Reisebüros in Werne haben Flaute: Kunden sind verunsichert durch das Coronavirus

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Aufgrund des Coronavirus läuft das Sommerferiengeschäft für die Werner Reisebüros schleppend. Einige Veranstalter reagieren und passen ihre Stornierungsbedingungen an.

Werne

, 12.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In den Werner Reisebüros ist das Coronavirus ein großes Thema. Im Reisebüro Wiewel herrscht „totale Ruhe“, berichtet Frank Wiewel. Von Kundenströmen kann nicht die Rede sein. „Die Kunden sind aufgrund des Coronavirus verunsichert und warten ab, wie sich die Lage entwickelt.“ Normalerweise rate er den Kunden, vor allem für die Ferien frühzeitig zu buchen.

Doch nun halten die Reiseinteressierten von langfristigen Planungen Abstand. „Schon verständlich“, sagt Wiewel „denn niemand kann genau sagen, wie sich die Lage in den nächsten Wochen entwickeln wird.“ Er gehe jedoch noch gelassen mit der „schwierigen Situation“ um. „Wir sind im steten Kontakt mit den Veranstaltern, und stehen den Kunden mit Rat und Tat zur Seite. Sobald es Neuigkeiten gibt, erfahren die Kunden davon“, erzählt er.

Keinesfalls nach Italien - andere Reiseziele sind noch sicher

„Zum Glück haben wir wenig mit panischen Kunden zu tun. Die meisten sind besonnen.“ Lediglich zwei Stornierungen sind bisher eingegangen - allerdings waren dafür Stornokosten fällig. In einem Fall zeigte sich das Reisebüro kulant:

„Wir hatten eine Reise nach Südtirol für Frühjahr verkauft. Doch die haben wir selber storniert. Da schicken wir keinen hin.“

Das Robert-Koch-Institut stuft medizinisch inzwischen ganz Italien als Risikogebiet ein. „Von Italien abgesehen kann man noch gut reisen. Auch Zuhause kann ich mich anstecken“, so Wiewel. Ob die Werner nun verreisen oder nicht, das müssten sie für sich selbst entscheiden.

Buchung ist eine persönliche Entscheidung

Ähnlich sieht das Heidrun Wagner-Peters vom Reisebüro Wagner: „Wenn jetzt jemand reinkommt und die Reise stornieren möchte, dann werde ich ihn nicht überreden. Das ist eine ganz persönliche Entscheidung.“ Wagner-Peters hat für sich entschieden, in Kürze in den Urlaub zu fliegen: „Bisher ist Spanien noch sicher. Außerdem: Wenn ich dran bin, bin ich dran. Egal ob Zuhause oder im Urlaub. Ich fasse trotzdem noch Einkaufswagen an und bewege mich in der Öffentlichkeit.“

Dennoch, gibt sie zu, wasche sie sich etwas häufiger als sonst die Hände. Eine „Stornierungswelle“ habe es in ihrem Reisebüro bisher glücklicherweise noch nicht gegeben. In der Schwebe stünden aber nun die Busreisen zum Gardasee, die für April und Mai geplant sind. „Da kann man nur abwarten, wie sich die Situation entwickelt“, sagt Wagner-Peters.

Gelockerte Stornierungsbedingungen bis Ende April

Wer jetzt bucht, hat bei vielen Veranstaltern (etwa bei Tui, DER Touristik, FTI, Alltours und Schauinsland) immerhin bis Ende April angepasste Stornierungsbedingungen. Das heißt: Bis zu 14 Tage vor der geplanten Reise können Besorgte kostenfrei umbuchen oder stornieren. „Ich kann deshalb guten Gewissens weiterhin Reisen verkaufen. Es muss keiner fahren, der kurzfristig doch Bammel bekommt“, sagt Petra Schmiedeknecht, Leiterin des Reisebüros Lunemann.

„Die Regelung gilt bis Ende April, aber da sich die Lage wohl nicht so schnell verändern wird, schätze ich, dass sich die Frist verlängern wird.“ Obwohl sie aufgrund der Absicherung einige Besorgte zur Buchung ermutigen kann, seien die Kunden längst nicht so „buchungsfreudig“ wie sonst um diese Zeit. Stornierungen habe es bei ihr bisher noch nicht gegeben - wohl aber einige Anfragen, die sich mit dem Thema befassten.

Keine Hände schütteln und Wärme gegen die Viren

„Beinahe bei jedem Gespräch ist das Corona-Virus in irgendeiner Form ein Thema. Wir nehmen beispielsweise auch die Empfehlung ernst, keine Hände mehr zu schütteln, sondern uns mit einem Lächeln zu begrüßen und zu verabschieden.“ Sie selbst flöge kommende Woche nach Zypern. Kürzlich sei sie in Marokko unterwegs gewesen: „Ich bin relativ unbesorgt. Vielleicht hilft die Wärme ja auch, die Grippeviren zu töten.“

In einigen Ländern haben sich jüngst die Einreisebedingungen geändert. Hier ein Überblick:
  • Für Vietnam braucht man neuerdings ein Visum.
  • Das Auswärtige Amt rät derzeit unter anderem auch von Reisen in den Iran ab.
  • Israel verwehrt bereits seit dem 6. März Touristen aus Deutschland die Einreise - es sei denn, sie können eine Möglichkeit häuslicher Quarantäne in Israel für die ersten 14 Tage nachweisen (ein Hotelaufenthalt wird nicht als solche gewertet).
  • Wer nach Uganda einreist, muss sich für zwei Wochen in Quarantäne begeben - so steht es im Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amtes.
  • Ähnliche Quarantäneauflagen für Deutsche nach der Ankunft gibt es auch in Russland, aktuell jedoch nur für Moskau.
  • Das Königreich Bhutan lässt mit sofortiger Wirkung für zwei Wochen überhaupt keine Touristen mehr ins Land.
  • Deutschen ist außerdem die Einreise nach El Salvador, Kasachstan sowie in die pazifischen Inselstaaten Kiribati, Marshallinseln und Samoa verboten.
  • Wer ein Visum für Nepal beantragen möchte, muss einen negativen Covid19-Test vorweisen.
  • Thailand bittet Deutsche, sich freiwillig nach der Ankunft für zwei Wochen in häusliche Quarantäne zu begeben - dies sei aber nur eine Empfehlung. Eine Zwangsisolierung im Hotel ist aktuell nicht zu befürchten.
  • Hygienetests sollen zudem auf Bus- und Zugreisen nach Polen durchgeführt werden, erklärte der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki.
  • Das Auswärtige Amt rät von nicht erforderlichen Reisen nach Italien insgesamt ab.
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