Riskante Fahrt und wüste Beleidigung: Verkehrsrowdy verdrückt sich

dzAmtsgericht

Als Verkehrsrowdy war ein 64-Jähriger auf der Viktoriastraße unterwegs. Sein riskantes Überholmanöver samt Beleidigung beschäftigt das Amtsgericht. Doch dort tauchte er jetzt gar nicht auf.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 02.07.2020, 13:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Fall eines hochriskanten Überholmanövers auf der Viktoriastraße inklusive handfester Beleidigung an der nächsten Ampelkreuzung beschäftigt das Amtsgericht länger, als zunächst erwartet. Ein Grund dafür: Bei der Fortsetzung fehlte plötzlich jede Spur vom Angeklagten.

Der Zwischenfall ereignete sich laut Anklage am späten Abend des 26. August. Das mutmaßliche Opfer hielt sich in der 30er-Zone an das Tempolimit und das störte den Angeklagten im Auto dahinter offenbar gewaltig. Ihm ging es nicht schnell genug. Der 64-jährige Dortmunder, so zumindest der Vorwurf, gab Gas, überholte auf der Gegenfahrbahn und scherte so dicht wieder ein, dass sein Gegner ausweichen musste und beinahe mit geparkten Wagen am Straßenrand kollidiert wäre.

Wüste Beschimpfung

Damit nicht genug: An der nächsten Kreuzung standen die Pkw nebeneinander vor einer roten Ampel. Für den Angeklagten augenscheinlich die passende Gelegenheit, sein Fenster runterzukurbeln und den Anderen zu beschimpfen. Tatsächlich soll er laut und vernehmlich geäußert haben: „Du bist ein Hurensohn.“ Der Kontrahent merkte sich daraufhin das Kennzeichen, erstattete Strafanzeige und beschrieb in dem Zusammenhang auch den aggressiven Fahrer.

Unlängst begann das Verfahren und der 64-Jährige dachte gar nicht daran, eine Straßenverkehrsgefährdung oder die Beleidigung an der Kreuzung einzuräumen. Sein Verteidiger erklärte vielmehr für ihn, dass es einen derartigen Vorfall nicht gegeben habe. Und während sein Gegner im Zeugenstand vollends davon überzeugt war, dass es sich bei dem Mann auf der Anklagebank auch um den handelte, der in der Augustnacht hinter dem Steuer saß, führte der Dortmunder zwei Arbeitskollegen zum Beweis dafür an, dass er sich nichts habe zu Schulden kommen lassen.

Fortsetzung mit Zeugen

Mit besagten Kollegen als Zeugen sollte der Prozess nun fortgesetzt werden. Doch das war angesichts der leeren Anklagebank nicht möglich. Das Fehlen des 64-Jährigen überraschte nicht nur das Gericht, sondern auch den Verteidiger. Der versuchte mehrfach, seinen Mandanten auf dem Handy zu erreichen, bekam es aber stets mit der Mailbox zu tun. Nach der obligatorischen Viertelstunde musste das Verfahren erneut vertagt werden. Die beiden Zeugen wurden ungehört entlassen und können sich auf einen weiteren Gang zum Amtsgericht gefasst machen. Denn Mitte Juli soll es einen dritten Termin geben. Falls der Angeklagte bis dahin keinen triftigen Grund vorweisen kann, warum er unentschuldigt fehlte, muss er damit rechnen, beim nächsten Mal polizeilich vorgeführt zu werden. Damit soll sichergestellt werden, dass es keinen vierten Termin geben muss.

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