Über Jahrzehnte war Rolf Jackl in der Justiz tätig – ab 2003 im Amtsgericht Lünen. Nun geht er in den Ruhestand. Wie finden das seine Weggefährten?

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 29.09.2020, 19:15 Uhr / Lesedauer: 4 min

Mittwoch, 30. September, ist für den Justizhauptwachtmeister der letzte Arbeitstag. Was den 64-Jährigen und sein Verhältnis zu den Menschen betrifft, mit denen er zusammenarbeitet, ist eines Fakt: Trennungsschmerz herrscht auf beiden Seiten.

Es sind die kleinen Gesten und seine Eigenschaften, die Rolf Jackl ausmachen. Wer in den vergangenen Jahren im Amtsgericht vorstellig wurde, traf meistens schon an der Pforte auf den Mann mit dem freundlichen Lächeln, der hilfsbereiten Art und dem Humor, der regelmäßig hervorblitzte. Der künftige Pensionär hatte seine Berufung gefunden und das war nicht zu übersehen.

Interesse an den Aufgaben und die zukunftssichere Arbeitsstelle waren es, die ihn vor fast fünf Jahrzehnten die Entscheidung treffen ließen: Im April 1974 begann Rolf Jackl als Justizaushelfer, wie das Ganze damals genannt wurde, am Landgericht in Dortmund. Knapp drei Jahrzehnte später verschlug es ihn nach Lünen – nun als Justizhauptwachtmeister und seit Oktober 2018 war er Leiter der Wachtmeisterei.

Es geht um die Menschen

Die Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung im Gerichtsgebäude, die Einlasskontrolle oder die Vorführung von Gefangenen in Gerichtsverhandlungen waren unter anderem seine Aufgaben. Wobei: „Der Sitzungsdienst, also das Vorführen, hat mich am meisten interessiert.“ Dabei sei es ihm um die Menschen, ihre Geschichten, Schicksale und die Frage, wie es zu einer Straftat kam, gegangen. „Jedes Schicksal ist ja immer anders.“ Und dabei stand für ihn eins im Vordergrund: „Mein Bestreben war über die ganze Zeit, jeden gleich zu behandeln – unabhängig davon, welche Tat ihm vorgeworfen wurde. Da habe ich keine Unterschiede gemacht. Persönliche Gedanken muss man außen vor lassen.“

Die Zeit in Lünen, die mit einem freundlichen und kollegialen Empfang begann, hat dem 64-Jährigen sichtlich gefallen. „Das Klima ist gut. Ich bin damit zufrieden gewesen“, betont er und lächelt dabei. Es habe ihm besonders gefallen, dass die Zusammenarbeit auf allen Ebenen des Gerichts so gut funktioniert habe – stets mit wechselseitigem Respekt. Und dabei sei auch nicht an Lob und Dank gespart worden. „Auf den Punkt gebracht: Es war toll.“

Koch beim DRK

Auf das Kommende freut er sich allerdings auch. „Ich werde erstmal die Anfangszeit genießen und dann meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Koch beim DRK nachkommen.“ Hinzu kommen eine Mitgliedschaft im Skat-Verein, seine Vorliebe für das Radio, die Tageszeitung, ohne die gar nichts gehe, und für historische Dokumentationen im Fernsehen. Auch möchte er viel Zeit im Garten und am Herd verbringen. „Ich koche leidenschaftlich gerne.“

Und ein Punkt ist dem Katzenfreund aus Hamm besonders wichtig: „Natürlich freue ich mich darauf, mehr Zeit mit meiner Lebensgefährtin verbringen zu können, die ebenfalls zeitnah in Pension gehen wird.“ Ab und zu will er aber auch seine alten Kollegen in Lünen besuchen: „Sicherlich guckt man mal rein.“

Direktor: Freundliche und zugewandte Art

Rolf Jackls „Weggefährten“ reagieren auf den Abschied buchstäblich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Dr. Niklas Nowatius, Direktor des Amtsgerichts und Leiter der Arrestanstalt, hält die Wachtmeisterei generell für die Visitenkarte eines Gerichts. Er betont in dem Kontext: „Der Wachtmeister ist zum einen für Sicherheit und Ordnung zuständig, er ist aber auch Dienstleister für die Bürger, wenn es darum geht, sich im Gericht zurechtzufinden. Eine erfolgreiche Arbeit setzt voraus, dass man alle Abteilungen des Gerichts kennt. Nur so kann dem Bürger geholfen werden. Herr Jackl hat eine sehr freundliche und zugewandte Art. Damit hat er oft erste Berührungsängste abbauen können. Und da, wo es schwierig wurde, ließ er sich aber auch nicht die Butter vom Brot nehmen. Besonders zeichnet ihn aus, dass Durchsetzungsstärke mit Freundlichkeit einhergeht.“ Sein Resümee: „Ich bedauere den Abschied für die Behörde, freue mich aber persönlich mit ihm auf den neuen Lebensabschnitt.“

Justizbeschäftigte Simone Plastwich findet ebenfalls herzliche Worte für ihren langjährigen Kollegen: „Mit Rolf geht ein lieber, hilfsbereiter Kollege in den Ruhestand, mit dem ich viel gelacht habe, aber auch hitzige Diskussionen führen konnte. Ich wünsche Rolf für seinen Ruhestand alles erdenklich Gute und dass er ihn noch viele Jahre bei bester Gesundheit genießen kann.“

Strafrichterin Beatrix Pöppinghaus verhehlt ihr Bedauern auch ganz und gar nicht: „Herr Jackl ist kompetent und absolut zuverlässig. Er war für mich jederzeit ansprechbar, war engagiert und immer einsatzbereit, auch wenn die Sitzungen mal wieder länger dauerten. Besonders beeindruckt war ich immer von seiner freundlichen und den Menschen zugewandten Art, aufgrund der er von jedem respektiert wurde. Ich bedauere es sehr, dass wir jetzt ohne ihn auskommen müssen, gönne ihm aber natürlich auch seinen wohlverdienten Ruhestand und wünsche ihm natürlich alles Gute dafür.“

Bernd Spatzier: „Mehr Engagement kann man sich nicht wünschen."

Bernd Spatzier: „Wir sind super miteinander ausgekommen." © Sylvia Mönnig

Justizoberwachtmeister Bernd Spatzier wird seinen Kollegen ebenfalls schwer vermissen. Er erklärt mit einem herzlichen Lächeln: „Wir sind super miteinander ausgekommen. Für den Ruhestand wünsche ich ihm, dass er runterkommen und die Zeit noch lange genießen kann. Hier wird er fehlen. Die Lücke muss erstmal geschlossen werden.“

Jugendrichter Jan Knappmann begann seinen Dienst am Amtsgericht Lünen kurz bevor Rolf Jackl dort eintraf. Er betont: „Ich kenne ihn ausschließlich dienstlich. Aber dieses dienstliche Verhältnis ist so von Vertrauen, Sympathie und Respekt geprägt, dass ich es jetzt schon bedaure, dass er in das Pensionsalter gerückt ist.“ Und: „Mehr Engagement kann man sich nicht wünschen. Er wird mir fehlen – als Arbeitskollege und als Gesprächspartner bei Fußballfachthemen.“ Dazu betont er: „Ich wünsche ihm viel Gesundheit, Zeit und Kraft für sein ehrenamtliches Engagement beim DRK und schöne Reisen mit seiner Lebenspartnerin an die Nordsee.“

Jan Knappmann: „Mehr Engagement kann man sich nicht wünschen."

Jan Knappmann: „Mehr Engagement kann man sich nicht wünschen." © Sylvia Mönnig

Strafrichter Ulrich Oehrle, seit 1994 am Amtsgericht Lünen, bringt es einmal mehr auf seine trockene, aber stets herzliche Art auf den Punkt: „Mehr Wachtmeister geht nicht.“ Und das meint er absolut ernst. Auch er hegt große Sympathie für Rolf Jackl: „Bevor man überhaupt weiß, dass man Hilfe benötigt, bietet er sie einem an und repariert sogar sofort defekte Rufanlagen, bevor man einen Techniker überhaupt rufen kann.“ Insgesamt zollt er dem künftigen Pensionär größten Respekt: „Auch in Sitzungen mit angespannter Atmosphäre strahlte er schwierigen Prozessbeteiligten gegenüber eine ruhige, souveräne Autorität aus, so dass in der Regel Ärger ausblieb.“ Seine Wünsche zum Abschied: „Gesundheit natürlich, aber vor allen Dingen ein ausgefülltes Leben.“

Berufswahl nicht bereut

Rolf Jackls letzter Arbeitstag dürfte mit Sicherheit kein normaler Dienst werden – vielleicht mit etwas Wehmut auf allen Seiten. Mit seiner Berufswahl ist der 64-Jährige jedenfalls mehr als zufrieden. „Nein, ich bereue das nicht.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Hohe Beteililgung am Streik
Sonderzahlung sinkt: Darum streiken Mitarbeiter der Sparkasse an der Lippe