RKI bedauert Veröffentlichung veralteter Impfstoffprognose: „Sehr ärgerlicher Fehler“

Coronavirus

Zunächst hatte das Robert-Koch-Institut gemeldet, man erwarte einen Impfstoff bereits im Herbst dieses Jahres. Dann war die Seite offline – später war dort ein Dementi zu lesen.

Berlin

13.08.2020, 10:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wegen eines Statements des Robert-Koch-Institut kam es zu Verwirrungen.

Wegen eines Statements des Robert-Koch-Institut kam es zu Verwirrungen. © picture alliance/dpa

Große Verwirrung um einen Bericht des Robert-Koch-Instituts. Das RKI hatte am Mittwoch zunächst einen Artikel veröffentlicht, in dem es hieß, ein Corona-Impfstoff könne schon ab Herbst 2020 verfügbar sein. Später zog das RKI den Bericht zurück. Es habe versehentlich ein altes Strategiepapier online gestellt.

Ein Sprecher des Gesundheitsminister Jens Spahn sagt, es habe sich um ein veraltetes Papier des RKI gehandelt, das versehentlich auf die Homepage gestellt worden sei. Ein aktuelles Positionspapier solle erst in den kommenden Tagen veröffentlicht werden.

RKI geht hart mit sich ins Gericht

Eine Sprecherin des Robert-Koch-Institutes (RKI) sprach auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) von einem „sehr ärgerlichen Fehler“, den man zutiefst bedauere. „Bei dem veröffentlichten Papier handelt es sich um eine völlig veraltete, inzwischen mehrfach überarbeitete Version, die nicht zur Veröffentlichung vorgesehen war“, sagte sie. Das RKI gehe ausdrücklich nicht davon aus, dass ein Impfstoff bis Herbst zur Verfügung stehen könnte, sagte die Frau weiter. Das Institut werde in Kürze eine aktuelle Version des Positionspapieres publizieren.

Impfstoff erst nach Phase-III-Prüfung

Der Sprecher verwies auf die jüngsten Äußerungen des Präsidenten des für Impfstoffzulassung zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek, wonach es Ende 2020 und Anfang nächsten Jahres Zulassungen für Corona-Impfstoffe geben werde, vorausgesetzt, die Phase-III-Prüfungsdaten seien positiv. „An dieser Position hat sich nichts geändert“, sagte der Sprecher und betonte: „Wir rechnen nicht damit, dass noch im Laufe diesen Jahres flächendeckend ein Impfstoff zur Verfügung steht.“

Die Ursprungsmeldung des RKI

Das umfangreiche Thesenpapier war zunächst auf der Website des RKI auffindbar. Der war aber schnell verschwunden und stattdessen tauchte eine neue Seite auf. Deren Inhalt barg Erstaunliches – nämlich nichts anderes als den Rückzug des zunächst veröffentlichten Thesenpapiers.

Damit war die wissenschaftliche Verwirrung zunächst komplett. Zahlreiche Medien hatten umgehend über die optimistische Einschätzung des RKI berichtet, die Hoffnung auf ein Corona-Gegenmittel in wenigen Wochen machte.

Das stand im RKI-Positionspapier

In der veralteten Version des Positionspapiers, das am Mittwoch versehentlich veröffentlicht wurde, ging das Robert-Koch-Institut davon aus, ein Impfstoff gegen das Coronavirus könne binnen weniger Wochen verfügbar sein. „Die Impfstoffentwicklung gegen Sars-CoV2 läuft unter Verfolgung verschiedener Ansätze weltweit unter Hochdruck. Vorläufige Prognosen lassen die Verfügbarkeit eines Impfstoffs (ggf. mehrerer) bis Herbst 2020 möglich erscheinen“, hieß es darin.

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