Riesige Party statt Demo: Veranstalter entschuldigen sich für Demo-Rave vor Klinik

Corona

Es sollte ein Protest für die Berliner Clubszene sein, am Ende läuft die Veranstaltung völlig aus dem Ruder. Ein Protest-Rave mit Hunderten Schlauchbooten und Tausenden Teilnehmern sorgt für Empörung.

Berlin

02.06.2020, 09:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine Ansammlung von Hunderten Schlauchbooten hat zu Pfingsten die Berliner Polizei beschäftigt.

Eine Ansammlung von Hunderten Schlauchbooten hat zu Pfingsten die Berliner Polizei beschäftigt. © picture alliance/dpa

Ein Protest-Rave mit Hunderten Schlauchbooten und Tausenden Teilnehmern hat zu Pfingsten nicht nur die Berliner Polizei beschäftigt, sondern auch teils für Unverständnis und Empörung gesorgt: Bei der Demonstration, die für außenstehende kaum von einer großen Party zu unterscheiden war, wurden nicht nur die wegen der Corona-Krise vorgeschriebenen Abstände nicht eingehalten - die Veranstaltung „Für die Kultur - Alle in einem Boot“ fand auch noch in Sichtweite einer Klinik statt. Inzwischen haben sich auch die Veranstalter zu Wort gemeldet.

„Wofür wir uns ganz deutlich Entschuldigen möchten, ist der mehr als schlecht gewählte und symbolisch völlig unangemessen Demo-Endpunkt vor einem Krankenhaus. Das hätten wir und die anderen beteiligten Akteure besser machen müssen. Dies tut uns leid und dafür möchten wir uns aufrichtig entschuldigen“, heißt es auf der Facebook-Seite der Initiatoren, „Rebellion der Träumer“.

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Die Initiatoren betonen aber auch, sie hätten auf „diversen Wegen unser bestes gegeben, die Demo so sicher wie unter den Umständen möglich zu gestalten“, so habe man „wiederholt und deutlich auf die Abstandsregeln hingewiesen“ und dazu aufgefordert, Gesichtsmasken zu tragen. „Dennoch hat unsere Kommunikation nicht alle Teilnehmenden erreicht - hier wäre in Anbetracht der Menschenmenge ein umfassenderes Sicherheitskonzept, auch in Zusammenarbeit mit den Behörden, wichtig gewesen“, heißt es weiter. Vom Zulauf sei man überrascht worden.

100 Polizisten im Einsatz

Die grundsätzliche Form des Protestes verteidigen die Organisatoren aber: „Wir haben gestern für unsere legitimen Interessen demonstriert und dabei bewusst die Aktionsform einer Wasserdemo gewählt, um das Ansteckungsrisiko so gut es geht zu minimieren. Als Kulturschaffende sind unsere beruflichen Existenzen und unsere Veranstaltungsorte akut bedroht – viele Künstler*innen, Kultureinrichtungen und Festivals fallen gerade durch alle Netze.“

Die Versammlung „Für die Kultur - Alle in einem Boot“ am Sonntag habe von der Spree über den Landwehrkanal nach Kreuzberg geführt, teilte die Polizei am Montag mit. Zwischenzeitlich seien rund 300 bis 400 Boote zusammengekommen. Die Polizei sei mit rund 100 Kräften im Einsatz gewesen.

Rund 1500 Menschen hätten sich laut Polizei auf dem Wasser und an Land aufgehalten, Berliner Medien berichten sogar von 3000 Menschen vor Ort. Der Veranstalter habe die Versammlung „aufgrund der nicht eingehaltenen Abstände zueinander und von Beschwerden über zu laute Musik“ nach einem Gespräch mit der Polizei am frühen Abend beendet, hieß es im Polizeibericht.

Demo-Rave: Kritik aus der Politik

Kritik gab es auch aus der Politik: „Ein Rave vor einem Krankenhaus ist mindestens schlechter Stil“, sagte Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel laut „Tagesspiegel“. Sie verstehe die Sorgen und Nöte der Clubs. „Dennoch sendet so eine Party das falsche Signal: nämlich, dass Corona vorbei ist.“ Die Erfolge der Eindämmung dürften nicht leichtfertig verspielt werden.

FDP-Gesundheitspolitiker Florian Kluckert warf den Ravern vor, eine Party als Demo zu tarnen und das Versammlungsrecht zu missbrauchen.

Clubbetreiber fürchten um ihre Existenz

Nach Angaben der Berliner Clubcommission handelte es sich um eine Initiative von einzelnen Akteuren aus der Clubszene. Ursprünglich sei geplant gewesen, dass Menschen mit Abstand am Ufer sitzen und Musik und Redebeiträgen auf den Booten zuhören.

Die Berliner Clubs sind seit Monaten geschlossen, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen. Viele Betreiber fürchten um ihre Existenz.