RKI-Chef zur Corona-Lage: “Lockerungen bleiben nicht völlig folgenlos”

Coronavirus

Die Pandemie sei nicht vorbei, weder in Deutschland noch weltweit, sagt Lothar Wieler vom Robert-Koch-Institut - die Zahlen der Neuinfektionen steigen. Ist das die Folge der Lockerungen?

Berlin

von Tobias Dinkelborg

, 23.06.2020, 10:53 Uhr / Lesedauer: 1 min
Am Dienstag hat RKI-Chef Lothar Wieler von einem merklichen Anstieg der Corona-Zahlen innerhalb der letzten sieben Tage gesprochen.

Am Dienstag hat RKI-Chef Lothar Wieler von einem merklichen Anstieg der Corona-Zahlen innerhalb der letzten sieben Tage gesprochen. © picture alliance/dpa

Die Corona-Fallzahlen steigen in Deutschland seit vergangenem Dienstag wieder an. Das liege an lokalen Ausbruchsgeschehen wie etwa im Kreis Gütersloh, sagte Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, in Berlin.

Momentan sehe man: “Wenn wir dem Virus eine Chance geben, sich auszubreiten, nimmt es sich diese Chance.” Mit dem Blick auf die umfassenden Lockerungen der Schutzmaßnahmen betonte Wieler, er glaube nicht, “dass die Lockerungen völlig folgenlos bleiben werden”.

Im Mittel 350 neue Fälle pro Tag

Allerdings gibt es auch eine gute Nachricht: 137 Kreise haben in den vergangenen sieben Tagen keine neuen Infektionen mehr gemeldet. “Im Mittel wurden in den letzten Tagen 350 neue Fälle pro Tag ans RKI ermittel”, ergänzte Wieler.

Der geschätzte Reproduktionsfaktor bewegt sich seit Sonntag “zwischen zwei und drei”, sagte der RKI-Chef. Der sensitive R-Wert liege aktuell bei 2,68 - der stabile bei 1,38. “Nach unserer Ansicht stehen auch dafür die lokalen Ausbrüche vor allem in der Verantwortung”, betonte Wieler. Außerdem erinnerte er nochmals daran, den R-Wert bei niedrigen täglichen Fallzahlen “besonders mit Vorsicht” zu genießen.

Zahl der Todesfälle im unteren zweistelligen Bereich

Die Zahl der Todesfälle sei zuletzt deutlich gesunken und liege im unteren zweistelligen Bereich pro Tag, berichtete Wieler. “Das ist die Folge, dass wir insgesamt weniger Neuinfektionen feststellen.” Die Behandlungskapazitäten seien weiterhin gut, medizinische Engpässe würden weiterhin nicht erwartet. In Kreisen mit größeren Ausbrüchen könne es allerdings dazu kommen.

Wieler mahnte: “Wir müssen weiterhin sehr achtsam sein, um weitere Ausbrüche möglichst zu verhindern. Die Pandemie ist nicht vorbei, weder in Deutschland noch weltweit vorbei.” Am Sonntag habe die Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit mehr als 180.000 neue Fälle gemeldet, die höchste tägliche Zunahme seit Beginn der Pandemie.

RND