viel diskutierten Sakristei St. Christophorus - ja oder nein? Diese Frage bewegt nicht nur Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde. Der ungewöhnliche Bau und seine Zukunft sind Thema zahlreicher Gespräche von Werner Bürgern. Die einen, wie die Witwe des früheren Werner technischen Beigeordneten, Lotte Lehmkuhl, wollen das Bauwerk erhalten. Andere sprechen sich für einen Abriss aus.

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Aufgrund der anhaltenden Diskussion hat sich der Kirchenvorstand zu einer umfangreichen, dreiseitigen Stellungnahme entschlossen. Darin heißt es unter anderem: „Ausgangspunkt war zunächst die Sanierung der Sakristei, da eine Undichtigkeit der Hülle bei Regen auftrat und es zu Pfützenbildungen im Innern der Sakristei kam. Diesbezüglich wurde das Architekturbüro Hülsmann GmbH aus Münster mit der Schadenfeststellung, dessen Ursächlichkeit sowie der Sanierungsmöglichkeiten und Kosten beauftragt. Im Laufe der Prüfung stellten sich immer mehr Mängel und Probleme dar.“

Gutachten empfiehlt „Rückbau der Sakristei“

Konsequenz daraus: Gemeinde und Bistum gaben vor einiger Zeit ein fachtechnisches Gutachten bei der g+w ingenieurplanung GmbH in Auftrag. Das Ergebnis der 50-seitigen Expertise sein „niederschmetternd“ gewesen. Es liste zahlreiche Mängel auf und fordert in der Konsequenz : „Aus baulich technischer Sicht ist zu empfehlen, den oberirdischen Gebäudeteil bis zur Oberkante der Kellergeschosswände zurückzubauen und eine neue Konstruktion auf diesem Fundament zu errichten, die von vornherein unter Beachtung der anerkannten Regeln der Technik konstruiert wird.“

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In dem Schreiben des Kirchenvorstandes heißt es weiter: „Diesem Ergebnis wird sich der Kirchenvorstand, in enger Abstimmung mit dem Bistum, anschließen.“ Und weiter: „Ein Konsens mit dem Architekten der Sakristei konnte nicht erzielt werden, da dieser keines der Gesprächsangebote über das vorliegende und ihm nicht bekannte Gutachten angenommen hat.“

Der Architekt der Sakristei, das renommierte Büro „Böhm Architekten“ aus Köln, sieht das naturgemäß ganz anders. Auf Anfrage dieser Redaktion hatte vor einigen Wochen Prof. Stephan Böhm gesagt: „Man will in der Gemeinde den Abriss. Das ist schon seit Langem klar.“

Feuchtigkeits-Schäden, Kondenswasser, Temperatur-Probleme - ein Gutachten listet laut Kirchenvorstand so viele Mängel an der Sakristei auf, das eigentlich nur noch der Abriss bliebe.

Feuchtigkeits-Schäden, Kondenswasser, Temperatur-Probleme - ein Gutachten listet laut Kirchenvorstand so viele Mängel an der Sakristei auf, das eigentlich nur noch der Abriss bliebe. © Helga Felgenträger (A)

Am 12. Juni 2020 habe ihn ein Schreiben der Bauabteilung des Bistums Münster erreicht, in dem es unter anderem heiße: „Deshalb hat die Kirchengemeinde St. Christophorus Werne den Beschluss zum Abriss und Neubau der Sakristei gefasst.“ (Auf Anfrage der Redaktion wollte weder das Bistum Münster noch Pfarrdechant Jürgen Schäfer einen Abrissbeschluss bestätigten. In der aktuellen Stellungnahme des Kirchenvorstandes deutet nun aber alles auf einen Abriss hin.)

Prof. Stephan Böhm formulierte mit Datum vom 14. Juni 2020 ein Antwortschreiben an die Bauabteilung des Bistums. Darin zeigt er sich „nicht wenig schockiert“ über das Ausmaß der „erschreckenden Ablehnung der Architektur der Sakristei von St. Christophorus“.

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Böhm stellt die rhetorische Frage: Wenn es Probleme mit der Sakristei gab, warum hat man nicht ihn, den Architekten, gefragt? Wäre das nicht der erste und selbstverständlichste Schritt gewesen? „Man hat uns zu keiner Zeit zu welchem Problem auch immer befragt oder gar zu dessen Lösung um Hilfe gebeten. Im Gegenteil, wenn man anrief, erhielt man stets ausweichende Antworten.“

Im Vorfeld eines Termines im September 2018 im Pfarramt Werne habe es eine Stellungnahme der Gemeinde an das Architekturbüro Böhm mit einer Mängelliste gegeben, die „streckenweise - um es zurückhaltend auszudrücken - unwahre Behauptungen enthält...“.

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