Römischer Brunnen mit Jupitersäule aus Tagebau geborgen

Im rheinischen Braunkohletagebau bei Kerpen haben Archäologen einen etwa 15 Meter tiefen Brunnen aus der Römerzeit entdeckt. In dem Brunnen wurde eine fünf Meter hohe Jupitersäule mit drei weiblichen Gottheiten darauf gefunden, berichtete ein Sprecher des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland am Dienstag. Der Verehrung dienende Säulen für Jupiter, den höchsten römischen Gott, seien nicht selten. Ungewöhnlich sei die kombinierte Abbildung mit den Göttinnen. „Das ist das Besondere daran“, sagte der Sprecher.

11.08.2020, 12:32 Uhr / Lesedauer: 1 min

Den Ausgrabungsort an einem einstigen römischen Landgut kannten die Archäologen schon seit den 1980er Jahren. Weil die Braunkohlebagger immer näher rücken, musste das Relikt aus der Römerzeit ausgegraben werden. Weil auch Holz gefunden wurde, kann der Fund datiert werden: Ab den 2. oder 3. Jahrhundert und bis ins 5. Jahrhundert hinein wurde der Brunnen genutzt. In der Zeit hatten die Römer bis zu 30 000 Soldaten am Rhein stationiert. Landgüter dienten der Versorgung mit Lebensmitteln.

Die Jupitersäule sei zertrümmert, berichtete der Sprecher. Sie bestehe aus etwa zehn größeren Fragmenten, die sich im Depot befänden. Derzeit würden sie im LVR-Landesmuseum in Bonn restauriert. Unklar ist, ob die Säule einmal ausgestellt wird.

Im Brunnen wurde von dem römischen Gott nur der Unterleib gefunden. „Der Oberkörper ist verschwunden“, sagte der Sprecher. Spekuliert wird, warum die Säule in den Brunnen geworfen wurde: Das könnte im Zuge der Christianisierung oder bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit Germanen geschehen sein.

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