RKI rechnet mit zweiter, dritter oder vierter Welle in der Corona-Pandemie

Coronavirus

Beinahe täglich wird über eine mögliche zweite Welle in der Corona-Pandemie diskutiert. Kommt sie oder kommt sie nicht? Das Robert Koch-Institut geht davon aus.

Berlin

02.06.2020, 20:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf seiner Internetseite veröffentlicht das Robert-Koch-Institut neben Fragen und Antworten rund um das Coronavirus auch den täglichen Lagebericht und die Fallzahlen.

Auf seiner Internetseite veröffentlicht das Robert-Koch-Institut neben Fragen und Antworten rund um das Coronavirus auch den täglichen Lagebericht und die Fallzahlen. © picture alliance / dpa

Kommt nach zahlreichen Lockerungen eine zweite Corona-Welle auf uns zu? Bisher haben sich viele Virologen dazu geäußert. Im Kern relativ einheitlich: Sie rechnen mit einem Anstieg der Corona-Fälle im Herbst, auch wenn viele das Bild oder die Begrifflichkeit einer zweiten Welle vermeiden möchten. Nun äußerte sich auch das Robert Koch-Institut zur Wellen-Diskussion und potentiellen Saisonalität des Coronavirus.

Täglich aktualisiert das Robert Koch-Institut (RKI) die Daten zum Coronavirus auf seiner Website. Dazu bietet es sogenannte FAQ (Frequently Asked Questions, häufig gestellte Fragen) an, die sämtliche Fragen zur Coronavirus-Pandemie behandelt. Nun hat das RKI seine Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus Sars-CoV-2 um zwei weitere Fragestellungen ergänzt: Wird es weitere COVID-19-Wellen in Deutschland geben? Gibt es eine Saisonalität bei SARS-CoV-2?

Wird es weitere Infektionswellen in Deutschland geben?

Das RKI spricht nicht nur über eine mögliche zweite Welle, sondern auch eine dritte, vierte oder achte. Zwar betont das Institut, dass es gelungen sei, die aktuelle Kurve abzuflachen und die Fallzahlen zu senken - was allerdings nicht bedeute, dass die Pandemie in Deutschland überstanden sei. Bislang sei nur ein kleiner Teil der Bevölkerung infiziert gewesen und habe damit Antikörper gegen das Virus bilden können. „Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung hat noch immer keinerlei Immunschutz gegen SARS-CoV-2. Es muss damit gerechnet werden, dass die Fallzahlen wieder ansteigen können und es zu einer zweiten COVID-19-Welle kommen kann.“ Wann das jedoch passiert, können die Wissenschaftler nicht fundiert sagen.

Eine zweite Infektionswelle hängt laut RKI von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel sei es sehr wichtig, dass die Infektionsschutzmaßnahmen eingehalten werden. Ohne die Maßnahmen kann sich das Virus unkontrolliert weiterverbreiten und die Zahl der Neuinfektionen würde schnell steigen. Dieses Szenario ist laut RKI auch für mehrere nachfolgende Wellen unterschiedlicher Ausmaße denkbar.

Gibt es eine Saisonalität beim Coronavirus?

Die zweite Frage, ob es eine Saisonalität bei Sars-CoV-2 gibt, ist offenbar schwieriger zu beantworten. Daher hält sich das RKI hier weitestgehend bedeckt. Auch wenn Virologen davon ausgehen, dass sich Sars-CoV-2 wie andere Viren verhält und sich zu kälteren Zeiten schneller verbreitet als zu wärmeren, ist dieser Aspekt noch nicht bewiesen. Charité-Virologe Drosten äußerte zudem die Vermutung, dass auch die intensive Verbreitung an Schlachthöfen ein Zeichen sein könnten, dass sich das Coronavirus bei Kälte schneller verbreite.

Das Rober Koch-Institut beruft sich auf Bekanntes: „Viele Viren, die akute Atemwegserkrankungen verursachen, verbreiten sich im Sommer generell schlechter“, heißt e auf der Website. Als Grund dafür nennt das RKI zum einen die steigenden Temperaturen und die UV-Strahlung, aber auch die Tatsache, dass die Menschen mehr Zeit im Freien und weniger in geschlossenen Räumen verbringen.

Ein saisonaler Schutz sei auch beim neuen Coronavirus denkbar, aber „es ist jedoch offen, wie groß ein solcher Effekt sein würde, da das Virus immer noch auf eine Bevölkerung trifft, die kaum Immunschutz gegen SARS-CoV-2 aufweist“.

Schwangere sind vermutlich nicht stärker gefährdet

Ebenfalls angepasst hat das RKI die FAQ zu Behandlungsmöglichkeiten, zum Schutz vor Ansteckung, zum Meldewesen und zu Covid-19 bei Schwangeren. Im Zentrum der Behandlung einer Covid-19-Erkrankung stehen die optimalen unterstützenden Maßnahmen wie Sauerstoffgabe, Ausgleich des Flüssigkeitshaushaltes und gegebenenfalls Antibiotikagabe zur Behandlung von bakteriellen Superinfektionen sowie die Behandlung von relevanten Grunderkrankungen. Eine spezifische Therapie gebe es aber bis zum heutigen Datum noch nicht.

Zur erhöhten Ansteckungsgefahr für Schwangere gibt es laut RKI noch keine genauen Daten. Aufgrund der physiologischen Anpassungen und immunologischen Vorgänge kann dies aber derzeit nicht ausgeschlossen werden. Nach bisherigem Forschungsstand scheinen Schwangere aber häufig keine oder nur schwache Symptome der Krankheit aufzuweisen.

RND

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