RKI-Studie: 28 Prozent der Corona-Infizierten in Kupferzell haben keine Antikörper

Coronavirus

Das Robert Koch-Institut hat im ehemaligen Corona-Hotspot Kupferzell eine Antikörperstudie mit mehr als 2000 Erwachsenen durchgeführt. Die Studie brachte mehrere spannende Erkenntnisse.

Kupferzell

14.08.2020, 13:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mehr als 2000 Menschen aus Kupferzell wurde für die Antikörper-Studie des Robert Koch-Instituts Blut abgenommen.

Mehr als 2000 Menschen aus Kupferzell wurde für die Antikörper-Studie des Robert Koch-Instituts Blut abgenommen. © picture alliance/dpa

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat in einer Antikörper-Studie den Corona-Hotspot Kupferzell in Baden-Württemberg untersucht. Demnach hatten 28 Prozent der untersuchten Erwachsenen, die bereits positiv auf Corona getestet worden waren, im Nachhinein keine Antikörper im Blut. „Auch aus anderen Studien ist bekannt, dass bei einem Teil der Personen, die nachweislich mit dem Sars-CoV-2-Virus infiziert waren, nach einer gewissen Zeit keine Antikörper mehr nachgewiesen werden können. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass keine Immunität besteht“, sagte die Studienleiterin Dr. Claudia Santos-Hövener bei der Vorstellung der Studie „Corona Monitoring lokal“.

Corona-Ausbruch nach Kirchenbesuch

Im baden-württembergischen Kupferzell hatte es nach einem Kirchenbesuch am 1. März stark steigende Corona-Infektionszahlen gegeben. Für die Antikörper-Studie hat das Robert Koch-Institut vom 20. Mai bis zum 9. Juni insgesamt 2203 Erwachsene aus Kupferzell getestet und befragt. Die Forscher nahmen den Probanden Blut ab, machten PCR-Rachenabstriche und stellten ihnen Fragen zum Beispiel zu Vorerkrankungen.

Laut den Ergebnissen konnte das Infektionsgeschehen so eingedämmt werden, dass zum Zeitpunkt der Untersuchung kein PCR-Rachenabstrich mehr Corona-positiv war. Über die Antikörpertests konnten die Forscher aber die Grundimmunität in der Bevölkerung bestimmen. Demnach hatten 7,7 Prozent der getesteten Kupferzeller eine Corona-Infektion durchgemacht. „Mit Blick auf den Herbst reicht diese in Kupferzell vorhandene Grundimmunisierung der Bevölkerung nicht aus, um eine zweite Welle zu verhindern“, ordnete der Vizepräsident des RKI, Lars Schaade, die Ergebnisse ein.

Dunkelziffer liegt bei 3,9

Mit Spannung erwartet wurde auch die Dunkelziffer: In Kupferzell gab es laut den Studienergebnissen 3,9 mal mehr Infektionen als bisher bekannt. Der Leiter des Zentrums für Gesundheitsschutz in Baden-Württemberg, Stefan Brockmann, zeigte sich davon erfreut: „Dieser Faktor 4 zeigt, dass wir in Baden-Württemberg und in Deutschland gut arbeiten und gut aufgestellt sind. In anderen Ländern liegt die Dunkelziffer zum Teil bei Faktor 10.“

Bei der Auswertung aus Kupferzell war außerdem auffällig, dass mit 8,7 Prozent deutlich mehr Frauen Antikörper im Blut aufwiesen als Männer (6,3 Prozent). Außerdem waren demnach überdurchschnittlich viele Über-80-Jährige erkrankt - die Quote lag hier bei 16,7 Prozent. Dagegen waren bei der jüngsten untersuchten Gruppe der 18-34-Jährigen nur 6,3 Prozent der Antikörpertests positiv.

Die Antikörper-Studie wird noch in drei weiteren Gemeinden durchgeführt, die stark von Corona betroffen waren, darunter das oberbayerische Bad Feilnbach und das niederbayerische Straubing. Der vierte Ort steht noch nicht fest. Insgesamt will das RKI so 8000 Erwachsene untersuchen.

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