Reul: Dimension von Kindesmissbrauch lange unterschätzt

Kriminalität

NRW-Innenminister Herbert Reul hat zugegeben, das Ausmaß von Kindesmissbrauch unterschätzt zu haben. Verstärkt ergreife die Polizei nun konkrete Maßnahmen gegen die vielen Täter.

Düsseldorf

27.05.2020, 11:19 Uhr / Lesedauer: 1 min
NRW-Innenminister Herbert Reul hat zugegeben, das Ausmaß von Kindesmissbrauch unterschätzt zu haben.

NRW-Innenminister Herbert Reul hat zugegeben, das Ausmaß von Kindesmissbrauch unterschätzt zu haben. © picture alliance/Illustration

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hat eingeräumt, die Dimension von Kindesmissbrauch lange Zeit nicht erkannt zu haben. Auch ihm sei nicht bewusst gewesen, „was für ein gesellschaftlicher Abgrund“ sich in diesem Feld auftue, sagte er am Mittwoch im Düsseldorfer Landtag.

Inzwischen sei klar, dass es hier um „ein Massenphänomen“ gehe. Viele Täter, die mit neuster Technik und digital vernetzt ihr Unwesen trieben, um Kinder anzulocken und zu missbrauchen, fühlten sich „so sicher, dass sie sich nicht einmal groß um Deckung bemühen“, sagte Reul.

Personal in Kreispolizeibehörden massiv erhöht

Bei einer einzigen Durchsuchung seien schon mal 26 Terrabyte an Daten sichergestellt worden, berichtete der Innenminister. Das entspreche 169 Millionen DIN-A4-Seiten oder 34 000 Aktenschränken, beschrieb er das Ausmaß der kriminellen Machenschaften. Darunter seien allein 3,3 Millionen Bilder und mehr als 115 000 Filme.

„Aber auch ohne Chat können und werden täglich Nachbarn, Freunde, Betreuer und Verwandte zu Tätern“, sagte der Minister. In den Kreispolizeibehörden arbeiteten seit Bekanntwerden des Tatkomplexes Lügde viermal so viele Ermittler im Kampf gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie. Im Bereich des Landeskriminalamts habe sich die Zahl sogar verfünffacht.

„Ziel aller Maßnahmen war - ganz klar - dass jeder Täter jederzeit Angst haben muss, gefasst zu werden“, sagte Reul in der Landtagsdebatte zu Kindesmissbrauch und Kinderpornografie. „Wir wollen, dass diese Leute, die Kindern so etwas antun, sich in keiner Sekunde sicher fühlen“, betonte er unter dem Beifall des Plenums. „Denn Missbrauch tötet Kinderseelen.“

dpa

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