„Chance“ verpasst: Spott für Fortuna nach Pokal-Blamage

Die Aufgabe war lösbar, das Tor zum Pokal-Halbfinale weit offen. Doch Fortuna Düsseldorf hat eine historische Chance verpasst. Die Fehler-Analyse von Trainer Uwe Rösler deutet auf körperliche Defizite hin.

03.03.2020, 21:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Profis von Fortuna Düsseldorf schlichen gerade mit hängenden Köpfen vom Platz, da erwischte sie die volle Ladung Spott und Ironie über die Stadion-Lautsprecher. „Nehmt es uns nicht übel“, hatte Saarbrückens Stadionsprecher Christoph Tautz einleitend gesagt: „Das ist unsere saarländische Art zu feiern. Die Kölner mussten da auch schon durch.“ Und dann dröhnte aus den Boxen eine von der Saarbrücker Band „Schaafa Sämpf“ umgedichtete Version des „Tote Hosen“-Klassikers: „Tage wie diese“.

Nach „Klatschen wie diesen“ hieß es dort nun, weine die Fortuna dem ehemaligen Trainer Friedhelm Funkel nach. Und müsse ohne Abendbrot ins Bett. Nachdem der Regionalligist 1. FC Saarbrücken in der 2. Runde des DFB-Pokals den 1. FC Köln ausgeschaltet hatte, war von der Band der „Höhner“-Song „Viva Colonia“ in „Bye Bye Colonia“ umgedichtet worden.

Zum Lachen war bei der Fortuna an diesem Dienstagabend aber niemandem zumute. Die Düsseldorfer hatten das vermeintlich leichteste Los im Viertelfinale des DFB-Pokals erwischt und verpassten trotzdem den ersten Halbfinal-Einzug seit 24 Jahren. Trotz 31:4 Torschüssen in der regulären Spielzeit, die 1:1 endete. Und trotz zweimaligen Vorteils im Elfmeterschießen, das Saarbrücken nach 20 Schüssen mit 7:6 gewann.

„Die Chance, hier weiterzukommen, war riesengroß“, sagte Sportchef Lutz Pfannenstiel. Und auch Trainer Uwe Rösler trauerte der leichtfertig verschenkten Gelegenheit auf sportliches Renommée und auf zusätzliche Millionen-Einnahmen nach. „Das war eine historische Chance“, sagte er: „Deshalb ist das sehr enttäuschend.“

Auf die Frage, warum die Fortuna trotz des erlösenden Ausgleichs durch Zanka in der 90. Minute nach Kopfball-Vorlage von Torhüter Florian Kastenmeier den drei Klassen tiefer spielenden FCS in der Verlängerung nicht dominierte, schaute Rösler grimmig. „Ich habe eine Erklärung“, sagte er: „Aber die verrate ich nicht.“ Auf Nachfrage ließ er durchblicken: „Die Spieler wollten weitermachen. Aber sie konnten einfach nicht. An der Einstellung hat es nicht gelegen.“

Also bleibt die körperliche Fitness als Begründung. Und somit ein mehr oder minder versteckter Vorwurf an Vorgänger Funkel. Unter dem seit sieben Spielen amtierenden Rösler spielen die Düsseldorfer deutlich aktiver und dominanter als unter Funkel, die Laufwerte sind deutlich nach oben gegangen. Doch möglicherweise reichen die körperlichen Grundlagen nicht für diese Art des Spiels. Beim 3:3 am Freitag gegen Hertha BSC hatte die Fortuna eine 3:0-Führung verspielt.

Die Hypothek dieser beiden Enttäuschungen trägt der Bundesliga-16. nun in die wichtigen Liga-Spiele beim 15. Mainz und gegen den Tabellenletzten Paderborn. „Die letzten beiden Spiele haben sehr weh getan“, sagte Pfannenstiel: „Aber wir sind noch nicht tot. Wir müssen diesen Schock schnell abhaken und noch enger zusammenrücken.“

Die Ironie aus den Boxen war am Dienstag tatsächlich das kleinste Problem der Fortuna.

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