Regierung will Ökolandbau in NRW ausweiten

Beim Ökolandbau steht NRW bundesweit an ziemlich letzter Stelle. Das will die Landesregierung ändern. Aktuell plagt die NRW-Landwirtschaft aber andere Sorgen.

22.09.2020, 11:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die schwarz-gelbe Landesregierung will den Ökolandbau in Nordrhein-Westfalen ausweiten. Derzeit sei NRW „Schlusslicht“, sagte Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) am Dienstag in Düsseldorf. Nur 6,0 Prozent der Agrarflächen in NRW würden ökologisch bewirtschaftet. Ziel sei, bis 2030 auf einen Anteil von 20 Prozent zu kommen. „Wir erleben ein großes Interesse, aber nicht in der Breite, wie wir uns das wünschen“, sagte die Ministerin. NRW liegt laut Ministerium damit auf dem vorletzten Platz vor Niedersachsen.

Vorbild für NRW sind nach Angaben Heinen-Essers Bayern und Baden-Württemberg. In Bayern wurden nach Angaben der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau (LVÖ) 2019 rund elf Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch bewirtschaftet, in Baden-Württemberg waren es nach Landesangaben sogar 14 Prozent.

Um den Ökolandbau in NRW zu stärken, will die Regierung ähnlich wie in Bayern ab kommendem Jahr Öko-Modellregionen ausweisen. Dort sollen Wertschöpfungsketten gezielt gestärkt und alle gesellschaftlichen Gruppen einbezogen werden. Geplant seien Berater und Koordinierungsstellen. Die Modellregionen müssten aber von der EU zertifiziert werden, sagte Heinen-Esser.

Zunächst sollen drei Regionen in einem Förderwettbewerb ausgewählt werden. Wenn die Landwirte Absatzchancen sähen, dann sei sie zuversichtlich, dass sie an dem Ökolandbau-Programm auch teilnähmen, sagte Heinen-Esser. In Regionen mit extrem ertragreichen Böden mache sie aber „ein Fragezeichen“.

AFRIKANISCHE SCHWEINEPEST: Große Sorge bereiten der Landesregierung derzeit nicht nur die Trockenheit und damit verbundenen Folgen für die Futtervorräte. Auch der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Brandenburg setze die Tierhaltung in NRW „unter besonderen Druck“, sagte Staatssekretär Heinrich Bottermann. Der Bund müsse jetzt Verhandlungserfolge mit den asiatischen Ländern erreichen, um ASP-freie Regionen wieder für den Handel zuzulassen.

NRW und Niedersachsen seien als Länder mit den meisten Schweinehaltern die Hauptbetroffenen der wirtschaftlichen Folgen der ASP, sagte Heinen-Esser. Der Bund müsse jetzt Hilfsprogramme aufstellen. Dabei dürfe es nicht bei Liquiditätsdarlehen bleiben. Es müsse auch wirksame Tilgungszuschüsse für die Tierhalter geben. „Sonst ist das der Sargnagel für die Schweinehaltung in Deutschland.“

Staatssekretär Bottermann sagte, ein Einschleppen der ASP in NRW müsse verhindert werden. In einem dicht besiedelten Land wie NRW würde ein Ausbruch der Seuche zu erheblichen Beschränkungen des Tierhandels führen. In NRW halten rund 6500 Betriebe insgesamt etwa 6,7 Millionen Schweine.

Am 10. September war der bundesweit erste Fall bei einem in Brandenburg gefundenem Wildschwein bestätigt worden. Mittlerweile ist dort die für Menschen ungefährliche Tierseuche bei 20 toten Wildschweinen nachgewiesen worden. Hausschweine sind bisher nicht betroffen. Für die Bauern ist die Lage trotzdem schwierig: Unter anderem hat China einen Importstopp verhängt. China war in der ersten Hälfte 2020 zum wichtigsten Abnehmer für Schweinefleisch aus Deutschland aufgestiegen.

INSEKTENSCHUTZ: Die Landesregierung will ihre Biodiversitätsberatung für Landwirte ausbauen. 2019 erhielten rund 11 000 Betriebe Fördermittel von knapp 53 Millionen Euro für Agrarumweltmaßnahmen auf rund 250 000 Hektar. Mehr als 3100 Betriebe stellten laut Ministerium Förderanträge für Blüh- und Schonstreifen. Damit soll die Artenvielfalt bewahrt und der Insektenschwund bekämpft werden.

STATISTIK: In NRW erwirtschaften nach Angaben des Ministeriums mehr als 100 000 Beschäftigte in rund 30 000 Betrieben pro Jahr mehr als sieben Milliarden Euro, davon mehr als die Hälfte in der Nutztierhaltung (3,8 Mrd. Euro). Insgesamt werden auf rund 47 Prozent der Landesfläche Ackerbau und Viehwirtschaft betrieben.

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